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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Du Couret; Ducos; Ducpétiaux; Ducq; Ducrot

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Ducos - Ducrot.

und Bélin (das. 1821, 3 Bde.) heraus; eine Auswahl besorgte Clément de Ris (1855). Vgl. Peigné, Charles D. (Par. 1867); Barni, Les moralistes français au XVIII. siècle (das. 1873).

Ducos (spr. dükoh), 1) Roger, Graf, franz. Staatsmann, geb. 1754 zu Dax (Landes), war beim Ausbruch der Revolution Advokat, wurde 1791 Präsident des Kriminaltribunals, 1792 Deputierter im Nationalkonvent, wo er für den Tod des Königs stimmte, und 1794 Präsident des Jakobinerklubs. Er machte sich dann unter dem Direktorium als eifriger Verteidiger der Republik gegen die Umtriebe der Royalisten und namentlich in der Sitzung vom 18. Fructidor (4. Sept. 1797) bei Abfassung der Deportationsdekrete als Vorsitzender des Rats der Alten bemerklich. Er zog sich darauf in seine Heimat zurück, bis ihn 1799 Barras mit Merlin de Douai ins Direktorium berief. Nach dem Staatsstreich vom 18. Brumaire ward er mit Bonaparte und Sieyès, dessen Werkzeug er war, Mitglied des provisorischen Konsulats, sodann Vizepräsident des Senats und später von Napoleon I. in den Grafenstand und nach dessen Rückkehr 1815 zum Pair von Frankreich erhoben. Nach der zweiten Restauration als Königsmörder geächtet, floh er nach Deutschland und kam im März 1816 in der Gegend von Ulm durch den Sturz seines Wagens ums Leben.

2) Jean François, franz. Konventsdeputierter, geb. 1765 zu Bordeaux, ward 1791 Mitglied der Legislative, dann des Konvents, wo er sich den Girondisten anschloß und mit den Häuptern derselben 2. Juni geächtet und 31. Okt. 1793 hingerichtet wurde. Bekannt ist seine Rede bei dem letzten Bankett der Verurteilten in der Nacht vor ihrer Hinrichtung.

3) Théodore, Neffe des vorigen, geb. 1801 zu Bordeaux, wurde Kaufmann und Mitglied des General- und des Handelsrats der Gironde, kam 1834 in die Deputiertenkammer, wo er zur dynastischen Opposition gehörte und sein Augenmerk vorzüglich auf Verstärkung der Kriegs- und Handelsmarine richtete. Im März 1848 für Bordeaux in die Konstituierende und später auch in die Gesetzgebende Versammlung gewählt, vertrat er gemäßigte Ansichten, verwaltete im Januar und vom Dezember 1851 an das Marineministerium, ward Mitglied der konsultativen Kommission, 1853 Senator und im März d. J. zugleich Kriegsminister. Er starb 17. April 1855.

Du Couret (spr. dükuräh, Abd ul Hamid Bei), franz. Abenteurer, geb. 1812 zu Hüningen, begab sich 1834 nach Ägypten, von da nach Abessinien und kehrte längs der Westküste des Roten Meers nach Ägypten zurück. Nach seinen eignen Angaben ging er zum Islam über, pilgerte nach Mekka und durchwanderte einen Teil von Arabien, bereiste dann auch angeblich Persien, wo er, in den Kerker geworfen, sich mittels Bestechung seiner Wärter zu befreien wußte, und kehrte 1847 nach Frankreich zurück. Seine Erzählungen sind im höchsten Grad verdächtig; einen Teil seines Reiseberichts ("Les mystères du désert", Par. 1859) hat er nach H. Kieperts Nachweis aus Drummond Hays "Marocco, its wild tribes and savage animals" abgeschrieben, derart, daß er Hays Erlebnisse in Marokko als seine eignen in Südarabien darstellt.

