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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dschaina; Dschaintiaberge; Dschaipur

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Dschaina - Dschaipur.

37-38° östl. L. v. Gr., am Südfuß des mächtigen Schneebergs Kilima Ndscharo gelegen, erhebt sich aus der 600 m hohen Ebene bis zu 1500 m am genannten Berg, ist äußerst fruchtbar und von den nach S. strömenden Flüssen Weri-Weri, Mué, Moschi, Kilema, Mambo, Lumi u. a. wohl bewässert. Bewohnt wird es von den Wadschagga, einem Bantuvolk, das sich durch körperliche Schönheit, Liebenswürdigkeit und Fleiß hervorthut. Sie sind Ackerbauer und Viehzüchter und haben sogar Stallfütterung und großartige, über Schluchten und Berge weggeführte Wasserleitungen. Das schmale bewohnte Land besteht aus etwa 15 verschiedenen kleinen "Königreichen", unter denen Mudschama und Kilama die bedeutendsten sind. Der Handel des Landes ist lebhaft, und alljährlich treffen hier Kaufleute von der Suaheliküste ein, welche Baumwollstoffe, Glasperlen und Metallwaren gegen Elfenbein etc. umtauschen. Besucht wurde das Land zuerst durch den deutschen Missionär Rebmann, näher erforscht 1861 durch v. d. Decken. Vgl. v. d. Decken, Reisen in Ostafrika (Leipz. 1869-71, 2 Bde.).

Dschaina (vulgär auch Srawak, Srawnik), eine im 1. oder 2. Jahrh. n. Chr. durch Pârçwanâtha vom Buddhismus abgezweigte und von seinem Nachfolger im Lehramt, Wardhamâna oder Mahâwira, über Indien verbreitete Sekte, die sich jedoch später in Litteratur wie Dogma den Brahmanen näherte, um dadurch ihren Verfolgungen zu entgehen. Die Sekte nahm ihren Anfang im südlichen Bihar in Bengalen und verbreitete sich von hier aus über Dschodhpur nach der Westküste (Gudscharat und Malabar); ihr Hauptsitz wurde das südliche Dekhan, wo sie bei den großartigen Felsentempeln thätig wurden, die wir in Ellora und sonst bewundern. Von der Sekte der Çaiwa später stark verfolgt, sind sie jetzt auf 4-5 Mill. zusammengeschmolzen. Sie haben sich in die zwei Hauptabteilungen der Digambara oder nackten D., welche sich jedoch nur beim häuslichen Mahl bis auf die Schamgegend entkleiden und sonst bunte Gewänder tragen, und der Swêtambara, welche weiße Gewänder tragen, gespalten, und diese zerfallen wieder in zahlreiche Unterabteilungen. In der Philosophie fassen die D. alle Dinge unter den zwei Kategorien des Vernünftigen (Dschiwa) und Empfindenden (Adschiwa) zusammen. Dschiwa ist die Seele, welche zwar stets vollkommen ist, aber durch die menschlichen Handlungen gefesselt wird und durch die strenge Befolgung der Vorschriften der Religion wieder befreit werden muß; sie ist das Genießende, Adschiwa dagegen der Gegenstand des Genusses (alles Materielle) und der Fesselung der Seele. Erreicht wird die Befreiung durch die Erkenntnis vom Wesen der Dinge, welche durch strenge Befolgung der Lehrsätze der Religion vermittelt wird. Diese gipfeln in einer geradezu lächerlichen Ängstlichkeit gegen die Tötung irgend eines lebenden Wesens, wovon das Verbot, Fleisch zu essen, die notwendige Folge ist, während sich die Errichtung von Hospitälern für gebrechliche etc. Tiere als eine Verirrung darstellt. Genau ausgearbeitet sind die Regeln, welche sich auf Überwindung des Dranges der verkörperten Seele zur Beschäftigung mit den sinnlichen Gegenständen beziehen. Lehren des Buddhismus, der Waiçeschika- und Sânkhya-Philosophie (s. Indische Religionen) sind hier zu einem System verschmolzen, das Brahmanen als Mittelspersonen zum Heil nicht notwendig erklärt. Wer Befreiung erreicht hat, erhält in dem im Detail ausgebildeten, den Purâna (s. d.) entlehnten, aber an Übertreibungen noch reichern kosmogonischen System als Dschina ("Heiliger", woher der Name der Sekte) oder Tîrthankara (als Gott) eine Wohnung im höchsten Teil der Welt. In zahlreichen niedrigern Regionen über der Erde haust die übrige sehr zahlreiche, vielfach abgestufte und höchst phantastisch aufgeputzte Götterwelt. Die Guten, d. h. die Priester und frommen Männer, sind folgerichtig über die Hörer (Çrâwaka) oder Laien gesetzt; erstere sollen die Regenzeit mit dem Studium und dem Nachdenken über die heiligen Schriften zubringen. Kastenartige Sonderung ist zugelassen. Im Ritual bildet durchaus das brahmanische Zeremoniell die Grundlage, so daß Brahmanen die gottesdienstlichen Verrichtungen im Tempel und im Haus des eines Priesters bei Geburten etc. bedürfenden D. verrichten können. Eigentümlich sind ihre Feste der 24 Dschinas, von denen wir aber nur den 23. und 24. oder die oben als Gründer und Verbreiter genannten zwei Männer als geschichtliche Personen betrachten dürfen. Die D. haben überaus anregend auf die Bewohner des südlichen Indien, namentlich auf die Drawida (s. d.), eingewirkt. Ihre Litteratur, die sich der brahmanischen anschließt, ist sehr reichhaltig und meist in den Volkssprachen der Drawida geschrieben; ein großer Teil der kanaresischen Litteratur ist ihr Werk. Der "Tschintamani", das beste tamulische Gedicht, hat einen D. zum Verfasser. Vgl. Lassen, Indische Altertumskunde, Bd. 4, S. 755 ff. (Leipz. 1861); Garret, Classical dictionary of the mythology etc. of India (Madras 1871); Wurm, Geschichte der indischen Religion (Bas. 1874); Milloué, Essai sur la religion des Jains (Par. 1884).

