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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Diarchīe; Diärĕsis; Diarĭum; Diarrhöe; Diarthrōse; Dias; Dias del Castillo

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Diarchie - Dias del Castillo.

produkten, während die Industrie nur für den Lokalbedarf arbeitet. Die nahen Gebirge liefern Blei, Kupfer und Eisen. - Im Altertum hieß die Stadt Amida, und noch jetzt nennen die Türken sie offiziell Kara Amid ("Schwarz-Amid", wegen der dunkeln Farbe der Mauern). Kaiser Konstantin umgab sie mit Wällen und Türmen, aber der persische König Sapor eroberte sie 359. Justinian eroberte sie wieder und befestigte sie von neuem. Eine zweite Belagerung durch die Perser brachte sie abermals in die Gewalt derselben, und von diesen kam sie um 640 in die Hände der Araber vom Stamm Bekr, von welchem die Umgegend das Land Bekr genannt wurde, ein Name, welchen man später auf die Stadt übertrug. 958 ward sie von den Byzantinern nochmals erobert, und 1001-1085 stand sie unter der unabhängigen Herrschaft einer Kurdendynastie, die Söhne Merwans genannt, die von dem Turkmenen Ortok gestürzt und durch dessen Dynastie ersetzt ward, aus welcher von 1085 bis 1408: 21 Fürsten über D. herrschten. Nach der Plünderung der Stadt durch Timur (1394) folgte eine zweite Herrschaft von Turkmenen, bis Schah Ismail 1502 auf den Trümmern ihres Throns den seinigen errichtete. 1515 wurde die Stadt von dem Sultan Selim I. im Kriege gegen Schah Ismail erobert und dem osmanischen Reich einverleibt.

Diarchīe (griech.), Zweiherrschaft, Herrschaft von zwei Regenten zu gleicher Zeit, entweder als Nebenregenten, wie die beiden Könige in Sparta, oder als Gegenregenten, z. B. Gegenkaiser, Gegenpäpste.

Diärĕsis (griech., "Trennung"), in der Grammatik getrennte Aussprache aufeinander folgender Vokale, die nach der gewöhnlichen Aussprache diphthongisch zu sprechen wären. Als Zeichen dafür dienen die Puncta diaereseos (griech. trema), zwei über den zweiten Vokal gesetzte Punkte, z. B. aër (Luft), Benzoë etc. In der Rhetorik ist D. s. v. w. Partitio.

Diarĭum (lat.), Tagebuch, Kladde; Diaria (nämlich febris), tägliches (Quotidian-) Fieber.

Diarrhöe (griech.), s. v. w. Durchfall.

Diarthrōse (griech.), ein Gelenk, welches Bewegung nach jeder beliebigen Richtung hin gestattet, z. B. das Arm- und Hüftgelenk. Vgl. Gelenk.

Dias, 1) Bartholomeu, namhafter Seefahrer des 15. Jahrh., stammte aus der Provinz Algarve in Portugal. Am Hof König Johanns II. erzogen und durch Studien und den Umgang mit ausgezeichneten Männern der Wissenschaft, besonders mit dem deutschen Kosmographen Martin Behaim, zu einem vorzüglichen Nautiker herangebildet, erhielt er im August 1486 den Auftrag, mit zwei kleinen Schiffen und einem Proviantschiff die Staaten des fabelhaften Priesterkönigs Johannes aufzusuchen. Die Westküste Afrikas verfolgend, landete er bei Sierra Parda unter 25° 50' südl. Br. und ergriff von dem Küstenstrich durch Aufstellen eines Wappenpfeilers Besitz. Ein dreitägiger Sturm trieb ihn darauf nach Süden, worauf er, an dem kalten Wasser merkend, daß er schon die Südspitze Afrikas hinter sich habe, umkehrte und die heutige Algoabai erreichte. So stürmisch auch seine Mannschaft die Heimkehr verlangte, wußte D. dennoch die Weiterfahrt, wenn auch nur auf drei Tage, durchzusetzen und gelangte an die Mündung eines Flusses, den er Rio del Infante (heute Buschmannfluß) nannte. Kummervoll trat D. die Rückfahrt an, und jetzt erst entdeckte er das Vorgebirge, das er Cabo tormentoso (das "stürmische") nannte, welchen Namen der König später in Cabo de buena esperanza ("Kap der Guten Hoffnung") abänderte. Nachdem D. noch die Buchten und Landungsplätze der Nachbarschaft untersucht hatte, kam er im Dezember 1487 mit durchlöcherten Schiffen wieder in Lissabon an. Anfangs mit Ehren überhäuft, ward er dennoch bei der neuen Entdeckungsexpedition 1497 Vasco de Gama untergeordnet. Als ihn derselbe bei dem Vorgebirge Mina nach Portugal zurückschickte, schloß sich D. der Fahrt des Entdeckers von Brasilien, Cabral, an, fand aber 29. Mai 1500 mit vier Schiffen der Flotte in der Nähe des Kaps der Guten Hoffnung seinen Untergang.

