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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dion Chrysostomos; Dionaea; Diōne; Dionysien; Dionysios

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Dion Chrysostomos - Dionysios.

bald darauf dem von dem Volksführer Herakleides gemachten Vorschlag einer allgemeinen Güterteilung widersetzte, ward er als ein Feind der Freiheit mit seinen treu gebliebenen Söldnern gewaltsam vertrieben und zog sich nach Leontinoi zurück. Wegen der Übergriffe und Gewaltthaten der Burgbesatzung unter des Dionysios Sohn Apollokrates bald wieder zurückgerufen, stellte er die Ruhe wieder her und erzwang die Übergabe der Burg. Von neuem an die Spitze des Staats gestellt, bewies er gegen seine politischen Gegner große Mäßigung. Als Herakleides dennoch seine frühern Umtriebe und Verdächtigungen beim großen Haufen fortsetzte, gab D. die schon mehrmals von ihm verlangte Erlaubnis zur Ermordung des Demagogen. Aber die Reue über diese That sowie der Kummer über den Selbstmord seines entarteten Sohns beugten seinen Geist nieder und machten ihn schroff gegen seine Umgebungen. Einer seiner bevorzugtesten Gefährten, der Athener Kallippos, benutzte dies, um eine Verschwörung anzuzetteln, in deren Folge D. 353 ermordet wurde. Wir besitzen noch zwei Biographien Dions von Plutarch und Cornelius Nepos. Vgl. Lau, Leben des Syrakusaners D. (Hamb. 1860).

Dion Chrysostomos, auch Coccejus oder Coccejanus zubenannt, griech. Rhetor und Philosoph, zu Prusa in Bithynien um 50 n. Chr. aus vornehmer Familie geboren, widmete sich anfangs der Rhetorik und lebte, durch heimische Unruhen aus dem Vaterland vertrieben, längere Zeit in Ägypten, wo er sich die Gunst des spätern Kaisers Vespasian erwarb, dann unter Domitian in Rom, bis er von diesem aus Italien und Bithynien verbannt wurde. In der Zeit der Verbannung, die er auf Geheiß des delphischen Orakels auf weiten Reisen in den nördlichen Provinzen des Reichs bis zum Djnepr ^[richtig: Dnjepr] zubrachte, wandte er sich der stoischen Philosophie zu. Von seinem Freund Coccejus Nerva, von dem er den Namen Coccejus annahm, nach dessen Regierungsantritt nach Rom zurückgerufen, lebte er hier, von Nerva und dessen Nachfolger Trajan hochgeehrt, bis zu seinem Tod im Anfang des 2. Jahrh. Von seinen Reden besitzen wir noch 80, eigentlich mehr Aufsätze philosophischen, moralischen und politischen Inhalts, die ihn als einen talentvollen Nachahmer der besten Muster, namentlich Platons und Demosthenes', und gesinnungstüchtigen Mann zeigen und zu den hervorragendsten Leistungen der damaligen Litteratur gehören (hrsg. von Reiske, Leipz. 1784 u. 1798; Emper, Braunschw. 1844; Dindorf, Leipz. 1857).

Dionaea L. (Fliegenklappe, Venusfliegenfalle), Gattung aus der Familie der Droseraceen, mit der einzigen Art D. muscipula L. (D. corymbosa Rafin.), in Florida und Carolina in Sümpfen, ein kleines, ausdauerndes Gewächs mit wurzelständigen Blättern, die von einem breitgeflügelten Blattstiel getragen werden und aus einer gliederig eingelenkten, zweilappigen, in der Mitte gerinnten, an den rundlichen Rändern steif bewimperten Platte bestehen. Sie liegen im Zustand der Ruhe offen ausgebreitet; gerät aber ein Insekt auf das Blatt, so schließt sich dieses infolge seiner Reizempfänglichkeit sehr schnell; fängt dabei das Insekt und bleibt so lange geschlossen, wie der Reiz anhält, um sich dann langsam wieder zu öffnen. Gewöhnlich geschieht dies erst, wenn das Insekt abgestorben ist, woraus die Ansicht abgeleitet worden ist, daß die Pflanze von Insekten lebe. Zwischen den Blättern erheben sich ein oder zwei Schäfte, 15-20 cm hoch, mit einer Doldentraube weißer Blumen. Die Frucht ist eine einfächerige, mehrsamige Kapsel. Bei uns kultiviert man dies Gewächs in Warmhäusern auf feuchtem Moos unter einer Glasglocke. S. Tafel "Insektenfressende Pflanzen".

