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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dezobry - Diable.

tivum) eine solche, welche bei dem Beschluß nach Stimmenmehrheit mitgezählt wird; dann auch das Recht, bei Stimmengleichheit die Entscheidung zu geben, welches zumeist dem Vorsitzenden des betreffenden Kollegiums oder einer Versammlung beigelegt ist. So gibt z. B. im deutschen Bundesrat bei etwaniger Stimmengleichheit die Präsidialstimme Preußens den Ausschlag.

Dezobry (spr. des-), Charles Louis, franz. Historiker und Archäolog, geb. 1798 zu St.-Denis, gründete 1829 eine Verlagsbuchhandlung klassischer, für Unterrichtszwecke bestimmter Werke und Schriftsteller und starb 16. Aug. 1871. Er veröffentlichte 1835 seine interessante und gehaltvolle, ein Pendant zu Barthélemys berühmtem Werk ("Voyage d'Anacharsis") bildende Studie "Rome au siècle d'Auguste, ou voyage d'un Gaulois à Rome" (1835; 4. Aufl. 1874, 4 Bde.). Außerdem schrieb er: "La mauvaise récolte, ou les suites de l'ignorance" (1848), eine mit Unterhaltungen über den Ackerbau Frankreichs vermischte Erzählung; das geschätzte Werk "Histoire romaine en peinture" (1848); "L'usage et de l'utilité des éditions classiques" (1856); "Dictionnaire pratique et critique de l'art épistolaire français" (1865) und "Traité élémentaire de versification française" (1866). Mit Bachelet gab er das "Dictionnaire général de biographie et d'histoire" (9. Aufl. 1883) und das "Dictionnaire général des lettres, des beaux-arts et des sciences morales et politiques" (4. Aufl. 1875) heraus.

Dhaka, Landschaft, s. Dacca.

Dhakbaum, s. Butea.

Dhamar, Stadt in der arab. Landschaft Jemen, südlich von Sana, mit einer Hochschule, berühmter Pferdezucht und 20,000 Einw. (davon 6000 Juden). D. wurde 1879 von den Türken zerstört.

Dhan, = ¼ Röttih (s. Tola).

Dhar, britisch-ind. Schutzstaat in Zentralindien, 4504 qkm (80 QM.) groß mit (1881) 151,877 Einw.; der Fürst von D., ein Radschpute, glaubte 1857 gegen die englische Oberhoheit sich auflehnen zu können, büßte das Beginnen aber mit Landesverlust.

Dharwar (Darvar), Hauptort des gleichnamigen, durch seine Baumwollproduktion ausgezeichneten Distrikts in der britisch-ostind. Präsidentschaft Bombay, der 11,742 qkm (214 QM.) mit (1881) 882,907 Einw. umfaßt, liegt 737 m ü. M., 110 km von der Küste entfernt. D. ist Sitz verschiedener Bildungsstationen, einer katholischen und einer evang. Mission, hat (1881) 27,191 Einw. (zwei Drittel Hindu) und bedeutenden Handel mit der als D. bekannten Baumwolle. Eine Eisenbahn, welche D. mit dem portugiesischen Hafenplatz Goa verbindet, ist im Bau.

Dhawalagīri (Dholagiri, "weißer Berg"), ein Berggipfel des Himalaja, in Nepal, unter 28° 41,8' nördl. Br. und 83° 28,7' östl. L. v. Gr., 8154 m hoch, wurde lange Zeit für den höchsten Gipfel des Gebirges gehalten, steht aber dem Gaurisankar (Mount Everest) und Katschindschinga an Höhe weit nach.

Dheune (spr. döhn), rechter Nebenfluß der Saône im franz. Departement Saône-et-Loire, mündet nach 65 km langem Lauf gegenüber von Verdun, wo sich der Doubs in die Saône ergießt. Sein oberes Flußthal ist von dem Canal du Centre benutzt.

Dhlb., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für A. G. Dahlbom (s. d.).

Dholpur, brit. Schutzstaat in Radschputana (s. d.).

Dhra, Längenmaß in Marokko, = 0,571 m.

Dhulia, ind. Stadt, s. Kandesch.

Di, in der Chemie Zeichen für Didym.

