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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dransfeld; Drap; Drap.; Drâpa; Drapeau; Draper; Draperie; Drapeyron

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Dransfeld - Drapeyron.

tigen Schuttkegel vorschiebt. Sein Thal ist tief eingeschnitten und malerisch; seine Länge beträgt 44 km. - 2) (D. du Valais) Nebenfluß des Rhône, wird im schweizer. Kanton Wallis durch zwei Alpenbäche gebildet, von denen der eine vom Großen St. Bernhard (2472 m) herab das Val d' Entremont, der andre das schöne, tief eingefurchte Val de Bagnes durchströmt. In die Oberstufe des Bagnethals (bis 2230 m) senken sich von beiden Seiten die Eisströme, linkerseits die Firne des Combin, rechterseits der Glacier d'Otemma, der Glacier de Breney und der bösartige Glacier de Gétroz. An der Vereinigung beider Flüsse (710 m) liegt Sembrancher, an der Mündung (460 m) Martigny. Als ein Seitenthal des Val d'Entremont öffnet sich oberhalb Orsières (ca 900 m) das Val de Ferret, ebenfalls von einer gletschergenährten D. durchflossen.

Dransfeld, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Hildesheim, Kreis Münden, 302 m ü. M., an der Eisenbahnlinie Hannover-Kassel, hat 2 evang. Pfarrkirchen, eine Provinzial-Invalidenkompanie, Basaltbrüche am Dransberg und Hohenhagen und (1880) 1433 Einw.

Drap (franz., spr. dra), Tuch; D. camayeux, D. d'Abbeville, leichtes Wolltuch; D. croisé, Köpertuch; D. d'or und D. d'argent, Gold- und Silberbrokat (s. Brokat); D. des dames, Damentuch; D. de soie, Seidenstoff; D.-cuir, "Ledertuch", Tuchleder (s. d.).

Drap., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Jacq. Phil. Draparnaud, geb. 1772 zu Montpellier, gest. 1805 als Professor der Naturgeschichte daselbst; Mollusken Frankreichs (1805).

Drâpa (Mehrzahl Drâpur; vielleicht v. drepa, "in die Saiten schlagen", abzuleiten), in der altnordischen Litteratur Name für feierliche, mit allem Schmuck der Diktion und des Metrums ausgestattete Lobgedichte, meist auf Götter, Könige, Jarle, Helden, doch später auch auf Christus, Maria, Heilige, Bischöfe u. dgl. Sie sind gewöhnlich im Drottkvädi (s. Isländische Verskunst) abgefaßt, also Produkte der künstlichen Skaldenpoesie. Ihre Entstehung fällt wohl ins 9. Jahrh., wenn auch Bragi der Alte (angeblich ca. 770-850), dem man die älteste bekannte D. (auf den dänischen König Ragnar Lodbrok) zuschreibt, wohl ins Gebiet der Mythe gehört. Die Blütezeit der Drâpas war etwa 970-1100, die letzten gehören dem 14. Jahrh. an. Berühmt sind die "Haustlöng" (die "Herbst-lange") von Thiodolf um 900, die "Höfudlausn" ("Auflösung des Lebens") von Egil Skallagrimsson auf den norwegischen König Eirik Blodöx 936. Eine der letzten ist die "Lilja", ein Lob der Jungfrau Maria, von Eystein Asgrimsson (gest. 1361). In der "Germania" (Bd. 18) zählt Th. Möbius alles auf, was an Drâpas und Drâpafragmenten erhalten ist. Sie sind meist in den Sagas oder in der jüngern Edda zerstreut. Die D. besteht in der Regel aus drei Teilen. Ein Eingang (upphaf) und Schluß (sloemr) von meist gleich viel Strophen rahmen den Hauptteil (stefjabalkr) ein, den ein in bestimmter Folge wiederkehrender Refrain (stef) in eine Anzahl meist gleicher Teile (stefjamel) zerlegt. Die Drâpas sind sehr verschieden an Umfang; man unterscheidet 20-, 30-, 40- und mehrstrophige; die "Lilja" hat 100 Strophen. Seltener sind die Strophen auf die drei Abteilungen gleichmäßig verteilt, in der Regel hat der Stefjabalkr die größere Zahl.