Diōne, nach griech. Mythe Tochter des Okeanos und der Tethys oder des Uranos und der Gäa, eine beiden Griechen alter Zeit in hohem Ansehen stehende Göttin des lichten Himmels, in der "Ilias" durch Zeus Mutter der Aphrodite, welche daher Dionaia, sogar auch D. selbst heißt. D. ward zu Dodona (s. d.) als die eigentliche Gemahlin des Zeus verehrt und repräsentierte in weiblicher Gestalt dieselbe Idee wie der dodonäische Zeus. Als dann das Orakel zu Dodona vor andern in den Schatten trat, ward auch D. durch Hera verdrängt und galt schließlich nur noch für eine dodonäische Nymphe. Lautlich entspricht ihr die römische Juno (s. d.).

Dionysien (griech.), die zu Ehren des Gottes Dionysos (s. d.) gefeierten Feste.

Dionysios, 1) D. I., der ältere, Tyrann von Syrakus, geb. 431 v. Chr., Sohn eines armen Maultiertreibers, war in seiner Jugend Schreiber, nahm aber gleichzeitig am politischen Parteitreiben teil und schloß sich der Partei des Hermokrates an, zu deren kühnsten und tapfersten Führern er gehörte. Er klagte 406 nach der Zerstörung Agrigentums durch die Karthager die dorthin zu Hilfe geschickten Feldherren an und erreichte mit Hilfe des Hipparinos und des reichen Geschichtschreibers Philistos die Absetzung derselben, worauf er selbst zum Heerführer gewählt und mit einer Expedition nach Gela zum Schutz dieser Stadt gegen Karthago beauftragt wurde. Hier stürzte er die Oligarchen und gewann mit deren Gelde die Söldner für sich; darauf kehrte er nach Syrakus zurück, ließ seine Mitfeldherren absetzen, umgab sich mit einer Leibwache und bemächtigte sich der Burg auf der Insel Ortygia. Gestützt auf die Söldner und auf die Hermokratische Partei, die er durch Zurückberufung aller Flüchtlinge und Verbannten verstärkte und dadurch an sich kettete, daß er die Tochter des Hermokrates heiratete, herrschte er nun als Tyrann mit unbeschränkter Machtvollkommenheit über die Stadt. Als er nach einem unglücklichen Feldzug gegen Karthago diesem Gela und Camarina preisgeben mußte, brach zwar 405 in Syrakus ein Aufstand gegen ihn aus; doch gelang es ihm mit Hilfe der Söldner, denselben zu bewältigen und mit dem Vermögen der getöteten oder geflüchteten Bürger seine Herrschaft noch fester zu begründen. Darauf schloß er einen Frieden mit den Karthagern, der ihm den Besitz der Ostküste Siziliens sicherte, und verstärkte Ortygia durch die Anlage der großen Feste Hexapylon. Ein neuer Aufstand im Heer, als er 403 die Stadt Herbessos belagerte, zwang ihn zur Flucht nach Ortygia, wo er sich so lange behauptete, bis ihm kampanische Söldner zu Hilfe kamen. Nun unterwarf er die Stadt von neuem und entwaffnete die Bürger. Darauf bemächtigte er sich 401 der Städte Naxos und Catana und unternahm, nachdem er Syrakus mit einer neuen hohen Quadermauer, welche auch die Vorstädte Tycha und Epipolä umfaßte, umgeben und ein Heer von 80,000 Mann sowie eine Flotte von 300 großen Kriegsschiffen ausgerüstet hatte, wofür er das Geld durch Erpressungen und Tempelraub sich verschaffte, 397 einen Krieg gegen Karthago, um ganz Sizilien demselben zu entreißen. Zwar eroberte er Motye, aber 395 erlitt seine Flotte eine Niederlage bei Catana. D. wurde von dem karthagischen Feldherrn Himilko in Syrakus eingeschlossen und hart bedrängt, bis das feindliche Heer durch eine Seuche heimgesucht wurde und 394 abzog. Nun erweiterte D. seine Macht durch