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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Destilliertes Wasser - Desunierte Griechen.

zierter Zusammensetzung oder Gemenge, wie Holz, Torf, Steinkohlen etc. liefern sehr zahlreiche Zersetzungsprodukte, eine wässerige Flüssigkeit, welche bei stickstofffreien Körpern sauer, bei stickstoffhaltigen alkalisch reagiert, Teer von ungemein komplizierter Zusammensetzung und Gase. Man macht von der trocknen D. auch in der Technik Gebrauch, namentlich werden Steinkohlen, Braunkohlen, Holz der trocknen D. unterworfen, teils um Leuchtgas zu gewinnen, wobei Teer, Ammoniak, Essigsäure; Methylalkohol als Nebenprodukt gewonnen werden, teils behufs Darstellung von Holzessig, Teer, Paraffin, Photogen, teils auch des Destillationsrückstandes halber, in welchem Fall die Operation Verkohlung (bei Holz, Tors) oder Verkokung (bei Steinkohle) genannt wird. Als Destillationsgefäße (Retorten) benutzt man häufig an einem Ende geschlossene Schamotterohre von ovalem oder D ^[img]-förmigem Querschnitt, welche in der Regel liegend eingemauert und am vordern offenen Ende mit einem eisernen Mundstück versehen werden, um einen eisernen, luftdicht schließenden Deckel aufschrauben und ein Dampf- oder Gasableitungsrohr anbringen zu können. Andre Apparate werden in der Paraffinindustrie, bei der Koksbereitung, bei der Verkohlung von Holz etc. benutzt.

Im Volksmund heißt Destillation auch s. v. w. Spirituosenhandlung, und Destillieren fälschlich auch das Extrahieren von Vegetabilien mit Spiritus (Verwechselung mit Macerieren oder Digerieren).

Destilliertes Wasser (Aqua destillata), s. Wasser.

Destinatär (franz., auch Konsignatär), der Empfänger (Adressat) von Frachtgütern.

Destinieren (lat., franz.), bestimmen, ausersehen; Destination, Bestimmung, Endzweck.

Destituieren (lat.), ab-, entsetzen (des Amtes); Destitution, Amtsentsetzung; destituabel, absetzbar.

Destouches (spr. dätuhsch), 1) Philippe Néricault, franz. Lustspieldichter, geb. 1680 zu Tours, ward in Paris erzogen, war eine Zeitlang Schauspieler, nach andern Soldat und ging als Gesandtschaftsattaché mit dem Marquis de Puysieux nach der Schweiz. Hier fand er Muße, sein dichterisches Talent dem Theater zuzuwenden. Durch den Beifall, den seine Stücke fanden, erwarb er sich die Gunst des Regenten, des Herzogs von Orléans, der ihn 1717 als Geschäftsträger nach England sandte. Nach seiner Rückkehr (1723) wurde er zum Mitglied der Akademie gewählt, zog sich aber nach dem Tode des Regenten vom Theater zurück und starb 4. Juli 1754. Seine fünfaktige Komödie "Le glorieux" (1732) ist nach Villemain ein Meisterwerk der Bühne, in welchem sowohl Stoff, Entwickelung und Charakterzeichnung als auch die Komik und der Stil ausgezeichnet genannt werden könnten. In seinen übrigen Stücken aber läßt es D. an komischer Laune und Wahrscheinlichkeit zu oft fehlen, während sein Stil rein und elegant bleibt; besonders hervorzuheben ist, daß er seine Stücke von Lascivitäten frei hält. Am meisten Erfolg hatten: "Le philosophe marié" (1727), "Le dissipateur" (1736), "La fausse Agnès" (1759), welche auch in Deutschland durch Übersetzungen bekannt und beliebt waren. Seine "Œuvres" sind herausgegeben Amsterdam 1755-59, 5 Bde.; Paris 1822, 6 Bde.; seine "Œuvres choisies" veröffentlichte Auger (das. 1810, 2 Bde.).

