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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Desappointieren - Descamps.

die Stelle eines Ministers des öffentlichen Unterrichts und bekleidete dieselbe ein drittes Mal unter dem Ministerium Cairoli-Depretis vom November 1879 bis Ende 1880. Er starb 28. Dez. 1883 in Neapel. Von seinen Schriften sind die wichtigsten: die sehr geschätzte "Storia della letteratura italiana" (3. Ausg., Neap. 1879, 2 Bde.), welche leider nur bis zum 14. Jahrh. reicht; "Saggi critici" (das. 1868, 4. Aufl. 1881), die als Meisterwerke der Kritik in Italien gelten; "Saggio critica sul Petrarca" (das. 1869) und die "Nuovi saggi critici" (das. 1872, 2. Aufl. 1879).

Desappointieren (franz., spr. desapŏängt-), jemand des Vorteils berauben, der auf etwas Zugesichertem beruhte; eine sichere Erwartung täuschen; Desappointement, fehlgeschlagene, vereitelte Hoffnung.

Desapprobieren (franz.-lat.; besser desapprouvieren, franz.), s. Disapprobieren.

Desargues (spr. däsárgh), Gérard, Geometer, geb. 1593 zu Lyon, machte als Ingenieur die Belagerung von La Rochelle mit, lebte dann als Privatmann in Paris, später auf seinem Landgut in Condrieu und starb 1662 in Lyon. Er suchte besonders neuern geometrischen Methoden Bahn zu brechen; von ihm rührt unter anderm die Vorstellung her, daß parallele Geraden sich in einem unendlich entfernten Punkt schneiden. Seine Werke sind von Poudra herausgegeben worden (Par. 1864, 2 Bde.).

Desarmieren (lat.), entwaffnen; daher aus einer Festung oder einzelnen Werken die Geschütze etc. entfernen; beim Fechten: dem Gegner die Waffe aus der Hand schlagen oder entwinden.

Desätine und Desjatine, s. Deßjätina.

Désaugiers (spr. desōschjeh), Marc Antoine Madeleine, franz. Liederdichter und Dramatiker, geb. 17. Nov. 1772 zu Fréjus, wurde für den geistlichen Stand bestimmt, verließ aber denselben im richtigen Gefühl mangelnden Berufs bald wieder und widmete sich nach einem Leben voll der buntesten Abenteuer, welche ihn in die Gefangenschaft der Schwarzen auf San Domingo und in die größte Lebensgefahr brachten, 1797 zu Paris der Bühne; aber erst 1805 gelang es ihm, bekannt zu werden. 1806 trat er in die lustige Gesellschaft "Le Caveau", deren Präsident er bald wurde, und übernahm 1815 die Direktion des Vaudevilletheaters, das jedoch wegen scharfer Konkurrenz nicht zu rechter Blüte kommen konnte. Er starb 9. Aug. 1827 am Steinschnitt. Eine große Zahl seiner Stücke hat D. in Gemeinschaft mit andern fabriziert; von seinen eignen, meist einaktigen, nennen wir nur: "Les petites Danaïdes", eine Parodie der gleichnamigen Oper, an der Porte St.-Martin 300mal hintereinander aufgeführt. Im allgemeinen sind seine Vaudevilles sehr leichte Ware, wie auch seine "Chansons", die heute nicht mehr gelesen, kaum noch gesungen werden. Nur wenige, die einen ernstern Ton anschlagen und nicht für die Lust des Augenblicks bestimmt sind, wie: "La treille de la sincérité", "Consolations de la vieillesse", "Le Pour et le Contre", werden aus der Litteratur nicht verschwinden und ein bleibendes Denkmal sein des liebenswürdigsten und lustigsten aller französischen Chansonniers. Seine "Chansons et poésies diverses" sind öfters aufgelegt worden (Par. 1808-16, 3 Bde.; 1827, 4 Bde.; 1858, 1 Bd.).

