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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Diogenianos; Diognēt; Diogo Bernardes; Dioicus; Diois; Diŏkles

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Diogenianos - Diokles.

Instrumente verwendeten, aber die Harmonie ihrer Affekte außer acht ließen; die Redner, weil sie sich der Wohlredenheit, nicht aber löblicher Thaten befleißigten. Dem Platon, der einst den Menschen ein zweifüßiges Tier ohne Federn genannt hatte, führte er einen gerupften Hahn vor, den Schülern des Philosophen zurufend: "Seht hier den Platonischen Menschen". Schon ziemlich vorgerückt in Jahren, ward er auf einer Fahrt nach Ägina von Seeräubern ergriffen und nach Kreta geschleppt, um daselbst als Sklave verkauft zu werden. "Wer braucht einen Herrn?" rief er auf dem Markt; "wer mich kauft, muß bereit sein, mir zu gehorchen, wie große Herren ihren Ärzten." Xeniades, ein Korinther, verstand sich dazu, stellte ihn als Erzieher seiner Söhne an und gab ihm dann die Freiheit. Von da an lebte D. wieder in der alten Weise bald zu Korinth, bald zu Athen. In ersterer Stadt suchte ihn auch Alexander d. Gr. auf. Angenehm unterhalten durch die Erscheinung und durch die geistreichen Antworten des alten, eben sich sonnenden Philosophen, befahl ihm der König, sich irgend eine Gnade auszubitten. "Geh mir aus der Sonne", entgegnete D. schnell, und Alexander, beiseite tretend, sagte: "Wäre ich nicht Alexander, so möchte ich wohl D. sein". Auch wird berichtet, daß D. einst am hellen Tag mit einer brennenden Laterne auf dem Markt mitten unter die Leute gegangen sei und auf die Frage: was er suche, geantwortet habe: "Ich suche Menschen". Bei den Spartanern glaubte er die meiste Anlage zu Menschen nach seinem Sinn zu finden, daher sagte er, Menschen habe er nirgends, aber doch Kinder in Sparta gesehen. Er starb 323, nach andern 324 in Korinth und erhielt hier sowie auch in Sinope eine Bildsäule. Eine antike Statuette des Philosophen enthält die Villa Albani in Rom. Erhalten haben sich unter seinem Namen nur 51 entschieden unechte Briefe, herausgegeben in Herchers "Epistolographi graeci" (Par. 1873). Die ihm beigelegten Aussprüche und Fragmente finden sich in Mullachs "Fragmenta philos. graec.", Bd. 2 (Par. 1867). Vgl. Göttling, D. (in "Gesammelte Abhandlungen", Bd. 1, Halle 1851); Hermann, Zur Geschichte und Kritik des D. (Heilbronn 1860).

3) D. von Babylon, stoischer Philosoph aus Seleukia am Tigris, Schüler des Chrysippos, ward, als Haupt dieser Schule in hohem Ansehen stehend, mit dem Akademiker Karneades und dem Peripatetiker Kritolaos 155 v. Chr. nach Rom gesandt und vermittelte hier mit seinen Genossen die Bekanntschaft der Römer mit griechischer Philosophie. Sein Hauptfach war die Dialektik, in der Karneades sein Schüler war. Seine zahlreichen, verschiedene Fächer betreffenden Schriften sind verloren gegangen.

4) D. von Laerte in Kilikien, daher Laertius genannt, griech. Schriftsteller, lebte zu Ende des 2. und Anfang des 3. Jahrh. n. Chr., nach andern in der Mitte des 3. Jahrh. oder gar erst im Zeitalter Konstantins, schrieb, außer einer nur noch bruchstückweise vorhandenen Sammlung von Epigrammen, unter dem Titel: "De vitis, dogmatibus et apophthegmatibus clarorum virorum", eine Art Geschichte der Philosophie in zehn Büchern, die nach einer Einleitung über den Ursprung der Philosophie die meisten Ionier, die Sokratiker, Akademiker, Peripatetiker, Cyniker und die Stoiker bis Chrysippos, dann den Pythagoras, Empedokles, Heraklitos, die Eleaten und Atomistiker und zuletzt mit besonderer Ausführlichkeit den Epikureismus behandelt und, wenn auch den Charakter einer geist-, kritik- und ordnungslosen Kompilation an sich tragend, doch bei dem Verlust so vieler andrer hierher gehöriger Werke als die freilich mit großer Vorsicht zu benutzende Hauptquelle für die Geschichte der alten Philosophie von großem Wert ist. Die bemerkenswertesten neuern Ausgaben sind von Hübner (Leipz. 1828-31, 2 Bde.) und von Cobet (Par. 1850); deutsche Übersetzungen von Snell (Gießen 1806, 2. Bde.) und Borheck (Leipz. 1809, 2 Bde.). Vgl. Klippel, De Diogenis L. vita, scriptis atque auctoritate (Nordhaus. 1831).