2) Paul Emile (eigentlich Detouche), franz. Maler, geb. 16. Dez. 1794 zu Dampierre, bildete sich unter David, Guérin und Gros und besuchte später Italien. Anfänglich huldigte er der historischen Richtung, seinen Ruhm erlangte er jedoch erst, als er sich von der Davidschen Schule mehr entfernte und das bürgerliche Sittenbild kultivierte. Seine Rückkehr der gefallenen Tochter ins elterliche Haus (1827), die unterbrochene Unterzeichnung des Ehevertrags und die Liebe als Arzt (1831) fanden in Aquatintastichen ihres melodramatischen Inhalts wegen große Verbreitung. D. starb im Juli 1874 in Paris.

Destra (d. mano, ital., abgekürzt d. m. oder nur d.), rechte (Hand), in der Klaviermusik gebräuchliche Anweisung, eine Figur mit der rechten Hand zu spielen.

Destruktion (lat.), Zerstörung; Destruktor, Zerstörer; destruktiv, zerstörend; destruieren, zerstören; destruktibel, zerstörbar.

Destur (pers., "Norm, Erlaubnis"), in der Türkei Name der Sammlung von Gesetzen und Verordnungen; bei den Parsen (s. d.) Name der Oberpriester.

Destutt de Tracy (spr. -ütt dö traßi), 1) Antoine Louis Claude, Graf, namhafter philosoph. Schriftsteller, geb. 20. Juli 1754 zu Paris, war beim Ausbruch der französischen Revolution Oberst und Deputierter bei den Generalstaaten. Liberalen Ideen sich zuneigend, stimmte er für die Abschaffung der Adelsprivilegien, verließ dann im August 1792 mit seinem Freund und Gesinnungsgenossen Lafayette Frankreich, kehrte aber nach einiger Zeit heimlich nach Paris zurück, wurde 2. Nov. 1793 in Haft genommen und erhielt erst nach Robespierres Sturz seine Freiheit wieder. Während Napoleons Herrschaft war er Senator, und nach der Rückkehr der Bourbonen wurde er zum Pair ernannt. Er starb als Mitglied des Nationalinstituts 10. März 1836. Als Philosoph huldigte er dem Sensualismus, insbesondere der Richtung Condillacs, dessen Lehre er zu dem sogen. Ideologismus weiterbildete. Sein Hauptwerk sind die "Éléments d'idéologie" (Par. 1801-15, 5 Bde.; neue Aufl., das. 1824-25). Die beiden letzten Teile des Werkes, den "Traité de la volonté et de ses effets" enthaltend, geben eine Darstellung der politischen Ökonomie. Von seinen übrigen Schriften ist der "Commentaire sur l'esprit des lois de Montesquieu" (zuerst engl., Philad. 1811; franz., Par. 1819; deutsch von Morstadt, Heidelb. 1820-21, 2 Bde.) zu erwähnen.

2) Antoine César Victor, Graf, Sohn des vorigen, geb. 1781, machte als Offizier unter dem Kaiserreich die Feldzüge in Spanien und 1813 in Deutschland mit, nahm 1818 seinen Abschied und widmete sich der Bewirtschaftung seiner Güter. Seit 1827 ununterbrochen Kammermitglied bis zur Februarrevolution 1848, hielt er sich stets zur Opposition. Im Ministerium des Prinz-Präsidenten vom 20. Dez. 1848 erhielt er das Portefeuille der Marine, das er jedoch im Oktober 1849 wieder abgab. Seitdem auf seinen Gütern zu Paray lebend, starb er daselbst 13. März 1864. Litterarisch machte er sich durch agronomische und nationalökonomische Arbeiten bekannt. -

Seine Gattin Marie de Tracy, aus Newtons Familie stammend, geb. 1789 zu Stockport, gest. 27. Okt. 1850, geistvoll und hochgebildet, schrieb: "Essais divers, lettres et pensées" (Par. 1855, 3 Bde.) und den vorzüglichen Roman "Martha".

Desultoren, bei den Römern Kunstreiter, welche zwei Pferde im Reiten leiteten und während des Rennens von dem einen auf das andre voltigierten; daher desultorisch, "abspringend", unstet, der Beharrlichkeit und Ausdauer ermangelnd.

Desumieren (lat.), entnehmen, entlehnen, herleiten; Desumtion, die Hernahme, Entlehnung.

Desunierte Griechen (disunierte, nichtunierte), diejenigen Griechen, welche die Oberherrschaft