Desault (spr. dössoh), Pierre Joseph, franz. Mediziner, geb. 6. Febr. 1744 zu Magny-Vernais in der Franche-Comté, erlernte die Chirurgie bei einem Bader, bis er in das Kriegshospital zu Béfort kam, wo er sich namentlich in der Behandlung der Schußwunden übte. Im J. 1764 kam er nach Paris und erhielt schon nach zwei Jahren den Lehrstuhl der Anatomie daselbst. Er brach der Behandlung der Anatomie eine neue Bahn und vervollkommte besonders die chirurgische Anatomie. Später wurde er Professor an der École pratique, 1782 erster Chirurg an der Charité und 1788 am Hôtel-Dieu, auch Lehrer der chirurgischen Klinik an derselben; starb 1. Jan. 1795. D. ist der Stifter einer neuen chirurgischen Schule, die dem In- und Ausland viele der vorzüglichsten Wundärzte gegeben. Sein Hauptverdienst besteht darin, daß er Genauigkeit und Methode in das Studium der Chirurgie brachte, die Behandlung der Knochenbrüche durch Einführung besserer Verbandarten vervollkommte und zuerst die klinische Behandlungsweise der Wundarzneikunst in Frankreich einführte. Seine Lehre findet sich in den von seinen Schülern im Hôtel-Dieu gemachten und im "Journal de Chirurgie" (Par. 1791-95, 4 Bde.; deutsch, Frankf. 1801-1806, 12 Bde.) mitgeteilten Beobachtungen sowie in den von Bichat unter Desaults Namen herausgegebenen "Œuvres chirurgicales" (Par. 1798, 3 Bde.; neueste Ausg. von Roux, das. 1813; deutsch von Wardenburg, Götting. 1799-1800, 4 Bde.). Vgl. Labrune, Étude sur la vie et les travaux de D. (Besançon 1868).

Desavantage (franz., spr. desawangtahsch), Nachteil, Verlust; desavantagieren, benachteiligen.

Desaveu (franz., spr. desawöh), Verleugnung, Nichtanerkennung, Widerspruch.

Desavouieren (franz., spr. desawu-), in Abrede stellen, verleugnen, nicht anerkennen, widerrufen.

Desbordes-Valmore (spr. däbord-walmōr), Marcelline, franz. Schriftstellerin, geb. 20. Juni 1785 zu Douai, verlor früh ihre Mutter, debutierte mit 16 Jahren an der Komischen Oper, verließ aber die Bühne, als sie sich mit dem Schauspieler Valmore vermählte. Nun wandte sie sich ganz der Litteratur zu und veröffentlichte bald eine Reihe zarter, seelenvoller Gedichte, welche durch ihre tiefe Melancholie wie durch ihre große Anmut und Harmonie sich alle Herzen eroberten. Sie erschienen unter den Titeln: "Élégies et romances" (1818); "Élégies et poésies nouvelles" (1824); "Les pleurs" (1833); "Pauvres fieurs!" (1839); "Bouquets et prières" (1843). Außerdem schrieb sie mehrere gefühlvolle Novellen und Erziehungsschriften, z. B. "L'atelier d'un peintre", "Le salon de Lady Betty", "Violette" (deutsch, Leipz. 1840), "L'écolier" u. a. Sie starb 23. Juli 1859. Nach ihrem Tod erschien noch ein Band "Poésies inédites" (1860). Mit deutscher Innigkeit und Tiefe der Empfindung vereinigt die Dichterin französische Lebhaftigkeit und Grazie; ihre Elegien gehören zu den zartesten und innigsten, welche die französische Poesie hervorgebracht hat. Eine Ausgabe ihrer "Contes et scènes de la vie de famille" erschien 1874 (2 Bde.) und der "Poésies de l'enfance" zuletzt 1881. Vgl. Sainte-Beuve, Mad. D., sa vie et sa correspondance (1870).

Descamizādos (span., "Ohnehemden", analog den französischen Sansculottes), exaltierte, radikale Klubpartei, die 1820 in Spanien entstand.

Descamps (spr. däkāng), 1) Jean Baptiste, franz. Maler, geb. 1706 zu Dünkirchen, war in Paris Largillières Schüler und ließ sich dann in Rouen nieder, wo er 1791 starb. Er malte mit Vorliebe häusliche und ländliche Szenen, ist aber weniger durch seine Bilder als durch sein (kritikloses) Werk "La vie des peintres flamands, allemands et hollandais" (Par. 1753-63, 4 Bde.) bekannt.

2) Alexandre Gabriel, Maler, s. Decamps.