5) D. Romanos, byzantin. Kaiser, s. Romanos 4).

Diogenianos, griech. Grammatiker aus Heraklea, in der zweiten Hälfte des 2. Jahrh. n. Chr., schrieb unter anderm ein alphabetisches Wörterbuch in fünf Büchern, das dem Lexikon des Hesychios zu Grunde liegt, und eine Sprichwörtersammlung, von der wir noch einen Auszug besitzen (hrsg. von Gaisford in "Paroemiographi graeci", Oxf. 1836; Schneidewin und Leutsch in "Paroemiographi graeci", Götting. 1839-51).

Diognēt, Brief an, eine griech. Apologie des Christentums, fälschlich als ein Werk des Märtyrers Justin überliefert, aber wahrscheinlich nicht lange nach dessen Zeiten, nach Neuern freilich erst im 3. oder 4. Jahrh., geschrieben. Was die Zeitbestimmung des anonymen Schriftstücks erschwert, sind die Freiheit des Verfassers von so manchem sonst unvermeidlichen Tribut an die Vorurteile und Schranken des damaligen christlichen Gemeindebewußtseins, die auffällige Reinheit der Auffassung des Christentums in einem Verhältnis zu Heidentum und Judentum, der schwungvolle Idealismus der Schätzung des Christentums nach seinen innern Reichtümern und sittlichen Zielen. Vgl. Dräseke, Der Brief an D. (Leipz. 1881).

Diogo Bernardes, portug. Dichter, vor 1540 zu Ponte da Lima geboren, von adliger Herkunft, lebte meist auf dem Land, schloß sich als Dichter der eben aufgekommenen "neuen Schule" Sâ e Mirandas an, welche die poetischen Formen der Italiener in Portugal einführte, und besang namentlich die Reize seiner ländlichen Heimat in schlichten und innigen Hirtengedichten und Elegien. 1576 begleitete er den Gesandten des Königs Sebastian, Pedro de Alcaçova Carneiro, nach Madrid; zwei Jahre später nahm er an dem unglücklichen Feldzug in Afrika teil, wo er in der Schlacht bei Alkazar in Gefangenschaft geriet. Nach seiner Heimkehr erhielt er von Philipp II. ein kleines Hofamt, das er bis zu seinem Tod 1605 verwaltete. Eine Sammlung seiner Eklogen und Episteln erschien unter dem Titel: "O Lima" (Lissab. 1596, 3 Bde., u. öfter; zuletzt 1820). Ferner hat man von ihm: "Flores de Lima" (Lissab. 1597 u. öfter) und "Varias rimas ao bom Jesus" (das. 1594 u. öfter, zuletzt 1770). - Sein Bruder Agostinho Bernardes Pimenta, mehr bekannt unter seinem Klosternamen Frei Agostinho de Cruz (1540-1619), hat sich gleichfalls als Lyriker Ruf erworben.

Dioicus (griech., diözisch, "zweihäusig"), Pflanzen mit eingeschlechtigen (diklinischen) Blüten, bei welchen männliche und weibliche Blüten auf verschiedene Individuen verteilt sind, im Gegensatz zu den einhäusigen (monözischen), wo beiderlei Blüten auf demselben Individuum sich finden. Pflanzen mit dergleichen Blüten bilden die 22. Klasse des Linnéschen Systems, Dioecia. Dioecia ist bei Linné auch der Name einer Ordnung der Klasse Polygamia (s. d.).

Diois (spr. di-ŏa), kleine franz. Landschaft in der obern Dauphiné, umfaßt die Umgegend von Die.

Diŏkles, 1) Syrakusaner, veranlaßte nach dem Untergang der sizilischen Expedition der Athener 413 v. Chr. die grausame Behandlung der Gefangenen,