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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eingeweidebruch; Eingeweidenervensystem; Eingeweidewürmer

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Eingeweidebruch - Eingeweidewürmer.

verengert sich in der Rachenhöhle zum Schlundkopf, welcher sich in die Speiseröhre fortsetzt, während die Nasenhöhle ebenfalls durch den Nasen-Rachenraum mit dem Kehlkopf und der Luftröhre in offener Verbindung steht (s. Tafel "Mund, Nase"). Im Halse sind die E. bereits derart getrennt, daß der zum Respirationsapparat gehörige Kehlkopf und der obere Teil der Luftröhre vorn und in der Mittellinie nahe unter der Haut liegen (Tafel I, Fig. 2), während die lediglich dem Verdauungsrohr angehörende Speiseröhre hinter beiden gelegen ist (Tafel II, Fig. 3). Die Schilddrüse, deren Bestimmung noch nicht klar feststeht, ist von sehr wechselnder Größe und Gestalt, sie liegt meistens mit zwei undeutlich getrennten Lappen neben und vor der Luftröhre, so daß sie beim Luftröhrenschnitt von der letztern losgelöst und verschoben werden muß. Die großen Blutgefäße, welche den Hals passieren, liegen von Muskeln bedeckt seitlich von den eigentlichen Eingeweiden. Ungefähr an der Stelle, an welcher man in Tafel I, Fig. 1 beide Schlüsselbeine mit dem Brustbein sich zu einem knöchernen Halbring vereinigen sieht, liegt die Grenze von Hals und Brust; von hier nach abwärts bis zum Zwerchfell liegen die Brusteingeweide (Tafel I, Fig. 1 u. 2, Tafel II, Fig. 3 und Tafel "Blutgefäße").

Die Brusthöhle enthält das Zentralorgan für die Blutbewegung, das Herz, und das Zentralorgan für die Atmung, die Lungen, und daher kommt es, daß sowohl die großen Stämme der Blutgefäße sich hier vereinigen, als auch die Luftröhre, um zu den Lungen zu gelangen, hier eintreten muß, bevor sie sich in zwei Hauptäste, die beiden Bronchien, teilt. Die natürliche Lage der E. in der Brust wird in Tafel I, Fig. 1 dargestellt, wobei man nur die Haut und Muskeln entfernt denkt. Man sieht alsdann bei tiefer Einatmung hinter dem Brustkorb nur die Oberfläche beider Lungen, deren Spitzen noch etwas hinter den Schlüsselbeinen nach oben hinausragen. Sobald man die Knochen entfernt und die Lungen durch Entweichen der Luft zusammenfallen, sieht man zwischen ihnen eine dreieckige Fläche frei werden, die vordere Wand des Herzbeutels. Da dieser nicht nur das Herz, sondern auch die ein- und austretenden Gefäßstämme umgibt, so muß er entfernt werden, um die in Tafel I, Fig. 2 dargestellte Ansicht zu gewähren. Das Herz bildet hier mit seiner Vorderfläche ungefähr ein Dreieck; die Seite, aus welcher die großen Schlagadern abgehen, heißt die Basis, ihr gegenüber liegt nach links gekehrt die Herzspitze; die zweite Seite liegt auf dem Zwerchfell auf, die dritte ist der linken Lunge zugewandt. In den rechten Vorhof sieht man von oben und von der Bauchhöhle her je eine große Vene eintreten, ihr Blut wird vom Vorhof in die rechte Kammer getrieben, von dieser durch die Lungenarterie in die Lungen. Aus diesen kehrt das sauerstoffhaltige Blut durch je zwei Lungenvenen, welche an der Hinterfläche des Herzens liegen und deshalb nicht sichtbar sind, in den ebenfalls hinten gelegenen linken Vorhof des Herzens zurück; von hier aus gelangt es in die linke Kammer und, durch diesen kräftigen Druckapparat getrieben, in die Aorta und das Arteriensystem. An dem linken Lungenflügel sieht man zwei, am rechten drei Lappen; der Teil beider Lungen, welcher dem Zwerchfell aufliegt, ist die Basis. Die Teilung der Bronchien ist auf den Tafeln "Blutgefäße" und "Mund etc." erkennbar.

