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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Demōtisch; Demours; Demtis deméndis; Demut; Denain; Denār; Denāro; Denationalisieren; Denaturalisieren; Denaturieren

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Demotisch - Denaturieren.

Auch die Ausgaben ausgewählter Reden (mit erklärenden Anmerkungen) von Westermann und v. Bamberg (3 Bde., in der Weidmannschen Sammlung) und von Rehdantz (6. Aufl., Leipz. 1881) sind zu nennen. Andre Herausgeber verschiedener Reden sind F. A. Wolff, Buttmann, Ammersfoordt, Dissen, Franke, Weber, Rudiger etc. Übersetzungen sämtlicher Reden besitzen wir von Papst (Stuttg. 1836-42, 19 Bdchn.), ausgewählter Reden von Westermann (das. 1860-68, 4 Tle.), Rauchenstein und Döderlein (das. 1860), der Staatsreden von Jacobs (2. Aufl., Leipz. 1833). Vgl. Schäfer, D. und seine Zeit (Leipz. 1856-58, 3 Bde.; 2. Aufl. 1882 ff.; Boullée, Histoire de Démosthène (2. Aufl., Par. 1868); Croiset, Des idées morales dans l'éloquence politique de Démosthène (das. 1874); Blaß, Die attische Beredsamkeit, 3. Abt. (Leipz. 1877).

Demōtisch (griech.), gemein, volkstümlich; demotische Schrift, s. Hieroglyphen.

Demours (spr. dömuhr), Pierre, Augenarzt, geb. 1702 zu Marseille, studierte in Avignon und Paris, wurde Demonstrator und Aufseher des naturhistorischen Kabinetts bei dem königlichen Garten und legte sich dann besonders auf das Studium der Augenkrankheiten. Nach ihm wird die hintere Membran der Hornhaut (Membrana Demoursii) benannt. Er schrieb: "Sur le crapaud mâle accoucheur de la femelle" (1741); "Sur la structure cellulaire du corps vitré" (1741); "Observations sur la cornée" (1741). Er starb 26. Juni 1795.

Demtis deméndis (lat.), nach Abzug des Abzuziehenden.

Demut (lat. Humilitas) steht dem Hochmut (s. d.) entgegen. Beide kommen darin überein, daß der wirkliche Wert der eignen Persönlichkeit verkannt, aber von dem Hochmütigen höher, von dem Demütigen dagegen niedriger angeschlagen wird, als er thatsächlich ist. Die D. geht, falls die Geringschätzung seiner selbst lediglich eine Maske, der demütige Schein nur geheuchelt, in Duckmäusertum und das ihr gebührende Lob in Verurteilung über.

Denain (spr. dönäng), aufblühende Industriestadt im franz. Departement Nord, Arrondissement Valenciennes, nahe der Schelde und der Selle, an der Nordbahn, im Zentrum eines ausgedehnten Kohlengebiets, mit Kohlengruben, bedeutenden Eisenwerken, Spiritus- und Zuckerfabriken und (1881) 16,006 Einw., deren Zahl 1851 erst 1714, 1861 schon 10,254 betrug. Geschichtlich denkwürdig ist D. durch den Sieg der Franzosen unter Marschall Villars über das schwächere Heer Prinz Eugens 27. Juli 1712. Ein Obelisk erinnert an die Schlacht.

