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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Denbigh; Denbighshire; Dender; Dendermonde; Dendrah; Dendríten

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Denbigh - Dendriten.

vers, wenn Steinsalz für Viehsalzbereitung verwendet wird. Das Wermutpulver kann auch durch die doppelte Menge gepulverter Heuabfälle ersetzt werden und zwar so, daß zum Siedesalz mindestens noch 0,25, zum Steinsalz mindestens noch 0,12 Proz. Wermutpulver verwendet werden muß. Auch darf bei Steinsalz, statt 0,5 Proz. Wermutpulver, 0,25 Proz. Holzkohle zugefügt werden. Fabriksalz wird denaturiert durch 5 Proz. kalciniertes oder 11 Proz. kristallisiertes Glaubersalz oder durch 5 Proz. Kieserit und 0,5 Proz. gemahlene Holzkohle oder Asche. Außerdem sind mit Genehmigung für chemische Fabriken, Seifensiedereien, Gerbereien etc. auch andre, für sie besonders passende Denaturierungsmittel (Seifenpulver, Palmöl, Kokosöl, Thran, Petroleum, Kupfer- und Eisenvitriol, Karbolsäure, Zinnchlorid, Alaun) zulässig. Spiritus wird durch Zusatz von 10 Proz. Holzgeist (Methylalkohol) denaturiert, soweit nicht für bestimmte Gewerbe eine andre Denaturierung zugelassen ist.

Denbigh (Dinbych, spr. dénnbi), altertümliche Hauptstadt von Denbighshire (Wales), im Thal des Clwyd, am Abhang eines steilen Hügels, auf dessen Gipfel eine Burgruine thront, mit (1881) 6491 Einw. Früher hatte es Handschuh- und Stiefelfabrikation und Gerbereien, jetzt treibt es lebhaften Handel in landwirtschaftlichen Produkten.

Denbighshire (spr. dénnbischir), Grafschaft im engl. Fürstentum Wales, grenzt nördlich an das Irische Meer und ist von Flintshire, Cheshire, Shropshire, Montgomery-, Merioneth- und Carnarvonshire umgeben. Das Areal beträgt 1720 qkm (31,2 QM.). D. ist ein Hügelland und eignet sich großenteils nur zur Weide, wird aber von einigen fruchtbaren Thälern durchschnitten, unter denen das des Clwyd das wichtigste ist. Seiner vielen landschaftlichen Schönheiten wegen gehört es zu einer der besuchtesten Gegenden von Wales. Die Grafschaft hatte 1881: 111,740 Einw. Von der Oberfläche sind 39 Proz. Ackerland, 40 Proz. Wiesen und Weide, 4 1/3 Proz. Wald. An Vieh zählte man 1884: 13,219 Pferde, 63,434 Rinder, 253,016 Schafe, 26,561 Schweine. Der Bergbau beschäftigt (1880) 4536 Arbeiter und liefert Steinkohlen (500,000 Ton.), Eisen (20,000 T.), Blei, Zink und etwas Silber. Die Industrie ist von untergeordneter Bedeutung. Ruabon und Wrexham sind die volkreichsten Städte; Denbigh ist Hauptstadt.

Dender (Dendre), Fluß in der belg. Provinz Ostflandern, entspringt aus zwei Quellflüssen, die sich bei Ath im Hennegau vereinigen, wird bei Alost schiffbar, mündet nach einem Laufe von 105 km bei Dendermonde in die Schelde. Nebenflüsse sind: Stille und Marcq.

Dendermonde (franz. Termonde), befestigte Hauptstadt eines Arrondissements in der belg. Provinz Ostflandern, an der Mündung der schiffbaren Dender in die Schelde, über welche hier (seit 1825) eine Brücke führt, Knotenpunkt der Belgischen Staatsbahn, hat eine alte Frauenkirche mit Gemälden von van Dyck und (1884) 8883 Einw., welche Leinenfabrikation, Baumwollspinnerei und Bierbrauerei betreiben. D. hat eine höhere Knabenschule, ein bischöfliches Seminar, eine Akademie der Zeichenkunst und ist Sitz eines Tribunals. - 1483 wurde die Stadt von den Brabantern für Erzherzog Maximilian genommen, 1583 von den Franzosen erobert, aber 1584 von den Spaniern wiedergenommen. 1667 belagerte Ludwig XIV. D. ohne Erfolg; 1706 ging es an Österreich über, und im österreichischen Erbfolgekrieg ergab es sich 1745 den Franzosen. Kaiser Joseph II. ließ 1784 die Festungswerke schleifen, doch wurden sie 1822 wiederhergestellt.

