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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Diamantene Hochzeit - Diana.

des heil. Johannes von Jerusalem und starb gegen Ende des 17. Jahrh. in asketischer Zurückgezogenheit. Dramatische Werke von ihm erschienen zu Madrid 1670 und 1674 in zwei Quartbänden und in Einzeldrucken. Er nahm, wie Lope de Vega, seine Stoffe aus dem Volksleben, der Volkssage und der Geschichte Spaniens und bearbeitete sie im volksmäßigen Ton. Zweien seiner am berühmtesten gewordenen Stücke liegen Sagen aus dem Leben des Cid zu Grunde, wovon das eine: "El hijo honrador de su padre", das in ganzen Szenen mit Corneilles "Cid" wörtlich übereinstimmt, nach Schacks Ansicht letzterm zum Muster gedient haben soll, während das erst in neuerer Zeit ermittelte Geburtsjahr des Dichters für das umgekehrte Verhältnis spricht, da Corneilles "Cid" bereits 1636 zur Aufführung gelangte. D. dichtete auch geistliche Schauspiele und Singspiele (zarzuelas); unter letztern gilt "Alpheo y Arethusa" für das beste. Einige Dramen von D. (darunter das oben besprochene) sind im 49. Bande der "Biblioteca de autores españoles" (Madr. 1859) enthalten.

Diamantene Hochzeit hat man analog der silbernen und goldenen Hochzeit die Wiedereinsegnung eines seit 60 Jahren verheirateten Brautpaars genannt, da ein Erleben des 75. Hochzeitstags von seiten beider Ehegatten nur in höchst seltenen Fällen vorkommt.

Diamantfarbe, Mischung von Graphit mit Leinölfirnis zum Anstrich auf Eisenwaren.

Diamantīna, Stadt in der brasil. Provinz Minas Geraës, malerisch am Abhang eines Hügels gelegen und Mittelpunkt eines reichen Diamantendistrikts, wurde um 1730 nach Auffindung der ersten Diamanten in der Gegend von einigen Abenteurern unter dem Namen Tejuco ("Lehmstadt") gegründet und zählt gegenwärtig etwa 13,000 Einw. Trotz seines Reichtums hat D. nur unansehnliche öffentliche Gebäude. Außer Diamantenschleifereien hat die Stadt eine Baumwollweberei und Goldschmiedewerkstätten. Sie ist Sitz eines Bischofs.

Diamantino, Stadt in der brasil. Provinz Mato Grosso, an einem Quellbach des Paraguay, 1730 von Goldsuchern gegründet, nach Entdeckung von Diamanten 1746 eine Zeitlang blühend, jetzt aber nur mit 2000 Einw., meist Indianern, die sich mit Einsammeln von Ipekakuanha und Vanille beschäftigen.

Diamantquadern, in der Architektur Quadersteine, auf deren Stirnseiten diamantartige Facetten zu dekorativem Zweck ausgemeißelt sind.

Diamantschliff, in der Glasfabrikation das Schleifen des Glases zu Facetten, wie sie beim Edelsteinschliff üblich sind. Vorzugsweise in England werden Glasgefäße aller Art mit D. dekoriert, wodurch schöne Lichtwirkungen erzielt werden.

Diamantspat, s. Korund.

Diamantvogel, s. Astrilds.

Diamastigōsis (griech.), die jährliche Geißelung der spartanischen Knaben oder Epheben am Altar der Artemis Orthia, eingeführt von Lykurg statt der im Dienste der Göttin früher gebräuchlichen Menschenopfer, zugleich als Mittel der Abhärtung und der Gewöhnung an standhafte Ertragung des Schmerzes. Wer die meisten und stärksten Hiebe ohne das geringste Zeichen des Schmerzes aushielt, wurde mit dem Siegeskranz geschmückt, wer den Streichen erlag, mit dem Siegeskranz öffentlich begraben.

Diamer, Berg, s. Nanga Parbat.

Diamĕter (griech.), Durchmesser (s. d.); diametral (z. B. diametral entgegengesetzt), diametrisch, in der Richtung des Durchmessers, dem Durchmesser entsprechend, auf den D. bezüglich.