Drapeau (franz., spr. drapoh), Fahne, Panier; D. blanc, in Frankreich das weiße Panier mit den Lilien, Parteizeichen der Bourbonen, besonders seit der Restauration von 1814 und 1815; D. rouge, die Fahne der roten Republik (s. Fahne).

Draper (spr. drehper), 1) John William, Physiolog, Chemiker und Geschichtschreiber, geb. 5. Mai 1811 zu St. Helens bei Liverpool, studierte in London Mathematik und Chemie, dann seit 1833 auf der Pennsylvanian University, wo er 1836 promovierte. Kurz darauf erhielt er die Professur der Chemie, Naturphilosophie und Physiologie am Hampden Sidney College in Virginia; drei Jahre später wurde er zum Professor der Physiologie an der Universität zu New York ernannt, wo er mit andern Professoren das University Medical College gründete, das sich ein bedeutendes Ansehen errungen hat. 1868 legte er seine Professur nieder und starb 4. Jan. 1882 in Hastings bei New York. D. gelang es zuerst, Lichtbilder des menschlichen Gesichts zu nehmen; er instruierte auch ein Instrument zur Messung der chemischen Wirkung des Lichts und stellte eine Theorie der Ursache der Blutzirkulation auf. Er schrieb: "On the process of Daguerreotype and its application to taking portraits from the life" (1840); "Memoirs on the chemical action of light" (1843); "Treatise on the forces, which produce the organization of plants" (1844); "Textbook of chemistry" (1846); "Textbook on natural philosophy" (1847, 3. Aufl. 1853); "Treatise on human physiology" (1856, 2. Aufl. 1860); "History of the intellectual development of Europe" (1863, 2 Bde.; deutsch von Bartels, 2. Aufl., Leipz. 1871), ein geistreiches Werk in der Weise des Engländers Buckle; "Thoughts on the future civil policy of America" (1865; deutsch, das. 1866); "History of the American civil war" (1869-71, 3 Bde.; deutsch von Bartels, das. 1877, 3 Bde.), zu welcher ihm der Kriegssekretär Stanton sämtliche offizielle Dokumente zur Benutzung überließ, und "History of the conflict between religion and science" (1875, 16. Aufl. 1882; deutsch als 13. Bd. der "Internationalen Bibliothek", das. 1875); "Scientific memoirs: experimental contributions to a knowledge of radiant energy" (1878).

2) Henry, Naturforscher, Sohn des vorigen, geb. 7. März 1837 in Virginia, studierte Medizin, erregte schon durch seine Inauguralabhandlung über die Funktionen der Milz die Aufmerksamkeit der amerikanischen wie englischen Fachzeitschriften und wurde 1861 Professor der Physiologie und analytischen Chemie an der Universität zu New York. Er begann 1858 mit der Herstellung eines für astronomische Photographie bestimmten versilberten Glasteleskops von 40 cm Durchmesser, wovon er eine vollständige Beschreibung in den "Smithsonian contributions to science" von 1864 mitteilte. Dasselbe galt für das größte Teleskop in Nordamerika, und D. erzielte mit demselben die größten bis jetzt angefertigten Photographien des Mondes (1,30 m im Durchmesser). Ein noch größeres Teleskop, das er 1870 konstruierte, ist zu Hastings am Hudson aufgestellt. Seit 1861 bekleidete D. die Professur der Naturwissenschaft an der Universität zu New York, wo er im November 1882 starb.

Draperie (franz., spr. drapp'rih, v. drap, "Tuch"), Tuchmanufaktur, Tuchhandel; Bekleidung; in den bildenden Künsten (Drapierung) die auf geschmackvollem, mannigfaltigem oder für einen bestimmten Zweck berechnetem Faltenwurf beruhende Darstellung von Gewändern (s. Gewandung), auch jedes künstlerische Behängen mit Stoffen, z. B. auf dem Theater. Daher drapieren, mit Gewändern (malerisch) bekleiden. Drapier, Tuchmacher, Tuchhändler.

Drapeyron (spr. -päróng), Ludovic, franz. Geschichtsforscher, geb. 26. Febr. 1839 zu Limoges, be-^[folgende Seite]