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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dittersdorf; Dittes; Dittmannsdorf; Dittmar; Ditto; Dittrich

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Dittersdorf - Dittrich.

Steinkohlenbergbau, Garnbleicherei, Zündhölzerfabrikation und (1880) 5913 Einw. (2090 Katholiken). - 2) Dorf im nördlichen Böhmen, Bezirkshauptmannschaft Tetschen, mit (1880) 614 deutschen Einwohnern. In der Nähe die durch merkwürdige Formation ausgezeichneten Dittersbacher Felsen, ein vielbesuchter Teil der sogen. Böhmischen Schweiz.

Dittersdorf (ungar. Ditró), Dorf im ungar. Komitat Csik (Siebenbürgen), mit (1881) 5420 Einw., Holzhandel, Schaf- und Rindviehzucht und Deinem Sauerbrunnen, der früher als "Borszéker" weithin versendet wurde.

Dittersdorf, Karl Ditters von, Komponist, geb. 2. Nov. 1739 zu Wien, erhielt seinen ersten Musikunterricht (auf der Violine) von König und Ziegler, wurde als zwölfjähriger Knabe in die Hauskapelle des österreichischen Generalfeldzeugmeisters, Prinzen Joseph Friedrich von Hildburghausen, aufgenommen und von den Mitgliedern derselben, Trani und Bonno, im Violinspiel und in der Komposition ausgebildet. Nach Auflösung der Kapelle trat er in das Orchester des Hoftheaters ein (1760), verließ dasselbe jedoch schon im nächsten Jahr, um in Glucks Gesellschaft eine Reise nach Italien anzutreten, wo er als Violinvirtuose glänzenden Erfolg hatte. Nach seiner Rückkehr wurde er vom Bischof von Großwardein als Kapellmeister angestellt, 1770 aber in gleicher Eigenschaft vom Grafen Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau, berufen, in dessen Dienst er bis 1795 blieb. In beiden Anstellungen war er in der Lage, mit Hilfe einer guten Kapelle sowie eines Privattheaters sein Talent als Instrumental- und Opernkomponist zu entwickeln, und auf seinen wiederholten Reisen nach Wien fand er Gelegenheit, dasselbe glänzend zu bewähren. Hatte er schon mit seinen dort aufgeführten Oratorien: "Esther" (1785) und "Hiob" (1786) allgemeinen Beifall gefunden, so steigerte sich derselbe zum Enthusiasmus beim Erscheinen seiner komischen Oper "Doktor und Apotheker" (ebenfalls 1786), welche wie in Wien, so in ganz Deutschland, ja selbst in London die günstigste Aufnahme fand und ihrem Autor eine Popularität verschaffte, wie sie um diese Zeit weder Haydn noch Mozart besaßen. Den gleichen Beifall fanden seine spätern Opern, mehr als 30 an der Zahl, sämtlich ausgezeichnet durch dramatische Wirksamkeit, treffenden Ausdruck für das Charakteristische und Komische sowie durch Gediegenheit des Tonsatzes. Ungeachtet dieser Erfolge und der ausgesprochenen Gunst Kaiser Josephs II., der ihn unter anderm zum Forstmeister in Neiße ernannte und ihn in den Adelstand erhob (bei welcher Veranlassung seinem Familiennamen Ditters das Prädikat "von D." beigefügt wurde), verbrachte er seine letzten Lebensjahre in Dürftigkeit und sah sich schließlich auf die Gastfreundschaft eines Gönners, des Barons v. Stillfried, angewiesen, auf dessen Landgut Rothlhotta (bei Neuhaus in Böhmen) er 31. Okt. 1799 starb. Er hinterließ an Kompositionen außer den erwähnten, zum Teil noch bis in die neueste Zeit beliebt gebliebenen komischen Opern (unter denen noch "Hieronymus Knicker" und "Das rote Käppchen" besonders hervorzuheben sind) eine große Zahl schätzbarer Arbeiten für Kirche und Kammer, unter letztern sechs nach Ovids "Metamorphosen" komponierte Symphonien und sechs Streichquartette, welche an Reichtum und Grazie der Ideen sowie an technischer Gewandtheit den Haydnschen wenig nachstehen. Auch als Schriftsteller hat sich D. bekannt gemacht, zuerst durch zwei Briefe für die "Leipziger musikalische Zeitung": "Über die Grenzen des Komischen und Heroischen in der Musik" und "Über die Behandlung italienischer Texte bei der Komposition", dann durch seine "Selbstbiographie" (Leipz. 1801), deren Schluß er wenige Tage vor seinem Tod seinem Sohn in die Feder diktiert hatte.

