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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Drapieren; Dráscovics; Dräseke; Drastisch; Dratsch; Dratzigsee; Drau

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Drapieren - Drau.

suchte die Normalschule in Paris 1859-62, war dann Lehrer der Geschichte in Besançon, am Lycée Napoléon und am Lycée Charlemagne in Paris und nahm 1870-71 an dem öffentlichen Leben während der Belagerung von Paris und des Kommuneaufstandes lebhaften Anteil, indem er mehrere wichtige Broschüren schrieb und den "Électeur libre" redigierte. Von seinen Schriften sind bemerkenswert: "L'empereur Héraclius et l'empire byzantin" (1869); "Les origines de la France et de l'Allemagne" (1868-69); "L'aristocratie romaine et le Concile" (1870); "Organisation de l'Austrasie et la création de l'Allemagne" (1869); "Séparation de la France et de l'Allemagne au IX. et X. siècles"; "Caractère de la lutte de l'Aquitaine et de l'Austrasie sous les Mérovingiens et les Carolingiens" (1878).

Drapieren (franz.), s. Draperie.

Dráscovics (Draskovich, spr. -witsch), 1) Georg, Sprößling eines berühmten gräflichen Geschlechts in Kroatien, geb. 5. Febr. 1515 zu Bilina, studierte in Krakau, Wien, Bologna und Rom und erhielt 1539 die priesterliche Weihe, ward dann Domherr zu Großwardein und Abt zu Lelesz, infulierter Propst der Kollegiatkirche zu Preßburg, Ferdinands I. Rat und Beichtvater und 1557 Bischof von Fünfkirchen. Als solcher übersetzte er 1561 des Vincentius von Lirinum Buch wider die Ketzer ("Commonitorium fidei"), nahm für Ungarn an der Kirchenversammlung zu Trient teil und zeigte sich hier als einen der einsichtsvollsten Abgeordneten. Der Kaiser ernannte ihn dafür zum Bischof von Agram, Maximilian II. zum Wirklichen Geheimen Rat und zum Banus von Kroatien, Dalmatien und Slawonien und 1573 auch zum Erzbischof von Kalocsa. In dieser Stellung dämpfte er einen Bauernaufstand und hielt die Türken von einem Einbruch in sein Gebiet zurück, wofür ihm Rudolf II. 1578 die Würde eines ungarischen Hofkanzlers und das Raaber Bistum erteilte. Von Papst Gregor XIII. 1586 zum Kardinal und von Rudolf zum Statthalter des Reichs erhoben, starb er 31. Jan. 1587.

2) Johann, Ban von Kroatien, Kaiser Rudolfs II. Kämmerer, Geheimer und Hofkriegsrat, General der Reiterei, Obergespan des Kreutzer Komitats, stritt mit Auszeichnung gegen die Türken, entsetzte 1597 die von den Türken belagerte Festung Petrinia und hatte besonders an dem meisterhaften Rückzug von Kanizsa (10. Okt. 1600) den wichtigsten Anteil. In dem Aufstand Bocskays bewahrte er Kroatien in der Treue gegen den Kaiser, schlug die ungarischen Rebellen und half so den Frieden von 1606 herbeiführen, worauf er die Banuswürde niederlegte, die Stelle eines Hofkriegsrats, kommandierenden Generals im Königreich Ungarn jenseit der Donau und Tavernicorum regalium magistri aber beibehielt. Er starb 1613 in Preßburg.

3) Joseph Kasimir, von Trakostian, geb. 4. März 1714, seit 1734 im Kriegsdienst, im österreichischen Erbfolgekrieg als Oberstleutnant und Oberst, im Siebenjährigen Krieg als Generalmajor. In der Schlacht bei Lobositz (1. Okt. 1756) befehligte er die Reserve, beunruhigte nach der Schlacht bei Kolin den Rückzug der Preußen bei Moys, nahm an der Einnahme von Schweidnitz teil, half Olmütz verteidigen, wofür er zum Feldmarschallleutnant ernannt wurde, eroberte 26. Juli 1760 die Festung Glatz, ward aber bei Heidersdorf 21. Juni 1762 zurückgeschlagen und gefangen. Wieder frei, ward er 1763 zum Generalfeldzeugmeister, später zum Generalkommandanten in Siebenbürgen befördert. Er starb 9. Nov. 1765.