Dschaintiaberge, s. Khassia- und Dschaintiaberge.

Dschaipur (engl. Jeypore, Jaipur), 1) ein unter britischem Schutz stehender Radschputenstaat in Ostindien, umfaßt 37,454 qkm (681 QM.) mit (1881) 2,534,357 Einw., wovon 2,315,219 Hindu. Der Boden ist im ganzen eben (nur im N. und NW. erheben sich granitische Hügel bis zu 90 m Höhe) und, soweit die Einwirkung des Wassers geht, fruchtbar und reich an Weiden. Das Klima ist sehr heiß; die Temperatur erreicht durchschnittlich im Mai 37, im Juli 33, im Dezember 19° C. Die im Land entspringenden Flüsse verrinnen im Sand. Regent ist ein Maharadscha, der von seinen Unterthanen ein Steuereinkommen von 10 Mill. Mk. bezieht; sechs kleinere Staaten sind ihm tributpflichtig. Er selbst zahlt an die englisch-indische Regierung einen Tribut von 800,000 Mk. Schon im 18. Jahrh. hatte Dschai Singh, der Erbauer der Hauptstadt und einer der berühmtesten indischen Astronomen, den Ruf seines Landes als eines wohlgeordneten Staats begründet. An der Spitze der Geschäfte steht ein königlicher Rat (Darbar) von fünf Mitgliedern, mit einer den Bestimmungen für die englisch-indischen gesetzgebenden Körper nachgebildeten Geschäftsordnung. Die englischen Aufsichtsbeamten üben auf die Verwaltung großen Einfluß aus. Die Hauptstadt D. zahlt (1881) 142,578 Einw. und wird wegen ihres Reichtums an Palästen, Gärten und Luxusanlagen als die schönste Stadt ganz Indiens gepriesen. Sie wurde erst von dem Vater des jetzigen Maharadscha angelegt, der die ganze Bevölkerung des 14 km entfernten, tief in den Bergen liegenden Alt-D. (Amber) hierher brachte. Die neue Stadt ist von einer hohen Mauer mit bronzenen Thoren umgeben, hat einen großen Palast des Maharadscha, eine 1867 von den Engländern angelegte Kunstschule und außerhalb der Thore einen herrlichen Park. Im Land sind 33 Volksschulen nach euro-^[folgende Seite]