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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Diagnostizieren - Diagramm.

Gesagten geht hervor, daß das Ermitteln einzelner Symptome, wie Gelbsucht, Wassersucht, Fieber etc., nicht als D. gelten kann, da zu einer solchen eine oft außerordentlichen Scharfsinn erfordernde logische Operation gehört, welche aus der Summe der Symptome erst das Urteil zusammensetzt. Folgendes diene als Beispiel: Der Arzt tritt an das Bett eines ihm unbekannten, etwa 30 Jahre alten Kranken. Er erfährt von ihm, daß er seit zwei Tagen leidend sei, daß er plötzlich mit Frost- und Hitzegefühl erkrankt sei; eine Ursache weiß er nicht anzugeben. Die Klagen beschränken sich auf Mattigkeit und etwas Husten. Die äußere Besichtigung zeigt einen kräftigen Körper, gerötetes Gesicht, glänzende Augen, heiße Haut. Das Thermometer ergibt 39,5° C. Aus den genannten Daten läßt sich nun die D. auf eine akute, fieberhafte Krankheit machen, weiter vorläufig nichts. In Frage kommen Lungenentzündung, Typhus, Brustfell-, Herzbeutelentzündung u. v. a. Nun ermittelt die Differentialdiagnose, daß von allen Symptomen, welche beim Typhus vorkommen, nur das Fieber vorhanden ist, daß auch Herzbeutelentzündung durch Auskultation und Perkussion auszuschließen ist; dagegen deuten die Phänomene beim Beklopfen und Behorchen des Brustkorbes auf Verdichtungen im rechten untern Lungenlappen, der Auswurf enthält roten, zähen Schleim, das tiefe Atemholen verursacht stechende Schmerzen: es ist kein Zweifel, daß die D. auf Lungenentzündung rechterseits mit Brustfellentzündung, beide im Beginn der Entwickelung, lautet. - In der Systematik des Pflanzen- und Tierreichs bezeichnet D. die Gesamtheit derjenigen Merkmale der Gattungen und Arten, welche eben hinreichen, um die letztern von den übrigen Arten der Gattung, bez. die Gattung von den übrigen Gattungen der Familie zu unterscheiden. In der Beschreibung pflegt man daher die D. entweder voranzustellen, oder durch besondern Druck auszuzeichnen. Zur bloßen Bestimmung der Gattungen und Arten ist ihre D. hinreichend.

Diagnostizieren, etwas, besonders eine Krankheit, aus den Merkmalen erkennen, die Diagnose stellen; diagnostisch, die Unterscheidung und Erkennung begründend.

Diagomēter (griech.), veraltetes Werkzeug zum Messen der elektrischen Leitungsfähigkeit von Körpern.

Diagonāle (griech., Diagonallinie), eine gerade Linie, welche zwei Ecken eines Vielecks miteinander verbindet, die noch durch keine Seite verbunden sind (vgl. Vieleck). Bei eckigen Körpern oder Polyedern ist D. die gerade Verbindungslinie von zwei nicht in derselben Oberflächenebene liegenden Ecken. Diagonal, in der Richtung der D.

Diagonalkraft, die Resultierende zweier Kräfte, s. Parallelogramm der Kräfte.

Diagonalmaschine, Vorrichtung zum Nachweis des Satzes vom Parallelogramm der Kräfte (s. d.).

Diagonālräder, s. v. w. konische Räder, Kegelräder; s. Zahnräderwerke.

Diagonals, dichte wollene, geköperte Gewebe mit schräg verlaufender feiner Streifung, zu Herrenkleidern und Damenmänteln.

Diagonālschichtung, eine an Sanden und Sandsteinen, wiewohl selten, auftretende Erscheinung, bei welcher eine Bank, die zwischen Komplexen von untereinander paralleler Schichtung eingekeilt ist, eine mit dieser diskordante Schichtung und Streifung zeigt.