Dendrah (Dendera), Ort in Oberägypten, eine Tagereise nördlich von Theben am linken Nilufer, Kene gegenüber, hat seinen Namen von der alten ägyptischen Stadt Tantarer (griech. Tentyris), deren merkwürdige Ruinen in der Nähe des Dorfs auf einer Bergebene am Rande der Wüste liegen. Berühmt ist unter denselben besonders ein der Hathor, der Göttin der Unterwelt, gewidmeter Tempel, der, zur Zeit der 6. Dynastie entstanden, später umgebaut, seine gegenwärtige Gestalt, eine Kopie des uralten Heiligtums, unter den letzten Ptolemäern und ersten römischen Kaisern erhielt. Das Gebäude, an dessen Vollendung 200 Jahre gearbeitet wurde, ist vortrefflich erhalten und ausgezeichnet durch Großartigkeit und Reinheit der Architektur wie durch Reichtum und saubere Ausführung der Bildwerke und Hieroglyphen. Wände und Säulen sind mit feiner Skulptur ganz bedeckt. Die Wandskulpturen im Innern stellen die im Opfern begriffenen Kaiser Augustus, Tiberius, Claudius und Nero in durchaus altägyptischer Weise vor; durch das Portal gelangt man in eine unter Augustus begonnene, unter Nero vollendete imposante Halle, die von 24 Säulen in vier Reihen getragen wird und im Innern 27,5 m hoch und 43 m lang ist. Darauf folgen drei Säle von verschiedener Größe und ein von elf Zellen umgebenes Adyton. Der ganze Tempel hat 81 m Länge und 34 m Breite. Neben der westlichen Ecke des großen Baues liegt ein kleines, unter Nero vollendetes Heiligtum der Isis, zu dessen Pylonen ein Dromos von 170 Schritt Länge führte, und 90 Schritt nördlicher heute halb verschüttet das Mamisi (Geburtshaus), der Hathor gewidmet, früher fälschlich Typhonium genannt. Eine Beschreibung des Tempels, mit Abbildungen, lieferte Mariette Bei (Par. 1871, Supplement 1874). An der Decke der Halle des Haupttempels fand man neben der riesenhaften Gestalt der Himmelsgöttin Nut (daher auch Himmelssaal genannt) den berühmten Tierkreis, der sich seit 1822 im ägyptischen Museum zu Paris befindet. Auf demselben erscheint der Löwe als Anfangszeichen nach dem Durchschnittspunkt der Ekliptik und des Weltäquators. Von der Lage dieser Durchschnittspunkte hängt aber der Ort des Solstitiums ab, der immer in der Mitte von beiden liegen muß. Auf dem Tierkreis von D. ist er im Krebs verzeichnet. Aus dieser Abweichung vom gegenwärtigen Stande der Sonne glaubte man auf das Alter dieses Tierkreises zurückschließen zu können, und nur das machte eine Differenz, ob man jenes Solstitium als Winter- oder als Sommersolstitium betrachtete. Der gelehrte, noch nicht entschiedene Streit darüber hat die verschiedensten Behauptungen hervorgerufen, wie denn z. B. Fourier die Entstehung desselben zwischen 2500 und 2100, Lalande um 1300 oder 1200, Biot nicht vor 716, Visconti nicht vor 328 setzt. Vgl. Mariette, D., description du grand temple (Par. 1873-75, 4 Bde.); Dümichen, Baugeschichte des Denderatempels (Straßb. 1877); Riel, Der Tierkreis und das feste Jahr zu D. (Leipz. 1878).

Dendríten (griech.), baumförmig verästelte Aggregate, welche Mineralien und lösliche Salze unter günstigen Umständen bilden können. Hierher gehören die schwarzen (Pyrolusit) oder braunen (Brauneisenstein) Zeichnungen, welche sich mitunter auf engen Fugen und Klüften des Mergels sowie des Sand- und Kalksteins finden. Sie sind dadurch entstanden, daß in die Haarspalten des Gesteins Lösungen von