Dittes, Friedrich, Schulmann, geb. 23. Sept. 1829 zu Irfersgrün im sächsischen Vogtland, besuchte 1844 bis 1848 das Seminar zu Plauen und studierte 1851 bis 1852 und 1858-60 in Leipzig. Nachdem er schon 1848-51 und 1852-58 als Lehrer an verschiedenen Schulen gewirkt hatte, wurde er 1860 Subrektor an der Realschule und dem Gymnasium zu Chemnitz und trat zuerst 1864 auf dem dort gehaltenen allgemeinen deutschen Lehrertag mit durchschlagendem Erfolg zu gunsten einer Neugestaltung des sächsischen Seminar und Schulwesens in die Öffentlichkeit. 1865 ward er nach Gotha als Schulrat und Seminardirektor, 1868 als Direktor des städtischen Lehrerpädagogiums nach Wien berufen. Von 1870 bis 1873 Mitglied des Landesschulrats für Niederösterreich, seit 1873 Mitglied des österreichischen Reichsrats, ist D. wiederholt auch dort mit Nachdruck und Erfolg für freisinnige Gestaltung des Kirchen und Schulwesens, namentlich aber für allseitige Hebung des öffentlichen Schulwesens in die Schranken getreten. Die daraus hervorgegangenen Anfeindungen seiner klerikalen Gegner veranlaßten D., 1881 sein Amt niederzulegen. In philosophischer Hinsicht auf Herbart und namentlich auf Beneke fußend, schließt er sich in seinen pädagogischen Bestrebungen an Pestalozzi und Diesterweg an. Unter seinen Schriften sind besonders hervorzuheben: "Das Ästhetische nach seinem Grundwesen und seiner pädagogischen Bedeutung" (Leipz. 1854); "Schule der Pädagogik" (das. 1876); letztere enthält in vier oft aufgelegten Bändchen: "Geschichte der Erziehung und des Unterrichts", "Praktische Logik und Psychologie", "Methodik der Schule", "Grundriß der Erziehungs- und Unterrichtslehre". Seit 1878 gibt er das "Pädagogium. Monatsschrift für Erziehung und Unterricht" heraus.

Dittmannsdorf, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Waldenburg i. Schl., am Zwicker Wasser, 8 km von der Eisenbahnstation Waldenburg, mit (1880) 2066 meist evang. Einwohnern, welche Leinen- und Baumwollweberei treiben.

Dittmar, Heinrich, deutscher Schulmann und Schriftsteller, geb. 15. Dez. 1792 zu Ansbach, studierte seit 1810 in Erlangen und Würzburg erst die Rechte, dann Philosophie, namentlich von J. J. ^[Johann Jakob] Wagner beeinflußt, und errichtete später in Würzburg mit einigen Freunden eine Schul- und Erziehungsanstalt nach Pestalozzischen Prinzipien, dann 1817 eine solche in Nürnberg. 1827 übernahm er das Rektorat der Schule zu Grünstadt in der Pfalz, 1855 das des Gymnasiums zu Zweibrücken, wo er 24. Juli 1866 starb. Außer zahlreichen Jugendschriften und einigen Ausgaben älterer Litteraturdenkmäler, z. B. des "Merks" von Abraham a Santa Clara (Frankf. 1827), auch eignen Gedichten ("Das Minnebüchlein", Berl. 1824) und pädagogischen Handbüchern hat sich D. namentlich durch die seinen religiösen Standpunkt stark betonende "Geschichte der Welt vor und nach Christus, für das allgemeine Bedürfnis dargestellt" (Heidelb. 1845-60; 4. Aufl. 1866, 6 Bde.) bekannt gemacht; daneben fanden kleinere Handbücher, wie: "Die Weltgeschichte im Umriß" (12. Aufl., das. 1881, 2 Bde.), "Leitfaden der Weltgeschichte" (9. Aufl., das. 1879), "Die deutsche Geschichte in ihren wesentlichen Grundzügen" (8. Aufl., das. 1880) u. a., weite Verbreitung.

Ditto, s. Dito.

Dittrich, Johann Georg, Pomolog, geb. 11. April 1783 zu Gotha, starb als Hofküchenmeister 10. März