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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Drehling - Drei.

Beschreibung für wert, und Prätorius (1618) spricht mit Verachtung von ihr ("Bawren- oder umlaufende Weiber Leyer"). Dagegen gelangte dieselbe im 18. Jahrh. gleichzeitig mit der Musette (Sackpfeife) noch einmal zu außerordentlicher Beliebtheit, besonders in Frankreich. Virtuosen auf der D. traten in Konzerten auf (Laroze, Janot, Baton u. a.), es erschienen Schulen für die D., Instrumentenmacher verbesserten das Instrument, Komponisten schrieben für dasselbe Sonaten, Duette etc. (Baptiste), und Schriftsteller sangen sein Lob (Terrasson). Heute ist es wieder zum Bettlerinstrument herabgesunken.

Drehling, Pilz, s. Agaricus V.; im Maschinenwesen s. v. w. Kurbel, Stockgetriebe.

Drehmoos, s. Funaria.

Drehorgel (Leierkasten), tragbare kleine Orgel mit gedeckten Pfeifen oder auch Zungen, durch eine zwei Schöpfbälge abwechselnd aufziehende Kurbel nicht nur mit Wind versorgt, sondern auch gespielt, indem eine dadurch in Umdrehung versetzte, mit Stiften versehene Walze die Ventile zu den Pfeifen öffnet. Nicht selten ist die D. auch mit einem Tremulanten versehen, welcher den Ton intermittierend macht (Wimmerorgel). Die D. ist jetzt das verbreitetste Instrument der musizierenden Bettler und hat die ältere Drehleier (s. d.) fast ganz verdrängt. Vgl. Serinette.

Drehreep, das Tau zur Bewegung der Raaen, s. Takelage. ^[richtig: Takelung.]

Drehscheibe, Vorrichtung zum Versetzen eines Eisenbahnfahrzeugs von einem Geleise auf ein andres (s. Eisenbahnen); auch s. v. w. Töpferscheibe, s. Thonwaren.

Drehstuhl, mechanische Vorrichtung, deren sich namentlich die Uhrmacher und Mechaniker zum Drehen und Bohren an Stelle einer wirklichen Drehbank bedienen. In seinen Hauptteilen hat der D. große Ähnlichkeit mit der Prismadrehbank (vgl. Drehbank), nur ist er bedeutend kürzer und ohne jedes eigentliche Gestell; er wird zu seinem Gebrauch gewöhnlich in einen Schraubstock gespannt, mitunter auf dem Arbeitstisch befestigt. Die Spindelachse erhält ihre Drehung nicht, wie bei der Drehbank, durch ein Schwung- oder ein Tretrad, sondern durch einen Handbogen, an dem sich eine Schnur oder ein dünner Riemen befindet, welcher um eine auf der Spindelachse befestigte Rolle geschlungen ist. Der Handbogen wird hin- und hergeführt, dabei wird die Spindel abwechselnd bald rechts, bald links gedreht. Man unterscheidet zwei Hauptgattungen von Drehstühlen: den Stiftendrehstuhl, bei welchem das Arbeitsstück zwischen Spitzen eingespannt ist, und den Dockendrehstuhl, bei welchem das Arbeitsstück in einem Futter auf der Spindel befestigt ist.

Drehturm, die drehbare, gepanzerte, turmartige Umhüllung der schweren Geschütze auf Panzerschiffen.

Drehungsmesser, s. Gyrometer.

Drehungsmoment, s. Hebel.

