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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dubois

185

Dubois.

Hansen", Roman (Berl. 1862, 4 Bde.); "Mirandola, die Herrnhuterin; Fra Tedesco", Novellen (Leipz. 1866); "Baronisiert; Passiflora", Novellen (das. 1868); "Die kleine Gipsgießerin", Novelle (das. 1869); "Leid und Lust", Novellen (Stuttg. 1874, 3 Bde.); die Romane: "Das Vermächtnis der Millionärin" (Leipz. 1870, 3 Bde.) und "Schloß Roncanet" (Hannov. 1874, 4 Bde.); "Walpra", Dichtung (Leipz. 1874); "Brunhild", Trauerspiel (das. 1874); die Romane: "Der Sekundant" (Bresl. 1878), "Die Verlobte" (das. 1878) und "Die Somosierra" (Memoiren einer spanischen Schauspielerin, Stuttg. 1880); das Lustspiel "Die Stegreifkomödianten" (Erfurt 1877); die Erzählungen: "Don Adone" (nach dem Italienischen von Sabattini, Leipz. 1883) und "Maddalena" (Augsb. 1883); "Darja", Roman (Leipz. 1884), u. a. D. gab auch die dramatischen Werke sowie eine Auswahl aus den Memoiren der Prinzessin Amalie von Sachsen (s. d.) und eine ansprechende Übersetzung von Tennysons "Enoch Arden" (Hamb. 1867, 25. Aufl. 1884) und "In memoriam" ("Freundesklage", 4. Aufl., das. 1879) heraus. Seine poetischen Produktionen sind nicht ohne Gestaltungskraft und lebendige Farben; da ihm aber alle Lebenserscheinungen, auch die schlechthin nichtigen, mit den besten als gleichwertig gelten, so entbehrt die Mehrzahl derselben der Fähigkeit, tiefere und bleibende Eindrücke zu bewirken. Als die besten müssen die "Dorfidyllen" und die Novellen "Leid und Lust" bezeichnet werden.

2) Julius, Bruder des vorigen, ebenfalls Schriftsteller, geb. 10. Okt. 1829 zu Hamburg, studierte seit 1849 in Gießen und Leipzig, zuletzt in Berlin Philosophie und Geschichte, machte Reisen im Ausland und lebt gegenwärtig in Dresden. Er hat sich als Mitarbeiter der angesehensten deutschen Zeitschriften, besonders auf dem Gebiet des Gefängniswesens, der Philosophie und Politik, bekannt gemacht. Von seinen größern Schriften erwähnen wir: "Soziale Briefe" (3. Aufl., Hamb. 1873); "Geschichte der englischen Presse" (nach J. ^[James] Grant, Hannov. 1873); "Die Psychologie der Liebe" (das. 1874, 2. Aufl. 1879), ein Versuch, die Geschlechtsliebe nach ihren wichtigsten sozialen und ethischen Beziehungen zu bestimmen; "Das Leben ohne Gott", Untersuchungen über den ethischen Gehalt des Atheismus (das. 1875); "Gegen den Strom", gesammelte Aufsätze (das. 1877); "Reben und Ranken. Studienblätter" (Halle 1879); "Der Optimismus als Weltanschauung" (Bonn 1881) und "Die Tragik vom Standpunkt des Optimismus mit Bezugnahme auf die moderne Tragödie" (Hamb. 1885).

