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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Deutschland

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Deutschland (Festungen, Marine).

ein feindlicher Einfall Teile des Reichsgebiets bedroht oder überzieht, und formiert dann besondere Truppenkörper; in Fällen außerordentlichen Bedarfs jedoch kann auch die Landwehr aus ihm ergänzt werden.

Die 503 Bataillone Infanterie bilden 161 Regimenter (Preußen 123, Bayern 19, Sachsen 11, Württemberg 8) à 3 Bataillone und 20 Jägerbataillone, die 465 Eskadrons 93 (Preußen 73, Bayern 10, Sachsen 6, Württemberg 4) Kavallerieregimenter à 5 Eskadrons, davon 10 Kürassier-, 4 Reiter-, 28 Dragoner-, 20 Husaren-, 25 Ulanen- und 6 Chevauleger-Regimenter; die 340 Batterien bilden 37 Feldartillerieregimenter, die 31 Fußartilleriebataillone 14 Regimenter und 3 selbständige Bataillone (Nr. 9, 13 und 14). Je 2 (event. 3) Regimenter Infanterie, Kavallerie oder Artillerie bilden eine gleichnamige Brigade, je 2 Infanterie- und eine Kavalleriebrigade eine Division, 2-3 Kavalleriebrigaden eine Kavalleriedivision, 2 Divisionen endlich nebst 1-2 Jägerbataillonen, der Feld- und Fußartillerie, dem Pionier- und Trainbataillon ein Armeekorps, so daß die gesamte Heeresmacht des Reichs im Frieden aus 18 Armeekorps (Garde und Nr. 1-11 Preußen, Nr. 12 Sachsen, Nr. 13 Württemberg, Nr. 14 Baden einschließlich einige preußische Regimenter, Nr. 15 Elsaß-Lothringen) besteht; von diesen bilden das 4., 5., 6. die erste, das 1., 2., 9. die zweite, das 7., 8., 10., 12. die dritte, das 3., 11., 13., das 1. und 2. bayrische die vierte, das 14. und 15. die fünfte Armeeinspektion; das Gardekorps ist keiner Inspektion zugeteilt. Zum 11. Armeekorps gehört auch die 25. (hessische) Division, zum Garde-, 1. und 15. Armeekorps noch je 1 Kavalleriedivision. Im Krieg zerfällt die Reichsarmee in Feldtruppen, Feldreserve-, Ersatz- und Besatzungstruppen sowie etwanige Neuformationen. Die Feldtruppen sind die durch Einstellung von Reserven auf den Kriegsetat verstärkten Friedensregimenter und -Bataillone mit den nachstehend aufgeführten Kolonnen, Trains etc.; die Feldreserve- und Besatzungstruppen werden neu aufgestellt und erstere in Feldreservedivisionen formiert. Bei der Mobilmachung werden außer den Ersatzkompanien, -Eskadrons, -Bataillonen und -Batterien noch folgende Formationen aufgestellt: von jedem Feldartillerieregiment 3 Artillerie- und 2 Infanteriemunitionskolonnen; von der ganzen Artillerie ein Feldmunitionspark von 8 Kolonnen und 3 Munitionsdepots; von der Fußartillerie die Artilleriebelagerungstrains; von jedem Pionierbataillon 2 Divisions- und 1 Korpsbrückentrain, von allen Pionieren 7 Feld- und 5 Reserve-Feldtelegraphenabteilungen und die Ingenieur-Belagerungstrains; von jedem Trainbataillon 5 Proviantkolonnen, 1 Feldbäckereikolonne, 1 Pferdedepot, 3 Sanitätsdetachements und 5 Fuhrparkskolonnen. Die Administrationen und Branchen eines Armeekorps bestehen aus der Korpsintendantur und 4 Divisionsintendanturen, der Korpskriegskasse, 1 Hauptproviantamt, 4 Feldproviantämtern, 1 Feldbäckereiamt, 12 Feldlazaretten, 1 Feldpostamt, 4 Feldpostexpeditionen und 1 Feldgendarmeriedetachement.

Festungen und Befestigungen gibt es folgende: **Memel, *Königsberg, **Pillau, Boyen, *Thorn, **Danzig, **Kolberger Küstenbefestigung, **Friedrichsort, *Posen, Glogau, Neiße, Glatz, *Küstrin, Spandau, Magdeburg, Torgau, Königstein, **Wilhelmshaven, Wesel, *Köln, Koblenz, *Mainz, Saarlouis, Ingolstadt, Ulm, Rastatt, Germersheim, Diedenhofen, *Metz, *Straßburg, Neubreisach, **Küstenbefestigungen in Mecklenburg, **an der Elbe-, Weser- und **Emsmündung (von ihnen sind die mit * bezeichneten mit einem Gürtel von Forts umgeben, die mit ** bezeichneten Küstenbefestigungen).