Dia (griech. Präposition), durch, hindurch, auseinander (oft in Zusammensetzungen vorkommend).

Dia (Standia), kleine türk. Insel an der Nordküste von Kreta, der Hafenstadt Kandia gegenüber, mit Marmorbrüchen und mehreren Häfen, in welchen die nach Kandia bestimmten Schiffe löschen.

Diabās (v. griech. diabaínein, hindurch-, hinübergehen), gemengtes kristallinisches Gestein, körnig, meist dicht, aus Plagioklas und Augit, daneben Magneteisen, Titaneisen, Apatit, Biotit bestehend, meist aber auch chloritische Substanzen (Viridit) als Zersetzungssubstanzen des Augits und Kalkspat, aus dem Feldspat neugebildet, enthaltend. In gewissen Varietäten (Quarzdiabas) tritt zu den oben genannten Bestandteilen Quarz hinzu, in andern (Olivindiabas) Olivin, häufig serpentinisiert. Der zuletzt genannten Varietät ist das Paläopikrit genannte Gestein (Oberfranken, Nassau) nahe verwandt. Sonstige Varietäten gründen sich auf Strukturverschiedenheiten, so neben dem typischen, körnigen D. der aphanatische D. (zum Teil Aphanit, Diabasaphanit) mit sehr klein entwickelten Mineralindividuen, der porphyrartige (Diabasporphyr), der sich wieder als Labrador- oder Augitporphyr unterscheidet, je nachdem es Labrador- oder Augitkristalle sind, welche, in größerm Maßstab entwickelt und einer aphanitischen Grundmasse eingebettet, die porphyrartige Struktur hervorbringen. Zu den Labradorporphyren gehört auch der als Bildhauermaterial bekannte Porfido verde antico. D. mit sphärolitischer Struktur führt den Namen Variolit, und Aphanite, die sehr reich an dem durch Zersetzung gelieferten Kalkspat sind, werden als Kalkaphanite bezeichnet. Dieses Zersetzungsprodukt füllt oft auch Hohlräume des Gesteins aus und bringt dadurch Diabasmandelsteine hervor. Es zeichnet sich überhaupt der D. von dem ihm nahe verwandten Diorit (s. d.), mit welchem er namentlich in den aphanitischen Varietäten die größte Ähnlichkeit besitzt, durch eine größere Neigung zur Zersetzung aus, die wohl bei der chemischen Identität zwischen Hornblende und Augit nur auf der Annahme eines etwas basischern, also auch an Calcium reichern Feldspats im D. im Gegensatz zu Diorit zurückzuführen ist. So ergibt denn auch die Bauschanalyse einen etwas geringern Gehalt an Kieselsäureanhydrid (47 gegen 51 Proz. im Diorit) neben 16 Thonerde, 13 Eisenoxyd und Eisenoxydul, 11 Kalk, 6 Magnesia, 0,9 Kali, 3,1 Natron. Die Verbreitung des D. ist eine größere als die des Diorits. Wie dieser, ist er ein eruptives Material, dessen Eruptionszeit in die paläozoischen Perioden, besonders die Devonzeit, fällt, und welches durch Tuffbildungen (vgl. Schalstein) genetisch eng mit den gleichzeitigen Sedimentformationen verknüpft ist. D. selbst bildet Gänge oder Lager zwischen paläozoischen Sedimenten in Sachsen, dem Fichtelgebirge, Nassau, Westfalen und dem Harz; noch bedeutender als die deutschen sind die Vorkommnisse von Schottland, Skandinavien und Nordamerika, wo wahrscheinlich die meisten der sogen. Trappgesteine dem D. zuzuzählen sind.

Diabăsis (Diabāse, griech.), Durch-, Übergang.

Diabasmandelsteine, s. Diabas.

Diabētes (griech.), Harnruhr (s. d.); Doppelheber, Vexierbecher, s. Heber.

Diabetomēter, s. Zirkularpolarisation.

Diable (franz., spr. djábl), Teufel. Diablerie, Teufelei, Teufelsstreich, Teufelsspiel, in der Geschichte des Dramas Name einer Art von Moralitäten und Farcen, in welchen der Teufel als Personifikation des Bösen auftrat; Diablesse, Teufelin, Teufelsweib.