Dubois (spr. düboa), 1) Guillaume, Kardinal und franz. Minister unter der Regentschaft des Herzogs von Orléans, geb. 6. Sept. 1656 zu Brive la Gaillarde in Limousin als Sohn eines armen Apothekers, kam als 13jähriger Knabe in das Collège St.-Michel zu Paris, wo er Diener war und zugleich etwas lernte, und ward, nachdem er an verschiedenen Orten Hauslehrer gewesen und Abbé geworden, Erzieher des Herzogs Philipp von Chartres, spätern Herzogs von Orléans, dessen Vermählung mit der Tochter Ludwigs XIV. von der Gräfin Montespan sein Werk war. Der König verlieh ihm dafür die Abtei von St.-Just. Den Genüssen des Hoflebens gab er sich rückhaltlos hin. Ein gewissenloser Wüstling, ehrgeizig, habsüchtig, gottlos, war er in seinen Mitteln, emporzukommen, nicht wählerisch. Auf seinen Zögling übte er den nachteiligsten Einfluß aus. Nach Ernennung des Herzogs von Orléans zum Prinz-Regenten 1715 zum Staatsrat erhoben, bewährte er sich als einen schlauen, geriebenen Diplomaten; er war es vornehmlich, der ein Bündnis zwischen Frankreich und England betrieb, wie auch die gegen Spanien gerichtete sogen. Tripelallianz vom 2. Aug. 1718 (nach Beitritt des Kaisers Quadrupelallianz) durch seine Vermittelung zu stande kam. Zum Minister des Auswärtigen erhoben, vereitelte er die Verschwörung von Cellamare und stürzte den spanischen Minister Alberoni. Dem Papst Innocenz XIII. bewies er sich so gefällig, daß er 1720 Erzbischof von Cambrai und 1721 zugleich Kardinal wurde. Die Versammlung des französischen Klerus erwählte ihn 1723 zum Präsidenten. 1722 zum ersten Staatsminister erhoben, entwickelte er eine große Thätigkeit, benutzte aber auch seine Macht, um sich Reichtümer zu sammeln, und wetteiferte in den ärgsten Ausschweifungen mit dem Hof des Regenten. Er starb 10. Aug. 1723. Die unter D.' Namen herausgegebenen "Mémoires" (Par. 1829, 4 Bde.; neue Ausg. 1857) sind unecht. Vgl. Seillac, L'abbé D. (1862). Das Werk Aubertins: "L'esprit public du XVIII. siècle" (2. Aufl., Par. 1873), ist nach ungedruckten Korrespondenzen D.' gearbeitet.

2) Paul François, franz. Schriftsteller, geb. 2. Juni 1795 zu Rennes, war ein Schüler Cousins und von 1818 bis 1821 nacheinander Professor an den Collèges zu Falaise, Limoges, Besançon und Paris, widmete sich dann der Journalistik, gab mit Mignet, Thiers und Rémusat die "Tablettes universelles" heraus, war Mitarbeiter des "Censeur européen" und gründete 1824 mit P. Leroux und Lachevardière den "Globe", in dem er mit gewandter Dialektik hauptsächlich die Vorliebe seiner Zeit für die Romantik und die Beschränkung der Religionsfreiheit bekämpfte. Deshalb 1830 gefänglich eingezogen, ward er durch die Julirevolution wieder frei und zu einem der Generalinspektoren des öffentlichen Unterrichts ernannt; 1831 wählte ihn die Stadt Nantes in die Kammer. 1834 durch Guizot seiner Stelle entsetzt, ward er nach dessen Austritt aus dem Ministerium restituiert und zugleich Professor der französischen Litteratur an der polytechnischen Schule. Im Sommer 1838 bereiste er Deutschland, um das preußische Unterrichtswesen kennen zu lernen, ward 1839 Mitglied des Konseils für den öffentlichen Unterricht und 1840 Cousins Nachfolger als Direktor der Normalschule, aber 1850 dieser Stelle entsetzt und 1852 aus dem Unterrichtsrat entfernt. Seitdem lebte er, zurückgezogen von der Politik, litterarischen und geschichtlichen Beschäftigungen. Er starb 12. Juni 1874 in Paris. Nach seinem Tod erschienen: "Fragments littéraires de P. F. D." (mit biographischen Notizen von Vacherot, Par. 1879, 2 Bde.).

3) Edmond Paulin, Hydrograph, geb. 12. Juli 1822 zu Brest, besuchte die dortige Marineschule, befuhr als Marineaspirant den Indischen und Großen Ozean und machte später eine Fahrt nach der Westküste Afrikas. Seit 1846 widmete er sich ausschließlich den Wissenschaften und wurde 1851 zum Professor an der École navale seiner Vaterstadt ernannt. Er erfand einen Kompaß mit doppelter Nadel zur Bestimmung der durch das Eisenwerk des Schiffs verursachten Abweichung und schrieb: "Cours d'astronomie" (Par. 1855-58), ein von Leverrier empfohlenes Werk; "Cours de navigation et d'hydrographie" (1859, 2. Ausg. 1869); "Étude historique et philosophique sur le mouvement de la terre" (1861); "Les passages de Vénus sur le disque solaire" (1873); eine französische Bearbeitung von Gauß' "Theoria motus corporum coelestium" (1865); "Revue astronomique des années 1860-62" und zahlreiche Ab-^[folgende Seite]