Marine des Deutschen Reichs.

Die deutsche Kriegsmarine führt diesen Namen erst seit der Wiederaufrichtung des Deutschen Reichs 1871. Im J. 1848 begann die Entwickelung der preußischen Marine, die 1856 bereits über 52 Kriegsfahrzeuge verfügte, unter denen sich allerdings noch 42 Ruderkanonenboote und nur 3 Dampfer befanden; dagegen war sie bereits bis 1866, als sie vom Norddeutschen Bund übernommen wurde, auf 40 Dampfer, unter diesen 2 Panzerfahrzeuge, 5 gedeckte und 4 Glattdeckskorvetten, angewachsen. Zu diesen traten bis Anfang 1870 noch 3 Panzerfregatten (Friedrich Karl, Kronprinz und König Wilhelm) hinzu, die also den Stamm für die jetzige deutsche Flotte bilden. Die Erweiterung des Reichs forderte auch eine entsprechende Erweiterung der Flotte an schwimmendem Material, nicht nur für den Kriegsfall, sondern auch für die Zwecke des Friedens, die Vertretung deutscher Interessen in fremden Meeren. Aus dieser Veranlassung entstand der Flottengründungsplan von 1873, ein Entwurf für die künftige Gestaltung der Reichsmarine; jedoch war ausdrücklich hervorgehoben, daß er nur als allgemeiner Anhalt dienen solle. Als Hauptzweck der Kriegsmarine wurde die Verteidigung der deutschen Küste bezeichnet; ein Angriffskrieg, welcher zu Seeschlachten in fremden Meeren führen müsse, war damit zwar ausgeschlossen, aber die Flotte sollte doch immer noch befähigt sein, in den heimischen Gewässern auch angriffsweise vorgehen und dem Feind eine Schlacht auf offener See liefern zu können. Diese Aufgabe machte die Beschaffung einer Panzerflotte nötig, denn die Kampfstärke eines Schiffs ist nicht allein in der Wirkung seiner Geschütze, sondern auch in seiner Widerstandsfähigkeit gegen die Angriffe feindlicher Artillerie zu suchen. Dem damaligen Stande der Schiffsbautechnik und Seetaktik entsprechend, sollte bis 1882 eine Zusammensetzung der Flotte aus folgenden Schiffen erreicht werden: 8 Panzerfregatten, 6 Panzerkorvetten, 7 Monitoren oder Panzerkanonenboote und 2 schwimmende Batterien, ferner 20 Korvetten, 6 Avisos, 18 Kanonenboote, 28 Torpedofahrzeuge, 5 Schulschiffe.

Diesem Material entsprechend, sollte das Personal der Marine 1882 folgenden Friedensetat erreichen: 419 Offiziere, 20 Maschineningenieure, 90 Verwaltungsbeamte, 269 Deckoffiziere, 1325 Unteroffiziere, 6450 Mannschaften, 300 Schiffsjungen, 100 Seekadetten, 70 Lazarettgehilfen, 40 Ökonomiehandwerker. Hierbei sind das Seebataillon, das Zeug-, Feuerwerks- und Torpedopersonal außer Betracht gelassen. Für die Beschaffung der Schiffe mit Armierung und Ausrüstung, die Vollendung der Hafen- und Werftbauten in Wilhelmshaven, Kiel und Danzig und Anschaffung der erforderlichen Betriebsmittel, Materialien etc. für dieselben wurden 218,437,500 Mk. bewilligt. Ein starres Festhalten an diesem Plan war bei der ungeahnten Entwickelung des Marinewesens im letzten Jahrzehnt unmöglich; das Staatsinteresse erforderte, daß den großen Fortschritten der Technik sowie den auf Grund von Erfahrungen veränderten Anschauungen im Seekriegswesen Rechnung getragen würde. Die 8 Panzerfregatten und 6 Panzerkorvetten kamen zur Ausführung; von erstern ist jedoch der Große Kurfürst gesunken, und ein Ersatzbau wird nicht beabsichtigt. An Stelle der Monitoren sind 13 Panzerkanonenboote beschafft worden, welche für den Küstenkrieg geschickter und wirksamer verwendbar sind. Die schwimmenden Batterien werden, weil