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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dorier

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Dorier.

1535 leitete er mit Glück. Als 1541 der Kaiser gegen Dorias Rat eine Unternehmung gegen Algier wagte, wurde die kaiserliche Macht nur durch ihn vor gänzlichem Untergang gerettet. 1543 schnitt er Chaireddin Barbarossa von der mit diesem verbündeten französischen Flotte vor Nizza ab. In seinem Alter nahm er seinen Neffen Gianettino (s. den folg.) zum Stellvertreter auf der See an; die durch des letztern Anmaßungen hervorgerufene Verschwörung des Fiesco 1547 diente nur dazu, das Ansehen Andreas zu befestigen, welcher trotz der Ermordung seines Neffen seine Mäßigung bewahrte. 1554 vertrieb er die Franzosen aus Corsica. Er starb 25. Nov. 1560. Vgl. Guerrazzi, Vita di Andrea D. (Mail. 1864, 2 Bde.).

7) Gianettino, Neffe des vorigen, ward von diesem zu seinem Stellvertreter zur See und seinem Erben eingesetzt. Durch Übermut und Anmaßung erbitterte er aber die Bürger und den Adel Genuas so sehr, daß Giovanni Luigi Fiesco, Graf von Lavagna, eine Verschwörung gegen die D. stiftete, die 2. Jan. 1547 zum Ausbruch kam, und bei welcher Gianettino ermordet wurde.

8) Giovanni Andrea, Sohn des vorigen und nach seines Vaters Tod Adoptivsohn des Andrea, übernahm 1556 den Oberbefehl über die im spanischen Dienste stehende genuesische Flotte und überwand den furchtbaren Seeräuber Dragut, befehligte 1560 das spanische Belagerungsheer vor Tripolis, gewann 1564 ein Seetreffen bei Corsica, führte 1570 den Befehl über die spanische Flotte, die den Venezianern gegen die Türken zum Entsatz von Cypern zu Hilfe gesandt wurde, verursachte aber durch die absichtliche Verzögerung seiner Ankunft den Verlust der Insel. Auch an der Schlacht von Lepanto nahm er wenig ruhmvollen Anteil. Er starb 1606. Von seinem Sohn Andrea stammen zahlreiche Geschlechter ab, wie die D. Pamfili, Fürsten von Melfi, in Rom, die Fürsten von Angri in Neapel, die Lamba D. in Genua.

Dorier (Dorer), einer der Hauptstämme des griechischen Volkes. Sie leiteten ihren Namen von Deukalions Enkel Doros, Hellens Sohn, ab und wohnten in den frühsten Zeiten in Thessalien. Sie teilten sich in drei Stämme, die Pamphyler in der Landschaft Hestiäotis am Olympos, Dymanen und Hylleer. Herakles erhoben sie zu ihrem Stammheros, und der Dienst des Apollon ward bei ihnen besonders gepflegt. Infolge des Einbruchs der Thessaler verließen die D. ihre Wohnsitze im Norden und zogen gen Süden. Als Spur ihrer Wanderung blieb die Landschaft Doris am Öta mit der Hauptstadt Erineos stets von Doriern bewohnt. Ums Jahr 1104 setzten sie ihren Zug in den Peloponnes fort. Die Sage läßt sie, nachdem ein Versuch, über den Isthmus einzudringen, mißlungen war, im Verein mit Äoliern über den Korinthischen Meerbusen setzen und zwar unter der Anführung der Nachkommen des Herakles; dies ist die sogen. dorische Wanderung oder die Rückkehr der Herakliden. Im Peloponnes wurden die alten Einwohner, Pelasger, Achäer und Ionier, von den Doriern teils verdrängt, teils unterworfen; eigentlich dorisch wurden der Süden und Osten der Halbinsel, besonders die Landschaften Lakonien, Messenien, Argolis, Korinth und Megaris. Die Sage erzählt von einer Verteilung des eroberten Landes unter die drei Heraklidenbrüder Aristodemos, Kresphontes und Temenos. Nur ein Teil von Elis, Arkadien und Achaia verblieb den frühern Einwohnern; Achaia ward von den Doriern den Achäern überlassen. Die unterworfenen Einwohner bildeten in allen Staaten die Klassen der Periöken und Staatssklaven (letztere in Sparta Heloten genannt), denen gegenüber die eigentlichen D. einen kriegerischen Charakter zu bewahren genötigt waren; doch mußten die D. eine Anzahl achäischer Geschlechter in ihre Stammesgemeinschaft aufnehmen.