2) Antonio Gonçalves, brasil. Dichter, geb. 10. Juli 1823 zu Caxias in der Provinz Maranhão, kam jung nach Portugal, studierte hier zu Coimbra Philosophie und Rechtswissenschaft und wirkte später als Staatsanwalt (procurador publico) zu Maranhão, siedelte aber bald nach Rio de Janeiro über, wo er sich an verschiedenen Journalen litterarisch, besonders im Interesse des Theaters, beteiligte und auch ein Drama: "Léonor de Mendoça" (1847), veröffentlichte, dessen Stoff er der portugiesischen Geschichte entnahm. Seinen Ruf als Dichter begründeten die "Primeiros cantos" (Rio de Janeiro 1846), deren Originalität, Anmut und Leichtigkeit neben dem lokalen Gepräge, das viele derselben an sich trugen, zahlreiche Nachahmungen hervorriefen und wesentlich dazu beitrugen, der jungen litterarischen Entwickelung Brasiliens einen neuen Impuls und eine mehr nationale Richtung zu verleihen. Bald folgten "Segundos cantos" (Rio de Janeiro 1848), unter welchen besonders mehrere Balladen, der "Gesang von Tabira" und die "Ode an die Bewohner von Pernambuca" Beifall fanden, und zwei Jahre später die "Ultimos cantos" (das. 1850). D. war inzwischen in Anerkennung seiner Verdienste zum Professor der Geschichte am Colegio Pedro II zu Rio de Janeiro ernannt worden, erhielt 1851 eine Stelle im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und ward 1855 mit einer wissenschaftlichen Mission nach Europa beauftragt, von der er erst 1858 nach Brasilien zurückkehrte. Bald darauf nahm er als Historiker und Ethnograph teil an der gelehrten Expedition, welche die Regierung zur Erforschung der Provinz Ceará und der Uferlandschaften des Amazonenstroms abschickte, fühlte sich aber von der Anstrengung der Reise so angegriffen, daß er 1862 zu seiner Erholung eine zweite Reise nach Europa unternahm, wo er in Dresden und Teplitz, später in Lissabon, in Savoyen, zuletzt in Ems und Paris seinen Aufenthalt nahm. Im September 1864 schiffte er sich wieder nach Brasilien ein, starb aber unterwegs, kurz zuvor, ehe das Schiff angesichts der Küste von Maranhão Schiffbruch litt, 3. Nov. 1864. Eine Gesamtausgabe seiner "Cantos" hatte D. selbst während seines Aufenthalts in Deutschland 1857 besorgt (4. Aufl., Leipz. 1865, 2 Bde.). Von sonstigen Werken sind noch die Dramen: "Boabdil", "Beatrice Cenci" und "Patkul", das (unvollendete) Epos "Os Tymbiras" (Leipz. 1857), das die Kämpfe zweier Indianerstämme, der Tymbira und Ganalla, besingt, und das "Diccionario da lingua Tupy" (das. 1858) zu erwähnen. Nach seinem Tod erschienen noch "Obras posthumas" (mit Biographie, Rio de Janeiro 1866). Vgl. Wolf, Le Brésil littéraire (Berl. 1863).

Dias del Castillo (spr. -stilljo), Bernal, span. Geschichtschreiber, gegen Ende des 16. Jahrh. geboren, war einer der kühnen Männer, welche Ferdinand Cortez 1519 nach Mexiko begleiteten, wo er um 1560 starb. Er schrieb eine "Wahrhafte Geschichte der Entdeckung und Eroberung von Neuspanien", die zu Madrid 1632 im Druck erschien und von Rehfues deutsch bearbeitet und mit wertvollen Zusätzen versehen wurde