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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Diokletiān; Dioktaēder; Diomedēa; Diomedeische Inseln; Diomēdes; Dion; Dīon

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Diokletian - Dion.

arbeitete dann ein Gesetzbuch aus und begründete die demokratische Verfassung in Syrakus. Unter anderm ordnete er an, daß die Staatsämter nach dem Los vergeben werden sollten. 408 zog er der Stadt Himera gegen die Karthager zu Hilfe, ließ sie aber schmählich im Stiche und ward daher von den Syrakusanern verbannt. Seine Gesetzgebung wurde 343 von Timoleon hergestellt.

2) Karystios, Arzt aus Karystos auf Euböa, um 350 v. Chr., philosophischer Begründer und Erweiterer des Hippokratischen Systems, zugleich tüchtiger Praktiker und Anatom, wird von Galenos u. a. oft angeführt. Bruchstücke seiner Schriften sammelten Fränckel (Berl. 1840) und Kühn in "De medicis nonnullis in Coelio Aureliano occurrentibus" (Leipz. 1820). Ein Brief mit D.' Namen an den König Antigonos (Gonatas) über die Bewahrung der Gesundheit ist unecht.

3) Mathematiker von ziemlich unbestimmtem Zeitalter, jedenfalls vor 70 v. Chr. lebend, erfand zur Lösung des Problems von der Verdoppelung des Würfels die Cissoide (s. d.).

Diokletiān, s. Diocletianus.

Dioktaēder (griech.), s. v. w. ditetragonale Pyramide, s. Kristall.

Diomedēa, Albatros.

Diomedeische Inseln (Diomedeae insulae), der antike Name der Tremiti-Inseln (s. d.) an der apulischen Küste. Vgl. Diomedes 2).

Diomēdes, Name zweier Heroen der Griechen: 1) Sohn des Ares und der Kyrene, König der wilden und kriegerischen Bistonen in Thrakien, berüchtigt durch seine Pferde: Podargos, Xanthos, Lampon und Dinos, welche von ihm mit dem Fleisch der an die Küste verschlagenen Fremden gefüttert wurden. Herakles raubte dieselben auf Befehl des Eurystheus und warf ihnen den D. selbst als Futter vor. Eurystheus weihte sie der Hera oder ließ sie frei laufen, und ihre Nachzucht soll bis zur Zeit Alexanders d. Gr. gewährt haben.

2) Sohn des Tydeus und der Deipyle, ein Ätolier, nach dem Tod seines Großvaters Adrastos Teilnehmer am Epigonenzug gegen Theben, dann einer der gefeiertsten Helden vor Troja, wohin er mit 80 Schiffen gekommen war. Aphrodite, den Äneas schützend, und selbst Ares werden von ihm verwundet, und dem Hektar wird er mehrmals gefährlich. Mit Odysseus geht er auf Kundschaft aus, tötet den trojanischen Spion Dolon, überfällt den König der Thraker, Rhesos, und entführt seine Rosse. Bei den Leichenspielen des Patroklos trägt er einen Preis davon. Athene liebt ihn, der oft allein im allgemeinen Verzagen noch Rat weiß. Die nachhomerische Sage läßt ihn noch das Palladion in Troja rauben; als ihn sein Gehilfe Odysseus auf dem Rückweg ins Lager meuchlings ermorden wollte, fesselte er denselben. Bei seiner Landung in Attika verlor er das Palladion, und sein Weib Aigialea, unterdessen auf Antrieb der Aphrodite zur Ehebrecherin geworden, erzwang mit Waffengewalt seine Flucht. D. ging zuerst nach Ätolien, wo er seinen Großvater, den vertriebenen König Oineus, wieder einsetzte, stand sodann, nach Italien verschlagen, dem König Daunus in Apulien gegen die Messapier bei und erhielt dessen Tochter Euippe zur Gemahlin nebst der Herrschaft über die apulische Ebene (Campi Diomedis), wo mehrere Städte, z. B. Benevent, Argyripa (Argos Hippion), Brundusium etc., von ihm angelegt wurden. Er starb in Daunia oder zu Argos, wohin er zurückgekehrt war; nach andrer Angabe verschwand er auf einer der nach ihm benannten, im Adriatischen Meer gelegenen Diomedeischen Inseln (s. Tremiti), wo auch sein Grabmal sein sollte, und wo nach der Sage seine trauernden Gefährten in fleischfressende Raubvögel (Diomedeische Vögel) verwandelt wurden. Infolge dieser Sage hat Linné den Albatros Diomedea genannt, was dann wiederum Anlaß gab, eine Inselgruppe zwischen dem Prinz von Wales-Kap und dem Ostkap (der Nordgrenze der jährlichen Wanderung dieses Vogels) Diomedesinseln zu nennen. Man verehrte D. als Heros in vielen Städten Italiens, besonders in Argyripa, Metapontum und über Ancona hinaus bis an die Pomündung, wo vermutlich der Dienst einer rosselenkenden, seeherrschenden Gottheit den griechischen und gräzisierenden Sagen von D. und seinem Palladion entgegenkam. In Argos wurde an dem Feste der Athene mit dem Palladion der Schild des D. in feierlichem Zug einhergetragen und sein Bild im Inachos gewaschen; er war in Griechenland überhaupt ein mit Athene eng verknüpftes Wesen. Der Freund des Horaz, Julus Antonius, besang D.' Rückkehr von Troja in zwölf Büchern (Diomedea). Spätere verwechseln die beiden D. Auf mehreren Gemmen des Altertums erscheint D. nackt mit dem Palladion in der Hand, so einmal auch auf einem schönen Relief im Palazzo Spada zu Rom.

