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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dschábir; Dschaffna; Dschagannath; Dschagga

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Dschábir - Dschagga.

zeit mit Temperaturen von 17° und weniger. Für Verkehrswege ist ungewöhnlich viel gethan; die Bombay-Allahabadbahn durchschneidet den Bezirk. Die Rechte am Grund und Boden sind nicht ungünstig geregelt: ein Fünftel des Bodens wird von Eigentümern, zwei Fünftel von Pachtern gegen Erbzins, der Rest von Zeitpachtern bebaut. Die Bewohner sind fast ausschließlich Ackerbauer und bestehen aus vorarischen, jetzt aber hinduisierten Urbewohnern Indiens. D. hatte nur vorübergehend im 11. und 12. Jahrh. n. Chr. eigne Fürsten, sonst bildete es einen Teil indischer oder muselmanischer Staaten; 1781 kam es an Sagar, 1798 an die Bhonsla-Herrscher von Nagpur und mit diesem Distrikt 19. Dez. 1817 an die Ostindische Kompanie. - Die Stadt D., 425 m ü. M., ist in ihrer gegenwärtigen Bauart neu, hat breite, gerade Straßen und zeichnet sich durch schöne Anlagen und eine reiche Bewässerung der Umgebung aus. Die Stadt der Eingebogen ist vom englischen Kantonnement, dem Sitz der Behörden und der Garnison, durch ein kleines Flüßchen getrennt. Die Stadt hatte 1881: 75,705 Einw., welche einen sehr bedeutenden Handel in Zucker, Lack, Droguen und selbstgewebten Stoffen treiben.

Dschábir (D. ibn Hajján, lat. Geber, Giaber), eine der rätselhaftesten Erscheinungen in der Geschichte der arabischen Wissenschaft. Weder über seine Zeit noch über seine persönlichen Verhältnisse ist etwas Sicheres bekannt, so daß sogar einige von den Arabern an seiner Existenz gezweifelt haben. Es scheint aber, daß er im Ausgang des 9. bis Anfang des 10. Jahrh. gelebt, sich unter anderm längere Zeit in Kufa aufgehalten habe und in das gerade in diesen Gegenden althergebrachte Sektenwesen verwickelt gewesen sei. Seinen Namen trägt ein Korpus von Schriften, die zwischen Chemie und Alchimie hin- und herschwanken und die Grundlage der chemischen Wissenschaft wie der Goldmacherkunst des ganzen Mittelalters bilden. Ein Verzeichnis der lateinisch oder deutsch gedruckten darunter s. bei Wüstenfeld, Geschichte der arabischen Ärzte, Nr. 25 (Götting. 1840).

Dschaffna (Jaffna), langgestreckte Insel am Nordende von Ceylon, 3194 qkm (58 QM.) groß, hat einen im allgemeinen sandigen und kalkigen Boden, der aber gedüngt außerordentlich fruchtbar ist und Reis, Baumwolle, besonders Tabak, Obst und Gemüse in Fülle erzeugt, und zählt (1871) 245,983 Einw., meist Tamulen. Die Hauptstadt ist Dschaffnapatnam mit einem Hafen und 5000. Einw., eine wichtige Station der amerikanischen Missionäre.

