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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Deutschland (geographische und statistische Litteratur).

sie den Torpedos gegenüber nicht mehr zeitgemäß sein würden, nicht gebaut. Inzwischen hatte sich das Torpedowesen im Gleichschritt mit dem Bau kleiner Dampfer von großer Fahrgeschwindigkeit außerordentlich entwickelt und sich als ein neues Element in die Kriegsmarine derart eingeführt, daß der Wert großer Panzerschiffe in demselben Grad einbüßte, wie der der Torpedoboote in taktischer Beziehung gewann. Dies war die Veranlassung zu der dem Reichstag 1884 vorgelegten "Denkschrift über die weitere Entwickelung der kaiserlichen Marine", die in weiten Kreisen Aufsehen erregte und Anerkennung fand. Sie forderte für die Beschaffung von 70 Torpedobooten, unterseeischen Torpedobatterien etc. 18,790,000 Mk., welche auch bewilligt wurden. Nach der Denkschrift soll die Torpedoflottille auf 150 Torpedoboote gebracht werden. Bis 1886 sollen die 70 fertig sein, und die Marine wird dann über 105 Torpedoboote, einschließlich der schon vorhandenen, verfügen. Diese Entwickelung unsers Flottenmaterials bedingte auch eine entsprechende Verstärkung des Personals; es hatte 1. Juli 1883 eine Stärke von 86 Flagg- und Stabsoffizieren, 97 Kapitänleutnants, 235 Leutnants (418 Offizieren), 137 Deckoffizieren, Feldwebeln etc., 658 Maaten, 5539 Mann (6334 Seeleuten), 2538 Mann der Werftdivisionen und 690 Mann Matrosenartillerie. Nach Fertigstellung aller Torpedoboote soll die Kriegsstärke betragen: 12 Admirale, 120 Stabsoffiziere, 217 Kapitänleutnants, 664 Leutnants (1015 Seeoffiziere), 53 Maschineningenieure, 154 Zahlmeister, 16,781 Mann Matrosendivisionen, 7221 Mann Werftdivisionen, 5076 Mann Matrosenartillerie, zusammen 29,078 Mann.

Ende 1884 wurde eine andre Einteilung und Benennung der Schiffe eingeführt. Die Flotte besteht jetzt (1885) aus folgenden Schiffen: I. 14 Panzerschiffen (früher 7 Panzerfregatten, 6 Panzerkorvetten und 1 Panzerfahrzeug Arminius); II. 13 Panzerfahrzeugen (bisher Panzerkanonenboote); III. 11 Kreuzerfregatten (bisher gedeckte Korvetten); IV. 10 Kreuzerkorvetten (bisher Glattdeckskorvetten); V. 5 Kreuzern (bisher Kanonenboote der Albatroßklasse); VI. 5 Kanonenbooten (bisher Kanonenboote erster Klasse); VII. 8 Avisos; VIII. 1 Artillerieschiff, 7 Dampf- und 4 Segelschiffen als Schulschiffe. Dazu treten die Torpedoboote, deren Zahl nach und nach auf 150 gebracht werden soll. Entsprechend der allmählichen Erweiterung der Marine sowie in Veranlassung vermehrter Einstellung von Schiffsjungen und Rekruten der Landbevölkerung und der fortgeschrittenen technischen Anforderungen ist die Zahl der Schulschiffe erheblich vermehrt worden. Es sind jetzt Kadetten- und Schiffsjungen-, Artillerie-, Maschinen- und Torpedoschulschiffe vorhanden. Die Aufgaben des diplomatischen und handelspolitischen Dienstes haben durch die Gründung deutscher Kolonien in West- und Ostafrika sowie im australischen Archipel einen bedeutenden Zuwachs erhalten und erfordern die Stationierung einer größern Anzahl von Schiffen, die nach Erfordern zu Geschwadern zusammengezogen werden, in diesen Gewässern. Außerdem sind noch im Mittelmeer (Konstantinopel), in Ostasien, Westindien und an der Westküste Südamerikas Schiffe stationiert. Es finden hierbei die Kreuzer, Kanonenboote, Avisos und ein Teil der Schulschiffe Verwendung. Die oberste Behörde der Marine ist die Admiralität, deren "Chef" Oberbefehlshaber der Marine und Leiter ihrer Verwaltung ist; ihr sind unterstellt: die deutsche Seewarte in Hamburg und die Marinestationen der Ostsee und der Nordsee, erstere in Kiel, letztere in Wilhelmshaven. Jeder Marinestation ist eine Marineinspektion, diesen sind je eine Matrosen- und eine Werftdivision, aus 4 Kompanien bestehend, und die Schulschiffe sowie die Hafenbaukommission, die Werften, Fortifikation, Intendantur etc. unterstellt. Zur Marinestation der Ostsee gehört auch das Seebataillon (s. d.). Die Inspektion der Marineartillerie, welcher die beiden Matrosenartillerieabteilungen sowie die Artillerie-, Seeminen- und Torpedodepots mit den dazu gehörigen Werkstätten und das gesamte Zeug-, Feuerwerks- und Torpedopersonal unterstellt sind, sowie die Inspektion der Marinebildungsanstalten unterstehen der Admiralität.