Diomēdes, lat. Grammatiker, verfaßte in der zweiten Hälfte des 4. Jahrh. n. Chr. eine "Ars grammatica" in drei Büchern nach denselben Quellen wie sein Zeitgenosse Charisius, mit dem er vielfach wörtlich übereinstimmt. Besondern Wert hat das dritte Buch durch seine aus Sueton geschöpften litterarhistorischen Notizen. Beste Ausgabe von Keil ("Grammatici latini", Bd. 1, Leipz. 1857).

Dion (heute Malathria), makedon. Stadt am nordöstlichen Fuß des Olymp, von thessalischen Perrhäbern gegründet, gewann kulturgeschichtliche und nationale Bedeutung, seit die Könige von Makedonien sie mit ihrem Land vereinigten. König Archelaos richtete hier alljährliche Wettspiele zu Ehren des Zeus und der Musen nach dem Muster der Olympischen ein. Als der Ätolier Skopas 220 v. Chr. die Stadt einäscherte, vernichtete er an 2000 Bildhauerwerke. Kassandros ließ D. wieder aufbauen und verband es durch eine Befestigung mit dem Meer. Unter Perseus ward D. römisch und begann zu sinken; später wurde es römische Kolonie und Bischofsitz.

Dīon, berühmter Syrakusaner, geb. 409 v. Chr., Sohn des Hipparinos, Bruder der Aristomache, der Gemahlin des ältern Dionysios, deren Tochter er heiratete, ward von Platon früh für die Philosophie gewonnen und stand durch seine Freimütigkeit und Sittenstrenge bei dem älteren Dionysios in hohem Ansehen. Von dem jüngern Dionysios, den er vergeblich der Willkürherrschaft und Schwelgerei zu entwöhnen suchte, angeblich wegen verräterischer Verbindung mit den Karthagern 366 verbannt, lebte er, überall mit Hochachtung aufgenommen, in verschiedenen Städten Griechenlands. Seine Zurückberufung machte Dionysios nach langen Verhandlungen von der Rückkehr Platons nach Syrakus abhängig, doch brachte dieser 361 dem Freunde das Opfer vergeblich. Inzwischen hatte Dionysios Dions Güter eingezogen, dessen Gemahlin Arete zur Verheiratung mit dem Höfling Timokrates genötigt und seinen Sohn Aretäos zu den schändlichsten Ausschweifungen verführen lassen. D. landete daher 357 mit 800 Söldnern vor Syrakus, dessen Bürger ihm und seinem Bruder Megakles sogleich die oberste Feldherrnwürde übertrugen. Dionysios mußte flüchten. Als sich D.