Dschagannath (Dschagarnat, nach engl. Schreibart Juggurnaut), bei den Hindu von der Wischnusekte Name der Seehafenstadt Puri in der britisch-ostindischen Präsidentschaft Bengalen, Provinz Orissa, nach D., der populärsten indischen Gottheit, deren Thaten sich in der Nähe derselben vollzogen. Der Ort hat ein sehr gesundes Klima, zählt (1881) 22,095 Einw. und gehört zu den heiligsten Plätzen der Hindu. Das weitberühmte Heiligtum desselben bildet ein von einer 6 m hohen Steinmauer eingefaßtes Viereck, dessen Seiten 198, resp. 191 m lang sind. Innerhalb derselben erheben sich an 120 den verschiedensten Hindugottheiten geweihte Tempel; die größte Pagode und der Haupttempel ist dem Gotte D. geweiht, einer Form Wischnus als Krischna ohne Hände und Füße, welchen Mangel die Legende höchst befriedigend zu erklären weiß. Vor dem Haupteingang steht eine 16kantige, am Sockel reichverzierte Basaltsäule mit der Figur des Affengottes Hanuman; der Eingang selbst ist zu beiden Seiten mit kolossalen Greifen und andern Gestalten geschmückt und heißt das "Löwenthor" (Singh-Dwar). Auf einer Treppe von 15 Stufen steigt man zum Tempel Dschagannaths empor. Er besteht, wie alle solche Bauwerke in Orissa, aus den vier quadratischen Hallen (für Gaben, für die Tänzerinnen, für den Empfang der Pilger und für das Heiligtum) und ist von einer zweiten quadratischen Mauer von 127 m Seitenlänge umgeben. Zwei der Hallen tragen ein spitz zulaufendes, vierseitiges Dach; eine andre, mit 16 Säulen, hat ein flaches Dach; die Haupthalle dagegen ist mit einem bis zur Höhe von 60 m sich erhebenden kuppelförmigen Dach, fast in Gestalt einer Bischofsmütze, gedeckt. Dieselbe hat 7,5 m im Geviert und enthält das Gnadenbild Dschagannaths mit seinem Bruder Balarama (Siwa) und seiner Schwester Sabhadra als Begleitern: drei etwa 2 m hohe, roh aus Holz geschnitzte Götzenbilder mit fratzenhaft verzerrten Gesichtern, das erste von dunkelblauer, das zweite von weißer, das dritte von gelber Farbe. Neben den täglichen (unblutigen) Opfern werden hier 24 hohe Festtage gefeiert; das große Ereignis des Jahrs ist aber das sogen. Wagenfest im Juni oder Juli, wo das Bild des Gottes auf einem 14 m hohen Wagen mit 16 Rädern von je 2 m Durchmesser im tiefen Sand von Tausenden von Menschen nach einem etwa 1 km entfernten Landhaus fortgezogen wird, eine Kraftanstrengung, die mehrere Tage erfordert. Zwei andre Wagen tragen die Bilder seiner Geschwister. Die Wagen werden dann wieder zurückgeschoben, und jedesmal begleitet ein wüstes Durcheinander von Musik, wildes Rufen der auf den Wagen stehenden Priester und das Geschrei der Menge die Handlung. Reis, in der Küche beim Heiligtum gekocht, wird verteilt und als Reinigungsmittel gegen die Sünden gierig genommen. In dieser Gemeinsamkeit der Nahrung hat die Volkstümlichkeit des Gottes und der mit seiner Verehrung verbundenen lokalen Feste ihren Grund. Während sonst Speise durch die bloße Berührung eines Mannes von einer andern Kaste ungenießbar wird, kommt hier die Gleichheit des Menschen vor Gott zum Ausdruck, indem D. seinen Segen jedem gewehrt, der zu ihm kommt. Nach den Erhebungen eines angesehenen Hindu beträgt die tägliche Zahl der Besucher durchschnittlich 50,000 und steigt an Hauptfesttagen auf 300,000; beim Wagenfest wird in der Tempelküche für 90,000 Andächtige die Reismahlzeit gekocht. Die jährlichen Einkünfte des Tempels sind zu 620,000 Mk. Rente aus den zum Tempel gehörenden Klöstern und Ländereien und 740,000 Mk. an jährlichen Geschenken der Pilger, mithin in Summa zu 1,36 Mill. Mk. veranschlagt. Übrigens ist das Ziehen des Dschagannathwagens nicht auf Puri allein beschränkt, sondern weit verbreitet, wie ja auch der Dschagannathkultus kein lokaler, sondern ein allgemein indischer ist. Die gangbare Annahme, daß regelmäßig einige Andächtige sich in der Ekstase absichtlich unter die Räder werfen, ist dahin zu berichtigen, daß früher einzelne solcher Fälle vorkamen, daß solche Art des Selbstmordes aber gegenwärtig ganz außer Gebrauch gekommen ist. Unglücksfälle kommen allerdings, besonders in Puri, bei dem fürchterlichen Gedränge von Teilnehmern am Wagenziehen alljährlich genug vor; die englische Regierung von Bengalen hat deshalb 1873 ihre Beamten angewiesen, die mechanischen Vorrichtungen für das Ziehen der Wagen zu überwachen und so die damit verbundene Lebensgefahr zu vermindern. Vgl. Hunter, Orissa, Bd. 1 (Lond. 1872); E. Schlagintweit, Indien (Leipz. 1881).

Dschagga, Bergland im Innern des Suaheli-Binnenlandes in Ostafrika, unter 3° 30' südl. Br. und