Ducpétiaux (spr. dückpetjoh), Edouard, belg. Publizist und Volkswirt, namentlich bekannt wegen seiner Verbesserungen im Gefängniswesen, geb. 29. Juni 1804 zu Brüssel, studierte die Rechte, betrat die Advokatenlaufbahn und war einer der eifrigsten Vorkämpfer der Losreißung Belgiens von Holland. Nachdem diese 1830 erfolgt, nahm er einen hervorragenden Anteil an der Gründung der Réunion centrale und der Association nationale. Im folgenden Jahr ernannte ihn die Regierung zum Generalinspektor des Gefängniswesens und der Wohlthätigkeitsanstalten. 1861 legte er sein Amt nieder, um sich fortan litterarischen und reformatorischen Arbeiten in seinem Fach zu widmen. Ursprünglich freisinnigen Anschauungen huldigend, war er später einer der Veranstalter der katholischen Kongresse von Mecheln und in seinen letzten Lebensjahren ein entschiedener Förderer klerikaler Bestrebungen. Er starb 21. Juli 1868 in Brüssel. Unter seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: "Des progrès et de l'état actuel de réforme pénitentiaire ... et des institutions préventives, aux États-Unis, en France, en Suisse, en Angleterre et en Belgique, etc." (Brüss. 1837-38, 3 Bde.); "De la condition des jeunes ouvriers" (das. 1843); "Budgets économiques des classes ouvrières en Belgique" (das. 1855); "Des conditions d'application du système de l'emprisonnement séparé ou cellulaire" (das. 1857); "La question de la charité et des associations religieuses en Belgique" (das. 1858), worin er die Wohlthätigkeitspolitik der Liberalen anfocht. Besondere Erwähnung verdient die von ihm geschaffene Strafanstalt (École de réforme) für junge Sträflinge zu Ruysselede in Flandern. Vgl. de Melun, E. D. (Brüss. 1868).

Ducq (spr. dück), Jan le, holländ. Maler, soll 1636 im Haag geboren und 1695 daselbst gestorben sein. Er bildete sich nach Paul Potter und malte vortreffliche Tierstücke und Landschaften, die aber sehr selten sind. Von ihm gibt es auch zehn meisterhaft radierte Blätter, von denen neun Hunde darstellen.

Ducrot (spr. dükro), Auguste Alexandre, franz. General, geb. 24. Febr. 1817 zu Revers, besuchte die Schule von St.-Cyr, trat 1840 als Leutnant in die Armee, diente zuerst in Afrika, war im italienischen Krieg 1859 Kommandeur einer Brigade vom Korps Canrobert und erhielt 1869 das Kommando der Militärdivision Straßburg, von wo er den Kaiser auf die militärische Überlegenheit Preußens brieflich aufmerksam machte. 1870 erhielt er das Kommando der 1. Division des Korps Mac Mahon, nahm teil an der Schlacht bei Wörth und an dem Rückzug nach Châlons, erhielt dort das Kommando des 1. Korps, machte den Zug nach Sedan mit, hatte in der Schlacht vom 1. Sept. die Zentrumsstellung zwischen Moncelle und Daigny zu verteidigen und übernahm nach Mac Mahons Verwundung den Oberbefehl, mußte ihn aber gleich darauf an Wimpffen abtreten, der seine Anordnungen für einen Rückzug nach Mézières oder Übertritt nach Belgien aufhob. Nach der Kapitulation von Sedan gab D. sein Ehrenwort, sich in Pont à Mousson zu stellen, wofür ihm gestattet ward, sich auf eigne Hand dorthin zu begeben. In Pont à Mousson angekommen, meldete er sich der Vorschrift gemäß, entfloh jedoch in der Verwirrung, die auf dem überfüllten Bahnhof herrschte, begab sich nach Paris und erhielt dort das Oberkommando der aus regulären Truppen und Mobilgarden gebildeten zweiten Armee. Mit dieser bereitete er einen großen Ausfall vor, der endlich Ende November ins Werk gesetzt wurde. Nachdem D. in einem phrasenhaften Aufruf geschworen, nur siegreich oder tot nach Paris zurückzukehren, griff er 30. Nov. die Zernierungsarmee im Osten bei Villiers an, errang auch in den ersten Tagen einige Erfolge, konnte aber doch nicht den Durchbruch der feindlichen Linien erzwingen und mußte 4. Dez. nach Paris zurückkehren, da die furchtbare Kälte weitere Kämpfe unmöglich machte. Bei dem