Dräseke, 1) Johann Heinrich Bernhard, berühmter Kanzelredner und evangelischer Bischof, geb. 18. Jan. 1774 zu Braunschweig, bezog 1792 die Universität in Helmstedt, ward 1795 Prediger zu Mölln im Lauenburgischen, 1804 zu Ratzeburg, 1814 Pastor in Bremen und 1832 erster Domprediger, Direktor des Konsistoriums und evangelischer Bischof in Magdeburg. Infolge einer Differenz mit dem Magdeburger Magistrat in der Sache des Pastors Sintenis, welchen D. wegen rationalistischer Lehre für kanzelunfähig erklärte, kam er wiederholt um seine Entlassung ein, welche ihm der König endlich 1842 gewährte. Er ließ sich nun in Potsdam nieder, wo er 8. Dez. 1849 starb. Daß er selbst nicht untadelhaft orthodox war, bewies 1845 seine Beteiligung am Protest der Jünger Schleiermachers gegen die "Evangelische Kirchenzeitung". Als Kanzelredner stand ihm ein imponierendes Pathos bei vollkommener Beherrschung der Sprache und hoher Meisterschaft in der Form in seltenem Grad zu Gebote. Von seinen zahlreichen Predigtsammlungen hatten die "Predigten über Deutschlands Wiedergeburt" (2. Aufl., Lüneb. 1818, 2 Bde.) einen Protest des Bundestags beim Bremer Senat zur Folge. Die wichtigsten übrigen Sammlungen sind: "Predigten für denkende Verehrer Jesu" (5. Aufl., Lüneb. 1836, 2 Bde.); "Predigten über die letzten Schicksale unsers Herrn" (3. Aufl., das. 1826); "Predigten über freigewählte Abschnitte der Heiligen Schrift" (das. 1817-18, 4 Bde.); "Gemälde aus der Heiligen Schrift" (das. 1821-28, 4 Sammlungen), "Vom Reiche Gottes" (Brem. 1830, 3 Bde.); "Nachgelassene Predigten" (Magdeb. 1850-51, 2 Bde.).

2) Felix, Komponist und Musikschriftsteller, geb. 7. Okt. 1835 zu Koburg, studierte am Konservatorium in Leipzig, lebte darauf einige Zeit in Dresden, sodann in Lausanne und ging 1868 nach München, wo er als Lehrer an der königlichen Musikschule und musikalischer Schriftsteller thätig war. 1869 begab er sich abermals nach der Schweiz, siedelte jedoch 1876 wieder nach Dresden über und wirkt daselbst gegenwärtig als erster Kompositionslehrer am Konservatorium. Außer zahlreichen Artikeln für die "Neue Zeitschrift für Musik" schrieb er: "Anleitung zum kunstgerechten Modulieren" (Freienw. 1876); "Die Beseitigung des Tritonus" (das. 1878) und eine Harmonielehre in Versen. Von seinen größern Kompositionen sind zu erwähnen: zwei Symphonien (in G dur und in F dur), ein "Adventlied" für gemischten Chor, die Opern: "Gudrun" und "Herrat" (erstere 1884 mit großem Beifall in Hannover aufgeführt) und ein "Requiem".

Drastisch (griech.), stark und heftig wirkend. Daher Drastica (sc. medicamenta), heftig wirkende, scharfe Abführmittel (s. d.), z. B. Aloe, Koloquinten, Elaterium, Skammonium, Gummigutti, Krotonöl etc. Drastische Prinzipien, s. v. w. wirkende Ursachen.

Dratsch, Stadt, s. Durazzo.

Dratzigsee, See im preuß. Regierungsbezirk Köslin, von der Drage gebildet, 12 km lang, bis gegen 8 km breit und 21 qkm groß. An seinem Südende liegt die Stadt Tempelburg.

Drau (Drave, Drava, im Altertum Dravus), Nebenfluß der Donau, entspringt am Rohrwaldberg, südlich vom Pusterthal, in Tirol in 1670 m Höhe und durchfließt in östlicher Richtung ein bedeutendes Längenthal der Ostalpen. Bei Innichen (1104 m ü. M.) bildet sie zuerst ein Thalbecken, fließt dann reißend durch eine lange Thalenge und bildet bei Lienz, bis wohin sie auf 1 km Länge 1,2 m Fall hat, ein zweites, das sich bei Oberdrauburg wieder schließt. Durch