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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Durchfuhr - Durchlaß.

und absterbende oder abgestorbene Stämme unterscheiden. Je nachdem die D. nur die absterbenden und abgestorbenen, oder außer diesen auch die unterdrückten, oder außer absterbenden und unterdrückten Stämmen auch die zurückbleibenden Stämme entnimmt, nennt man die D. eine geringe, mäßige oder starke. Eichen, Lärchen werden stark, Buchen, Fichten wenigstens in der Jugend mäßig durchforstet. Hauptregeln der D. sind frühzeitiger Beginn, häufige Wiederholung und planmäßige Durchführung.

Durchfuhr (Transit), der Durchgang fremder Waren durch ein Land, auch die Summe von Waren, welche hierbei ein- und wieder ausgehen. Früher für Entwickelung der Binnenschiffahrt, des Frachtfuhrwesens und der Spedition von Bedeutung, bildet sie heute eine beträchtliche Einnahmequelle für manche Eisenbahnen (s. Eisenbahntarife). Hatte man früher die D. durch Zölle, welche man von transistierenden Waren erhob (Transit-, Durchgangs-, Durchfuhrzoll, s. Zölle), sowie durch Durchfuhrverbote nicht allein im politischen und polizeilichen, sondern auch im handelspolitischen Interesse erschwert oder unmöglich gemacht, so sind infolge der heutigen lebhaften Verkehrsentwickelung die Durchfuhrzölle bis auf wenige Ausnahmen in Wegfall gekommen, während (wie z. B. in Deutschland) Verbote nur zeitweise für einzelne Gegenstände im politischen, polizeilichen oder gesundheitlichen Interesse (Krieg, Abwehr von Krankheiten etc.) erlassen werden. Im übrigen ist die D. von zollpflichtigen Waren nur gewissen Zollkontrollen unterworfen.

Durchfuhrhandel (Transithandel) wird bisweilen im Sinn von Zwischenhandel (s. d.), bald auch in dem der einfachen Durchfuhr (s. d.) fremder Waren durch ein Land gebraucht.

Durchführung heißt in größern Kompositionsformen der Teil, in welchem die (vorher aufgestellten) Hauptgedanken (Themata) des Satzes frei verarbeitet werden. Speziell bei der wichtigsten aller neuern Instrumentalformen, der Sonatenform, folgt die D. unmittelbar der Reprise (Wiederholung), steht also in der Mitte zwischen der erstmaligen Aufstellung der Themata und ihrem abschließenden letzten Auftritt. Bei der Fuge heißt das einmalige Durchlaufen des Themas (als Dux und Comes) durch sämtliche beteiligte Stimmen eine D., so daß man auch von einer zweiten und dritten D. in der Fuge spricht. Jedenfalls stammt der Name D. von der Fuge her, denn auch die D. des Sonatensatzes nahm früher gern einen fugenartigen Anlauf.

Durchfuhrzölle, s. Zölle.

Durchgang, in der Astronomie: D. eines Sterns durch den Mittagskreis, s. Kulmination; D. des Merkur und der Venus durch die Sonne, s. v. w. Vorübergang eines dieser Planeten vor der Sonnenscheibe, wobei er uns seine dunkle Seite zukehrt. Die Beobachtung der Venusdurchgänge an verschiedenen Orten der Erde bietet ein vorzügliches Mittel zur Bestimmung der Sonnenparallaxe (vgl. Sonne).

Durchgangstöne heißen in der Musik alle die Töne, welche nicht selbst als Vertreter eines Klanges auftreten, sondern nur als (meist accentlose) melodische Zwischenglieder zwischen harmonischen Tönen eingeschoben werden. In dem nebenstehenden Beispiel sind die mit x bezeichneten Töne Durchgangstöne.

Durchgesteckt heißt in der Heraldik eine Figur, welche durch die Öffnung einer andern Figur läuft.