Das Wappen des Deutschen Reichs bildet ein einköpfiger schwarzer Adler mit rotem Schnabel nebst roten Fängen und dem preußischen Adler in silbernem Schild auf der Brust; im Wappen des preußischen Adlers das Wappen von Hohenzollern; über dem Ganzen die goldene Kaiserkrone mit goldenem Band. Eine genaue Beschreibung des deutschen Reichsadlers und des Kaiserwappens enthält das Erklärungsblatt zu beifolgender Tafel. - Die Flagge der deutschen Marine ist schwarz-weiß-rot (die Kriegsflagge mit dem preußischen Adler und dem Eisernen Kreuz); eine Übersicht der deutschen Flaggen gibt unsre Tafel "Flaggen I". Vgl. Graf Stillfried, Die Attribute des neuen Deutschen Reichs (3. Aufl., Berl. 1882).

Litteratur zur Geographie und Statistik.

K. F. V. Hoffmann, D. und seine Bewohner (Stuttg. 1834-36, 4 Bde.); v. Hoff, D. in seiner natürlichen Beschaffenheit, seinem frühern und jetzigen politischen Verhältnis (Gotha 1838); Winderlich, Das deutsche Land und seine Bewohner (3. Aufl., Leipz. 1852); Kutzen, Das deutsche Land (3. Aufl., Bresl. 1880); Brachelli, Deutsche Staatenkunde (Wien 1856, 2 Bde.): Berghaus, D. und seine Bewohner (Berl. 1860, 2 Tle.); Derselbe, D. seit hundert Jahren (Leipz. 1860-61, 2 Bde.); Daniel, D. nach seinen physischen und politischen Verhältnissen (5. Aufl., das. 1878, 2 Bde.); v. Cotta, Deutschlands Boden (2. Aufl., das. 1858, 2 Bde.); v. Dechen, Die nutzbaren Mineralien und Gebirgsarten im Deutschen Reich (Berl. 1873); v. Festenberg-Packisch, Der deutsche Bergbau (das. 1885); Delitsch, Deutschlands Oberflächenform (Bresl. 1880); "Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde" (hrsg. von Lehmann, Stuttg. 1885 ff.); Böckh, Der Deutschen Volkszahl und Sprachgebiet in den europäischen Staaten (Berl. 1870); Neumann, Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer etc. Beziehung (das. 1874, 2 Bde.); Derselbe, Geographisches Lexikon des Deutschen Reichs (Leipz. 1883); Brunkow, Die Wohnplätze des Deutschen Reichs (Berl. 1880 ff.); die vom kaiserlichen Statistischen Amt herausgegebene "Statistik des Deutschen Reichs" und "Statistisches Jahrbuch" (seit 1881); über die Reichsbehörden das jährlich erscheinende amtliche "Handbuch des Deutschen Reichs", dazu Velhagen u. Klasings "Kleines Staatshandbuch des Deutschen Reichs und der Einzelstaaten"; über das Reichsstaatsrecht die Werke von Rönne (2. Aufl., Leipz. 1876, 2 Bde.), Laband, Zorn; Störk, Handbuch der deutschen Verfassungen (das. 1884); Baumbach, Staatslexikon (das. 1882, populär), u. a.

[Karten.] Die besten Karten lieferten außer den Generalstabskarten Reymann (Zentraleuropa in 423 Blättern, 1:200,000, seit 1825; 1874 in den Besitz des preußischen Generalstabs übergegangen), Liebenow (Zentraleuropa in 164 Blättern, 1:300,000, Hannov. seit 1869), Stieler (Atlas von D., 1:750,000, Gotha 1876, 25 Karten), Ravenstein (Atlas des