Denār (Denarius), Zehner, älteste röm. Silbermünze, wurde zuerst 269 v. Chr. geprägt und war normal 4,55 g (1/72 Pfd.) schwer; dann aber bald reduziert, blieb sie bis auf Nero unverändert 3,90 g (1/84 Pfd.) schwer. 1 D. = 10 As = 82 Pf. Teile des Denars waren der Quinarius (½) und der Sestertius (¼). Wertzeichen des Denars ist X oder ^. Das Gepräge in früherer Zeit war auf der einen Seite meist ein behelmter und geflügelter weiblicher Kopf (wahrscheinlich der Roma), auf der andern die beiden Dioskuren zu Pferde, später auch die Viktoria (oder Diana) auf dem Zweigespann; ebenso bei Quinarien und Sestertien, die nur in den Wertzeichen (V oder Q und HS oder IIS) sich vom D. und unter sich unterscheiden. Der römische D. zur Zeit der spätern Republik kam der etwas leicht ausgemünzten attischen Drachme (zu etwa 80 Pariser Gran) so nahe, daß man beide im gemeinen Leben für gleich annahm und daher auch noch in der Kaiserzeit, wo der D. viel leichter geworden war, der Name Drachme durch D. übersetzt wurde und umgekehrt. Nero reduzierte den D. von neuem und führte zuerst die Legierung mit Kupfer ein, welche in der Folge eine immer stärkere wurde. Der Silberdenar wurde dadurch zur Scheidemünze, behielt aber seinen Münzwert von 1/25 Aureus. Diese erst in den letzten Zeiten der Republik geprägte Goldmünze (mißbräuchlich Denarius aureus genannt) wog ursprünglich 8,18 g, wurde aber gleichfalls bald reduziert und sank unter Caracalla auf 6,55 g. Später, unter Gallienus, trat die größte Verwirrung ein bis auf Konstantin, welcher die Goldmünze auf 4,55 g festsetzte und ihr den Namen Solidus gab. Der Silberdenar hatte durch die Münzverschlechterung des 3. Jahrh. seine Geltung als 1/25 Aureus verloren und war zu einer kleinen Rechnungsmünze herabgesunken; Diokletian stellte den D. aus reinem Silber wieder her. Von den Römern ging der D., wenigstens dem Namen nach, auf andre Völker über und war unter den Karolingern = 1/12 Solidus. Die Silbermünze hat fast durch das ganze Mittelalter die offizielle, oft auf den Münzen selbst vorkommende Bezeichnung Denarius. Von den Byzantinern ging der Golddenar als Dinar auf die Araber über und kam durch diese in den Orient. In neuerer Zeit erschien der D. als Denier in Frankreich und Denaro in Italien. Das bisher gebräuchliche Zeichen ^ für Pfennig und d für Penny findet im D. seinen Ursprung. S. Tafel "Münzen des Altertums" und "Münzen des Mittelalters".

Denāro, in den frühern nordital. Staaten die kleinste Geldrechnungseinheit, = 1/12 Soldo oder 1/240 Lira, überhaupt aber 1/240 der betreffenden Geldrechnungseinheit, der Maßeinheit. In Piemont und der Lombardei eine bei der Numerierung des Seidengarns übliche Gewichtsgröße. Bis 1854 war in Piemont der Haspelumfang (Faden) eine alte Pariser Aune = 1,188 m, und die Numerierung gab das Gewicht von 400 Faden in alten Denari an (1 D. = 0,05336 g). In Mailand war der Seidengarndenaro = 0,05099, und in Krefeld rechnet man dem entsprechend 70 Mailänder Denari = 67 Turiner Denari. Seit 1854 hat in Turin das Gebinde eine Länge von 450 m, und die Numerierung gibt das Gewicht desselben in halben Dezigrammen (0,05 g) an, welche noch jetzt D. genannt werden.

Denationalisieren (lat.), entnationalisieren, einen der Nationalität berauben.

Denaturalisieren (lat.), einen aus dem bisherigen Unterthanenband entlassen; davon Denaturalisation.

Denaturieren (franz.), einen Körper mit gewissen Substanzen mischen, um ihn zu bestimmter Verwendung untauglich zu machen. Am häufigsten denaturiert man Salz und Spiritus, welche bei der Benutzung als Genußmittel einer Besteuerung unterliegen, dagegen steuerfrei bleiben, wenn sie zu gewerblichen Zwecken verwendet werden. Die denaturierenden Beimischungen müssen so gewählt werden, daß sie das Salz und den Spiritus zur Benutzung als Genußmittel untauglich machen, aber die Verwendung zu bestimmten andern Zwecken nicht beeinträchtigen. Zum D. von Salz, welches als Viehsalz dienen soll, eignen sich daher nur Substanzen, welche dem Vieh weder schädlich noch unangenehm sind. In den Zollvereinsstaaten dient zur Denaturierung von Vieh- und Dungsalz 0,25 Proz. Eisenoxyd oder Rötel, außerdem 1 Proz. Pulver von unvermischtem Wermutkraut, wenn Siedesalz, und 0,5 Proz. desselben Pul-^[folgende Seite]