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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Donatio Constantini; Donatisten; Donativum; Donator; Donatus; Donau

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Donatio Constantini - Donau.

gründete Schenkung; d. remuneratoria, zur Vergeltung dienende Schenkung; d. sub modo, Schenkung zur Erfüllung eines bestimmten Zwecks. D. Pippini, die Schenkung des sogen. Exarchats von seiten Pippins des Kleinen an den päpstlichen Stuhl. D. Constantini, s. d.

Donatio Constantini (lat., "Konstantinische Schenkung"), die angebliche Schenkung Kaiser Konstantins d. Gr., wonach er, vom Papst Silvester durch die Taufe vom Aussatz befreit, zum Dank hierfür demselben kaiserliche Gewalt und Ehren verliehen, ihn zum Richter über Glauben und Gottesdienst bestellt sowie dem Silvester und allen seinen Nachfolgern die Herrschaft über Rom und ganz Italien überlassen haben soll. Diese in der Mitte des 8. Jahrh. zur bequemern Geltendmachung der päpstlichen Ansprüche gegenüber den fränkischen Herrschern plump ersonnene Fälschung fand Aufnahme in die pseudoisidorische Dekretalensammlung und ward zuerst 777 von Hadrian I. für die Kurie ausgenutzt. Im Mittelalter wurde die D. nur von wenigen beanstandet, bis die Schrift des Laurentius Valla: "De falso credita et ementita Constantini donatione declamatio" ihre Haltlosigkeit bewies. Vgl. Döllinger, Die Papstfabeln des Mittelalters (Münch. 1863).

Donatisten, schismatische Partei des 4. Jahrh. in Nordafrika, welche sich durch ihre strenge Kirchenzucht und ihren schwärmerischen Märtyrereifer in schroffen Gegensatz zu der abendländischen Kirche stellte. Als zu Karthago Cäcilianus 311 zum Bischof erwählt wurde, verwarf eine exzentrische Gegenpartei diese Wahl, weil jener die bischöfliche Weihe von einem in der Verfolgung Abgefallenen erhalten habe. Dabei war besonders der Bischof Donatus von Casänigrä in Numidien thätig, welcher mit seinem Freunde, dem nachherigen Bischof Donatus von Karthago, der Partei den Namen gab (pars Donati, Donatistae, Donatiani). Kaiser Konstantin d. Gr. übertrug die Untersuchung der Streitsache dem römischen Bischof Melchiades, welcher die gegen Cäcilian erhobene Anklage für unbegründet erklärte. Ebenso entschied 314 das Konzil von Arelate. Als auch eine persönliche Besprechung Konstantins mit den streitenden Parteien zu Mailand die Schuldlosigkeit des Cäcilian erwies (316), ließ jener ihre Kirchen schließen und ihre Bischöfe verbannen. Noch strenger verfuhr Constans gegen die D. und rief dadurch gefährliche Erscheinungen hervor. Nordafrika zählte damals nämlich eine große Menge von Asketen, welche bettelnd das Land durchzogen (daher Circumcelliones genannt), vorgeblich, um Christi entsagungsvolles Leben nachzuahmen und die Christen zum Kampf gegen die widerchristlichen Mächte aufzufordern (daher sie sich selbst Agonistici oder Milites Christi nannten). Mit dieser im Grunde sozialistischen Bewegung machten nunmehr die D. gemeinschaftliche Sache. Hierdurch sah sich die Staatsgewalt zum Einschreiten mit Waffengewalt veranlaßt, und es entspann sich ein längerer Kampf. Den Hauptschlag gegen die D. führte endlich Augustin teils durch Schriften, teils durch eine große Disputation (411), in welcher der kaiserliche Kommissar die D. für überwunden erklärte, teils endlich durch Zwang und Gewaltmaßregeln, wozu der weltliche Arm geliehen wurde. Doch bestand die Partei noch bis zur Vernichtung der katholischen Kirche Nordafrikas durch Vandalen und Araber fort. In dem ganzen Prozeß begegnet uns der erste größere Kampf zwischen Katholizismus und Separatismus. Entschieden wurde dabei nicht bloß die Frage, ob die Kirche Todsünden in sich dulden dürfe, sondern namentlich auch die objektive, von der Würdigkeit des Priesters unabhängige Gültigkeit der sakramentalen Handlungen. Vgl. Ribbeck, Donatus und Augustinus (Elberf. 1858); Deutsch, Drei Aktenstücke zur Geschichte des Donatismus (Berl. 1875); Völter, Der Ursprung des Donatismus (Freiburg 1883).