Die Speiseröhre verläuft, wie die Profilbilder Taf. II, Fig. 3 und der Tafel "Mund etc." zeigen, dicht vor der Wirbelsäule hinab und tritt durch ein Loch (Tafel I, Fig. 2) durch das Zwerchfell in die Bauchhöhle. Diese bildet mit der Beckenhöhle einen gemeinsamen, von dem zarten Bauchfell überzogenen Raum und enthält als E. den Verdauungs-, Harn- und Geschlechtsapparat. Da die E. nur zum Teil vom Bauchfell bekleidet sind, so unterscheidet man an ihnen solche, welche innerhalb des Bauchfellsacks liegen, von solchen, die außerhalb desselben gelegen sind, was sich ungefähr mit der Benennung oberflächliche und tief liegende Eingeweide deckt. Die Grenze zwischen Brust- und Bauchhöhle bildet das Zwerchfell. Dicht unter demselben, zum Teil von den Rippen überdeckt, liegt die Leber, deren großer Lappen nach rechts (Tafel I, Fig. 1), deren kleiner nach links von der Mittellinie sich ausbreitet. Hinter dem linken Lappen tritt die Speiseröhre in den Magen ein, die große Krümmung des Magens wölbt sich unter der Leber hervor, von ihr nach abwärts hängt wie eine dünne Schürze das fetthaltige, durchscheinende Netz (Tafel I, Fig. 1) über die Därme nach abwärts. Bei gefüllter Harnblase tritt der Grund derselben wie ein Ballon über die Schamfuge vor. Die Darmschlingen sind mittels des Gekröses an der Wirbelsäule befestigt (Tafel II, Fig. 3). Der Magen stellt eine sackartige Erweiterung des Digestionskanals dar, an seinem Ausgang verengert er sich zur Pförtnerklappe und geht in den faltenreichen Zwölffingerdarm über (Tafel II, Fig. 1). In diesen obersten Abschnitt des Darms ergießen sich mit gemeinsamer Mündung der Verdauungssaft der Bauchspeicheldrüse und die Galle. Die Dünndärme gehen in den Blinddarm über, an diesem sitzt als hohler Anhang der Wurmfortsatz, sodann kommt der dickste Abschnitt des Darmrohrs, der Grimmdarm, der zum rechten Leberlappen aufsteigt, quer vor dem Magen nach links zur Milz und von da abwärts zum Becken läuft, wo er dicht vor der Wirbelsäule, d. h. bei männlichen Individuen hinter der Harnblase, bei weiblichen hinter Blase und Uterus, gelegen ist; seine Mündung ist der After. Den Gefäßverlauf von Milz, Magen, Darm, Pankreas und Leber s. Tafel "Blutgefäße".

Als Beckeneingeweide bezeichnet man Harnblase, Mastdarm und weibliche Geschlechtsorgane, Scheide, Gebärmutter und Eierstöcke, deren Lage beim Kind aus Tafel II, Fig. 2 im Profil ersichtlich ist. Außerhalb des Bauchfells liegen wesentlich die beiden Nieren und Nebennieren sowie die Harnleiter, welche Tafel I, Fig. 2 mit ihren Mündungen zu beiden Seiten der Harnblase abgebildet sind. Von der Blase gelangt der Harn beim weiblichen Geschlecht durch eine kurze, gerade Harnröhre nach außen; an dem Profilschnitt Tafel II, Fig. 2 von einem Knaben macht die Harnröhre eine doppelte Krümmung, dicht an ihrem Austritt aus der Blase wird sie rings von einer Drüse (prostata) umgeben, durch deren Schwellung sie verengert werden kann. Die natürlichen Farben der Brust- und Baucheingeweide beim Neugebornen bietet die Tafel "Embryo". Die Lehre von den Eingeweiden heißt Splanchnologie; sie befaßt sich übrigens auch mit äußerlich gelegenen Organen (z. B. den äußern Geschlechtsteilen), falls diese zu den Eingeweiden in näherer Beziehung stehen. Über Krankheiten der E. s. die betreffenden Artikel. Vgl. auch Lageabweichungen.

Eingeweidebruch, s. Bruch.

Eingeweidenervensystem, s. Sympathikus.

Eingeweidewürmer (Binnenwürmer, Entozoa, Helminthes), die im Innern von Mensch und Tieren schmarotzenden Würmer, bilden nicht, wie früher angenommen, eine besondere Tiergruppe, sondern gehören teils zu den Rundwürmern, teils zu den