Durchkomponiert nennt man ein Lied, dessen Strophen nicht nach derselben Melodie gesungen werden, sondern, ihrem besondern Inhalt entsprechend, verschieden komponiert sind.

Durchkreuzen (Kreuzung), s. Viehzucht.

Durchkriechen, eine Zeremonie, welche nach weitverbreiteter Volksanschauung den Menschen bestimmter Eigenschaften oder Krankheiten entkleidet, wie z. B. das altsymbolische Hindurchführen unter dem Joch, dem Galgen etc. So schritten die alten Völker durch das Feuer, um sich zu reinigen; man kroch durch einen gespaltenen Baumstamm oder durch eine auf beiden Seiten festgewachsene Brombeerranke (die in England volkstümliche Brombeerkur, Bramble cure) oder durch einen durchbohrten Stein etc., um eine Krankheit etc. dabei abzustreifen oder dem Baum aufzuladen (vgl. Transplantation). Diese Ansichten herrschen noch jetzt hier und da, und man sorgt z. B., daß ein Kind nicht zwischen den Beinen eines Erwachsenen durch krieche, weil es sonst nicht mehr wachse.

Durchlaß (Dohle), schmaler, zur Durchführung kleiner Wasserläufe oder periodisch sich ansammelnder Wassermassen durch Dämme von Straßen oder Eisenbahnen dienender Kanal. Durchlässe dieser Art sind entweder gemauerte und in diesem Fall sogen. offene, d. h. nicht abgedeckte, Plattendurchlässe (Deckeldohlen), d. h. mittels Steinplatten abgedeckte, und gewölbte, d. h. durch Gewölbe geschlossene Durchlässe, oder Röhrendurchlässe, d. h. massive oder zusammengesetzte Röhren von gebranntem Thon, Gußeisen, Steingut oder Holz. Die offenen Durchlässe bestehen bei ganz geringen Wassermengen oft nur in kleinen, mit Steinen lose ausgestellten Gräben (Rieseldohlen); unter den geschlossenen Durchlassen sind die gemauerten die dauerhaftesten, da die aus künstlichen Steinen hergestellten der Verwitterung, die gußeisernen der Oxydation und die hölzernen, wenn sie nicht stets unter Wasser liegen, der Fäulnis ausgesetzt sind. Die Plattendurchlässe erhalten eine Durchflußöffnung von 30-100 cm Weite, bei größern Wassermengen deren zwei und mehr (Zwillings-, Drillingsdurchlässe). Bei Lichtweiten von 1 m und darüber werden die Durchlässe mittels Hau-, Bruch- oder Backsteinen überwölbt. An den Einläufen der Seitengräben werden die Durchlässe mit Einlaufschächten, sogen. Fallkesseln, und diese zur Vermeidung von Verstopfungen mit unter die Sohle der Durchlässe reichenden Schlammfängen versehen. Röhrendurchlässe finden nur bei geringen Wassermengen und bei beschränkter Bauzeit Anwendung, bestehen im einfachsten Fall aus einer oder mehreren Drainröhren von 10-35 cm Durchmesser und 30-35 cm Länge, welche durch 9-12 cm lange Muffen verbunden werden, aus halbrunden Kanalziegeln oder Portlandzementröhren von 30-50 cm lichter Weite, 4 cm Wandstärke und 40-50 cm Länge, welche mit abwechselnden Stoßfugen so in Mörtel gelegt werden, daß sie innen eine cylindrische Röhre bilden. Gußeiserne Röhren erhalten Durchmesser von 20-70 cm, Wandstärken von 2-3 cm und Längen von 1-4 m, werden durch Muffen verbunden und mittels Eisenkittes gedichtet. Sämtliche, besonders die Röhrendurchlässe, erfordern, besonders unter höhern Dämmen und bei unzuverlässigem Baugrund, eine sorgfältige Fundation und bei Anwendung von Gewölben eine wasserdichte Abdeckung mittels 2-3 cm starker Zementdecke, welcher man bisweilen noch eine in hydraulischem Mörtel verlegte