Donativum (lat.), Geldgeschenk, welches die römischen Kaiser bei feierlichen Anlässen (Thronbesteigungen, Geburtstagen etc.) unter die Soldaten verteilen ließen; war gewöhnlich mit dem Congiarium, dem Geschenk von Lebensmitteln an die ärmere Volksklasse, verbunden. Donativgelder heißen auch die Geldleistungen der Rittergüter, die ihnen statt der sonst gestellten Ritterpferde auferlegt wurden.

Donator (lat.), der eine Schenkung Machende, Geber, Stifter; Donatrix, Geberin, Stifterin.

Donatus, 1) Älius, röm. Grammatiker und Rhetor, lebte um die Mitte des 4. Jahrh. n. Chr. zu Rom und war Lehrer des heil. Hieronymus. Von seinen Schriften besitzen wir eine von Spätern, wie Servius, Sergius, Pompejus, vielfach kommentierte "Ars grammatica" in drei Büchern nebst einer kürzern katechetischen Fassung der Lehre von den acht Redeteilen ("Ars minor"). Letztere bildete nach Beseitigung der mittelalterlichen Grammatik lange Zeit das Hauptlehrbuch beim Elementarunterricht, so daß Donat typisch s. v. w. lateinische Sprachlehre hieß. Beste Ausgabe der Grammatiken nebst den Kommentaren und Exzerpten von Keil ("Grammatici latini", Bd. 4 u. 5, Leipz. 1864 u. 1865). Außerdem ist von D. ein wertvoller Kommentar zum Terenz erhalten, freilich nicht vollständig (der "Heautontimorumenos" fehlt) und auch nicht in seiner ursprünglichen Gestalt (abgedruckt in vielen Ausgaben des Terenz).

2) Tiberius Claudius, röm. Grammatiker, um 400 n. Chr., schrieb eine "Vita Vergilii", meist nach Sueton, aber durch Zusätze entstellt (zuletzt hrsg. von Hagen in Fleckeisens "Jahrbüchern", Suppl. 4, und Wölfflin im "Philologus", Bd. 24), und einen sachlich wenig bietenden Kommentar zur "Äneide" (unter anderm abgedruckt in den Vergil-Ausgaben von Fabricius, Basel 1561).

Donau, nächst der Wolga der längste und mächtigste Strom Europas, zugleich der einzige unter den Hauptflüssen dieses Erdteils, dessen Lauf von W. gegen O. gerichtet ist, daher für Deutschland und Österreich die natürliche Straße in den Orient. Bei den Alten hieß er Danubius, im Unterlauf Ister, im Nibelungenlied Tuonowe ("Fluß Tuon", also der Stamm Don mit Hinzufügung von Aa, Aha, "Fluß"). Andre nehmen als ursprünglichen Namen Tanowe ("Waldfluß") an. Von den Ungarn wird er Duna, von den Slawen Dunai, von den Türken Duneh genannt. Das Gebiet der D. zerfällt in zwei große Hälften: ein Donauhochland (Süddeutschland und Österreich), dem der Strom mit seinem Oberlauf und dem ersten Teil seines Mittellaufs angehört, und ein Donautiefland (Ungarn und die rumänisch-bulgarischen Länder) mit dem untern Stromlauf und wird mehr als irgend ein andres großes Flußsystem von Europa von gewaltigen Gebirgsmauern umwallt, welche der Fluß in sehr charakteristischer Weise der Länge nach begleitet. Im S. erheben sich die Alpen, der Karst und Balkan, im N. der deutsche Jura, das Mittelgebirge Böhmens und Mährens und die Karpathen. Von besonderer Wichtigkeit sind daher auch die Öffnungen, welche durch diese Gebirgswälle fahren und seit jeher sowohl dem kommerziellen als auch dem weltgeschichtlichen Verkehr dienten.