Indes breiteten sich die D. auch durch Kolonien außerhalb des Peloponnes aus. So begründeten sie eine neue Bevölkerung und Kultur auf der Insel Kreta, welche allmählich völlig von ihnen unterworfen wurde. Auch auf der Westküste von Kleinasien stifteten sie meist von Argos aus, etwa ein Jahrtausend v. Chr., sehr zahlreiche Kolonien, namentlich Kos, Knidos und Halikarnassos. Ebenso wurde die Insel Rhodos dorisch. Die D. hatten einen gemeinschaftlichen Kult der Demeter und des Apollon auf dem Triopischen Vorgebirge. Außerdem hatten die meisten der im Süden des Ägeischen Meers gelegenen kleinern Inseln sowie eine Reihe von Städten auf der Südküste von Kleinasien mehr oder weniger dorische Bevölkerung. Nicht minder zahlreich waren die dorischen Kolonien an der Propontis und dem Schwarzen Meer, von denen die größere Zahl von Megara ausging; dahin gehören namentlich Chalcedon und Byzanz. Von Korinth aus wurden Mesambria, Selymbria und Potidäa gegründet. Eine gemeinschaftliche Anlage von Megara und Byzanz war Heraklea am Pontus. Korinth gründete eine große Anzahl dorischer Städte am Ionischen und Adriatischen Meer, wie Ambrakia, Leukas, Kerkyra, Epidamnos, Apollonia, Issa; Sparta gründete in Italien Taras oder Tarentum, Heraklea, Kroton, auch Lokri wenigstens durch spartanische Führer; Rhodos gründete Parthenope im Lande der Osker, Rhode in Spanien. Zahlreich waren die dorischen Kolonien in Sizilien; dahin gehören Syrakus, Messana (welches von den flüchtenden Messeniern erfüllt und aus Zankle in Messana umgetauft wurde), Akragas oder Agrigent, Catana, Panormus (jetzt Palermo) u. a. Auch in Kyrene erlangte das dorische Element das Übergewicht. In allen diesen Kolonien bewahrten die Bewohner dorische Institute, Verfassung, Sprache und Religion. Nicht selten sandte ihnen auch die Mutterstadt die höchsten Beamten, wie von Korinth aus die Demiurgen nach Potidäa geschickt wurden.

Unter den dorischen Staaten tritt vor allen Sparta hervor, und der Charakter des spartanischen Volkes gibt uns ein Bild des dorischen Charakters überhaupt. Eigentümlich ist diesem eine gewisse Rauheit und Schroffheit, welche alles einem und demselben für alle geltenden Gesetz und Herkommen unterthan macht und der Individualität und Besonderheit des Einzelnen keinen Spielraum läßt, im Gegensatz zu der Richtung des ionischen Stammes. Eine solche von obenher aufgenötigte Gleichheit konnte nur durch die Unterdrückung der wahren geistigen Freiheit durchgeführt werden, und wie daher die D. in ihren innern Verhältnissen strenge Unterordnung unter das Gesetz verlangten, so war auch im Ausland überall die dorische Herrschaft das Grab der Freiheit und Selbständigkeit. Der Mensch wurde von frühster Jugend dazu angehalten, den eignen Willen zu verleugnen und sich nur als Glied des Ganzen zu erkennen. Ging nun daraus freilich auch manches Gute und Tüchtige hervor, wie Ausdauer und Tapferkeit in allen Gefahren und Beschwerden, Opfermut zur Hingebung für das Ganze, Sittenstrenge und Mäßigkeit des Lebenswandels u. dgl., so wurde doch auf eine freie und höhere Entfaltung der geistigen Kräfte zu wenig Wert gelegt, die Bildung war eine