Diametrālzahl, veraltete Bezeichnung für das Produkt p zweier Zahlen m und n, sobald m²+n² wieder ein Quadrat q² ist; z. B. 5.12 = 60, während 5²+12² = 13² ist.

Diamorphōse (griech.), Ausbildung, Gestaltung zu einer bestimmten Form.

Diamŏrum (griech.), Maulbeerdicksaft.

Diāna, eine altitalische Göttin, dem Namen nach die weibliche Ergänzung des Janus (entstanden aus Djanus), war eine Göttin des Mondes, der freien Natur mit ihren Bergen, Wäldern, Quellen und Bächen, der Jagd und der Geburt (in letzterer Eigenschaft führte sie wie Juno den Namen Lucina), also der griechischen Artemis (s. d.) verwandt, mit der sie auch im Lauf der Zeit vollständig verschmolz. Auch mit der Hekate (s. d.) wurde sie identifiziert und wegen der drei Phasen des Mondes als Dreigestaltige angerufen. Dies geschah meistens unter magischen Gebräuchen, welche nachts unter Zauberformeln auf Kreuzwegen und in Höhlen verrichtet wurden, um Liebe zu entzünden, Kranke zu heilen, Verhaßte zu verderben. Demnach lehrte D. auch den Gebrauch der Zauberkräuter, die bei Nacht gesucht wurden. Noch in späten christlichen Zeiten wurde der Zaubergöttin D. bei Nacht auf Kreuzwegen und in einsamen Höhlen von begeistert rasenden Priestern und Frauen geopfert, und man glaubte, daß die Zauberweiber mit der Göttin auf wilden Tieren durch die Luft ritten. Ihr berühmtestes Heiligtum befand sich bei Aricia in einem Hain (nemus, daher sie schlechthin als Nemorensis bezeichnet wurde) bei dem heutigen See von Nemi, dem "Spiegel der D.", der sein eiskaltes und besonders Frauen heilkräftiges Wasser aus der Quelle der Egeria empfing. Hier wurde neben ihr ein männlicher Dämon, Virbius, verehrt, ein der Göttin gleichartiger Genius des Waldes und der Jagd, welchen man später für den wiederbelebten Liebling der Artemis, Hippolytos, hielt. Übrigens hatte der Kult dieser D. Aricinia noch einen blutigen Charakter, indem der jedesmalige Priester (Rex nemorensis), dessen Stelle später ein entlaufener Sklave vertrat, seine Stelle sich durch Erlegung seines Vorgängers im Zweikampf erringen mußte. Wegen dieses blutigen Brauches verglichen die Griechen diese D. mit der taurischen Artemis, und es entstand die Sage, daß Orestes ihr Bild in diesen Hain gebracht habe. Sie wurde vorzugsweise von Frauen verehrt, die zu ihr um glückliche Geburt und eheliches Glück zu beten pflegten. In Rom hatte D. als Noctiluca ("Nachterleuchtende") einen Tempel auf dem Palatin, welcher allnächtlich erleuchtet wurde; noch angesehener war der auf dem Aventin von Servius Tullius als Bundesheiligtum der Latiner angelegte, den kein Mann betreten durfte, und bei dessen Stiftungsfest am 13. Aug. die Sklaven Feiertag hatten. Diese D. wurde vollständig mit der Schwester des Apollon identifiziert und bei den Säkularspielen ganz als Artemis verehrt. Ein Zeichen des alten Unterschieds erhielt sich darin, daß man der aventinischen D. Kühe opferte und ihren Tempel mit Rinderhörnern, nicht mit Hirschgeweihen schmückte, während der Artemis die Hirschkuh heilig war. Außerdem waren in Italien besonders der Hain und Tempel der D. am Berg Tifata berühmt; auf seinen Trümmern wurde die Kirche Sant' Angelo in Formis bei Capua gebaut. Über die bildlichen Darstellungen der D. s. Artemis. Vgl. Welcker, Griechische Götterlehre, Bd. 1 (Götting. 1857).

Diāna (auch Luna), in der alten Chemie Bezeichnung für Silber.