Drehwage (Torsionswage), physikalisches Instrument zur Messung sehr kleiner Kräfte; auf das Gesetz gegründet, daß bei elastischen Drähten der Widerstand, den sie leisten, wenn sie, an einem Ende befestigt, am andern gedreht werden, dem Winkel proportional ist, um welchen der Draht gedreht wird. Die D. besteht aus einem feinen Metalldraht, der in einem gläsernen Cylinder hängt und ein horizontales Stäbchen trägt, in dessen Höhe an der Wand des Cylinders eine Kreiseinteilung angebracht ist, die zur Messung der Ablenkung des Stäbchens dient. Der Draht ist oben in einem beweglichen Zapfen befestigt, so daß er sich in jede beliebige Lage bringen läßt. Am Zapfen ist ein Index befindlich, der an einer Kreiseinteilung angibt, welche Torsionskraft anzuwenden ist, wenn das Stäbchen in einer gewissen Lage erhalten werden soll. Bringt man das Stäbchen nun auf den Nullpunkt der Teilung und läßt eine abstoßende Kraft darauf wirken, so wird eine der Kraft proportionale Ablenkung des Stäbchens erfolgen. Durch Drehung des Zapfens kann man dann dasselbe wieder seinem Nullpunkt nähern und aus der angewandten Torsionskraft berechnen, in welchem Maß die abstoßende Kraft wirksam gewesen ist. Die D. wird nach dem Vorgang Coulombs vorzüglich zu Messungen der abstoßenden Kraft des Magnetismus und der Elektrizität gebraucht. Der englische Physiker Michell (gest. 1793) konstruierte eine D., mittels deren er die mittlere Dichtigkeit der Erde bestimmen wollte, was später durch Cavendish, Reich und Baily ausgeführt wurde (s. Gravitation).

Drehwüchsigkeit, eine mehr oder minder starke spiralige Drehung von Pflanzenteilen um ihre Achse, ist sehr oft eine wirkliche Mißbildung, die verschiedenartige Ursachen haben kann; nicht selten treten Drehungen in Begleitung andrer monströser Entwickelungen auf. Bisweilen sind die Drehungen mit starker Austreibung und Verkürzung des Stengels verbunden (Zwangsdrehung). In andern Fällen sind die Drehungen direkte Folgen der Eingriffe von Parasiten; so verursachen Insekten, besonders Blattläuse, an manchen Pflanzenteilen spiralige Zusammendrehungen, welche diesen Tieren nach außen Schutz und Obdach gewähren. Ein Schmarotzerpilz verursacht den Drehrost der Kiefer (vgl. Rostpilze). Keine Mißbildung ist der gedrehte Wuchs von Baumstämmen, der an dem spiraligen Lauf der Spalten und Faserungen der Borke und des Holzes sich bemerklich macht, wie bei der Roßkastanie. Der Grund dieser D. liegt wohl in dem Umstand, daß die im spätern Alter sich neu bildenden Holz- und Bastfasern länger sind als die auf gleicher Stammhöhe befindlichen ältern, die in jüngern Lebensjahren des Baums gebildet wurden, und daß, weil an diesen Stellen der Stamm sich nicht mehr in die Länge streckt, die längern Fasern des Gewebes eine schiefe Lage annehmen müssen.

Drehwurm (Hirnquese, Coenurus cerebralis R.), die Jugendform des beim Hund und Fuchs vorkommenden Bandwurms Taenia Coenurus Sieb., findet sich bei ein- bis zweijährigen Schafen im Gehirn und erzeugt die Drehkrankheit (s. d.), entwickelt sich aber erst im Darm des Hundes zu dem wirklichen Bandwurm (s. d.). Selten findet sich der D. auch in der Lendengegend des Rückenmarks und ruft alsdann die sogen. Kreuzdrehe hervor; auch bei jungen Rindern ist er mitunter im Gehirn anzutreffen. Vgl. Zürn, Die Schmarotzer in und auf dem Körper unsrer Haussäugetiere (2. Aufl., Weim. 1881).

Drei, die erste ungerade Zahl nach der Einheit, galt von jeher für eine vorzugsweise heilige Zahl, der man in der körperlichen wie in der geistigen Welt eine hohe Bedeutung und einen geheimen Zauber beilegte. Daß schon den Hebräern die dreimalige Wiederholung einer Handlung bedeutungsvoll war, bezeugen biblische Stellen (wie 4. Mos. 6, 24. 26; 1. Sam. 20, 41; 1. Kön. 17, 21 u. a.). Noah hatte drei Söhne, von denen die Dreiteilung der Völker ausging. Der Grieche teilte dem Hellen, der Germane dem Thuiskon drei Söhne zu. Die auf die indifferente Eins folgende Zwei erzeugt Gegensätze, welche insbesondere den dualistischen Lehren zu Grunde liegen, aber durch die D. wieder zu einer höhern Einheit verbunden werden. Daher war schon den Pythagoreern die Dreizahl (Trias)