Diagŏras, 1) berühmter Sieger in den gymnischen Wettkämpfen, aus Rhodus, Zeitgenosse Pindars, der ihm die siebente Olympionike widmete. Er hatte als Hauptkämpfer in allen vier großen heiligen Spielen (den Olympischen, Nemeischen, Isthmischen und Pythischen) wiederholt den Preis errungen und durch sein Beispiel auch seine Söhne und Enkel zu gleichen Siegen begeistert. Nach den Siegen zweier seiner Söhne zu Olympia von ihnen auf den Schultern durch das versammelte Volk getragen und von diesem als der glücklichste aller Sterblichen begrüßt, soll er der Freude hierüber unterlegen sein. Seine Statue von Kallikles stand zu Olympia.

2) D. der Melier oder Atheist, griech. Sophist in der zweiten Hälfte des 5. Jahrh. v. Chr., von der Insel Melos gebürtig, Schüler des Demokritos von Abdera. In jüngern Jahren sehr fromm und Verfasser gottesdienstlicher Gesänge, ging er, in seinen gläubigen Erwartungen getäuscht, zu völligem Unglauben über und regte zu Athen, wohin er sich 425 begab, durch beißenden Spott über die eleusinischen Mysterien den Unwillen des Volkes in solchem Grad gegen sich auf, daß er um 415 fliehen mußte. Er soll in Korinth gestorben sein. Seine "Phrygioi logoi" waren wahrscheinlich eine schonungslose Kritik der in Griechenlands Kulte aufgenommenen phrygischen Gottheiten sowie der orphischen, eleusinischen und samothrakischen Mysterien.

Diagramm (griech.), s. v. w. Linearzeichnung. Oft wird der Name D. für Skizzen überhaupt angewandt, am gewöhnlichsten aber bedient man sich seiner für die in den Naturwissenschaften wie auch in der Statistik üblichen graphischen Darstellungen der Veränderungen, welche eine bestimmte Größe mit der Änderung einer zweiten erleidet. Beispielsweise sei der jährliche Gang der Temperatur für ein Paar Orte, z. B. Jakutsk in Sibirien (62° 2' nördl. Br.) und Söndmör in Norwegen (62° 30' nördl. Br.), darzustellen. Die monatlichen Mitteltemperaturen beider Orte sind (in Graden Réaumur):

Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez.

Jakutsk -33,7 -28,5 -18,4 -6,8 2,2 10,2 13,4 10,9 3,3 -7,7 -22,7 -30,9

Söndmör -3,6 -1,1 0,7 2,4 6,4 9,5 11,4 11,1 9,0 4,7 2,0 -1,8

Man trage nun in Fig. 1 auf der Geraden 00 (der Abscissenachse) zwölf gleichlange Teile ab, welche den einzelnen Monaten entsprechen und am Fuß der Figur mit J (Januar), F (Februar) etc. bezeichnet sind; durch die Teilpunkte ziehe man Senkrechte zu der Linie 00. Auf der ersten Senkrechten links (der Ordinatenachse) trage man ferner beliebige, aber unter sich gleichlange Teile ab, die den Temperaturgraden entsprechen; dabei werden die Wärmegrade nach oben, die Kältegrade nach unten abgetragen, wie die den Zahlen beigesetzten Vorzeichen + und - andeuten. Durch die Teilpunkte ziehe man Parallelen zur Abscissenachse 00. Man gebe nun in der Mitte zwischen je zwei aufeinander folgenden Vertikallinien Punkte an, welche von der Abscissenachse 00 um 33,7, 28,5 18,4, 6,8 Teile nach unten, um 2,2, 10,2, 13,4, ... Teile nach oben entfernt sind, die also die Mitteltemperaturen der einzelnen Monate für Jakutsk angeben, und verbinde je zwei aufeinander folgende Punkte durch eine Gerade oder auch alle Punkte durch eine stetig gekrümmte Linie. Das Steigen und Fallen des so gewonnenen Linienzugs gibt uns rascher als die tabellarische Zusammenstellung ein übersichtliches Bild von dem Gang der Temperatur im Lauf eines Jahrs. Zeichnet man in dieselbe Figur auch die Zahlwerte für Söndmör ein (s. die bei -3,6 links an-^[folgende Seite]