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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eisen

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Eisen (Schmiede- oder Stabeisen).

Zusammensetzung der verschiedenen Roheisensorten.

Bezeichnung Gesamtkohlenstoff C (alpha + beta) Gebundener Kohlenstoff C (alpha) Graphit C (beta) Silicium Phosphor Schwefel Mangan Kupfer Eisen Bemerkungen

Weißes Roheisen. Spiegeleisen: Proz. Proz. Proz. Proz. Proz. Proz. Proz. Proz. Proz.

Hochdahl in Siegen - 5,04 - 0,41 - 0,08 5,75 0,16 88,56

Vulkan bei Duisburg - 4,77 - 0,09 0,28 0,012 18,70 0,118 76,03

Gleiwitz 3,49 3,06 0,43 1,29 0,1 2,99 - -

Müsen 4,01 - - 1,04 0,04 Spur 9,38 0,16 -

Strahliges Eisen: Neuberg 3,123 - - 0,616 0,036 0,045 1,820 0 155 94,205

Vordernberg 5,05 5,05 - 0,83 - Spur 2,00 - -

Eisenerz 3,83 - - 0,41 0,04 0,02 0,98 - 94,68 großluckige Flossen

3,009 - - 0,265 0,073 0,0115 0,453 - 96,189 kleinluckige Flossen

Gares, gewöhnliches Weißeisen: Schwechat 2,830 - - 0,520 0,184 0,085 2,670 - 93,711

Mägdesprung 2,55 1,51 1 04 0,25 0,18 0,05 3,72 0,06 -

Luxemburg 2,10 - - 0,91 1,82 0,08 0,22 - 94,87

Graues Roheisen. Gießereieisen: Oberhausen 3,54 0,26 3,28 2,45 0,98 0,011 0,18 0,060 92,40

Dortmunder Union 3,59 0,19 3,40 2,45 0,99 0,035 1,48 0,039 91,10

Steele (Phönix) 3,65 0,49 3,16 2,11 0,85 0,021 0,97 0,040 92,05

Duisburg 3,54 0,54 3,00 1,47 0,71 0,018 0,84 0,047 93,35

Hörde 3 54 0,49 3,05 1,16 1,07 0,019 1,01 0,103 92,85

Ilsenburg 4,300 0,532 3,768 0,432 Spur 0,151 1,426 - 93,691 mit Holzkohlen erblasen

Bessemerroheisen: Steirisches Roheisen 3,93 0,75 3,18 1,96 0,04 0,018 3,46 0,085 - desgleichen

Hörde 3,5-4 - - 2,5-4,5 0,05-0,15 0,1 3,0-7,0 - -

Westanfors (Schweden) 5,052 3,342 1,710 0,748 0,031 0,005 3,119 - -

Thomaseisen enthält 2,5-3,5 - - bis 1,0 2,0-3,0 bis 0,1 2,0-2,5 - -

lenstoff (meist in Form von Spiegeleisen) wieder höher gekohlt. Man ist dadurch weit besser als früher im stande, Schmiedeeisen oder Stahl von bestimmter Qualität herzustellen.

A. Schmiedeeisen.

Das Schmiede- oder Stabeisen, dessen Hauptunterschiede vom Roheisen bereits oben aufgeführt sind, wird in seinen Eigenschaften besonders durch den Kohlenstoffgehalt, die Anwesenheit fremder Beimengungen und die Art der mechanischen Bearbeitung beeinflußt. Hinsichtlich des Kohlenstoffgehalts unterscheidet man weiches, sehniges E. mit 0,02-0,2 Proz. und hartes oder Feinkorneisen mit bis 0,5 Proz. Kohlenstoff und darüber. Gutes Schmiedeeisen zeigt in der zu einem dicken Stab zusammengeschlagenen Luppe (s. unten) ein körnig-eckiges, kristallinisches Gefüge. Beim Ausrecken geht das Korn bei kohlenstoffarmem, weichem E. in Sehne über, während bei kohlenstoffreicherm, stahlartigem E. das Korn meist nur feiner wird und zur Sehnenbildung wenig geneigt ist. Das Feinkorneisen ist fester und härter als das sehnige, und beide finden für verschiedene Zwecke Anwendung. Durch anhaltende Erschütterungen wird sehniges E. kristallinisch und brüchig (Kettenbrücken, Eisenbahnwagenachsen etc.). Beim Erhitzen zeigt das Schmiedeeisen bei 200-400° C. wechselnde Anlauffarben, beginnt bei 525° C. zu glühen, zeigt bei 1000° Kirschrotglut und bei 1300° Weißglut, in welchem Zustand sich zwei aufeinander gelegte Stücke durch Druck (Hämmern oder Walzen) ineinander kneten (schweißen) lassen, was dadurch begünstigt wird, daß man die Oberfläche mit Oxydation verhindernden Substanzen (Schweißsand) bestreut: saftige Schweißhitze. Geschieht dies nicht, so verbrennt in der sogen. trocknen Schweißhitze leicht Kohlenstoff, und man erhält ein unregelmäßig grobkörniges, stark glänzendes, sehr brüchiges Produkt (verbranntes E.), dessen Oberfläche sich mit Eisenoxyduloxyd (Fe3O4 ^[Fe_{3}O_{4}], Hammerschlag, Glühspan) überzieht. Feinkorn schweißt früher als sehniges E. Bei Temperaturen von 1800-2250° C. schmilzt das Schmiedeeisen. Eine solche Temperatur läßt sich in gewöhnlichen Apparaten zur Eisendarstellung (Herden, Flammöfen) nicht erzeugen, wohl aber beim Bessemerprozeß.

Das Verhalten (Festigkeit, Schweißbarkeit etc.) des Schmiedeeisens in der Hitze und bei gewöhnlicher Temperatur wird durch fremde Beimengungen mehr oder weniger geändert. Durch einen geringen Schwefelgehalt (0,01 Proz. und weniger) verliert dasselbe an Schweißbarkeit und Festigkeit in der Hitze (Rotbruch), es zeigen sich bei der Bearbeitung Kantenrisse und bei größerm Schwefelgehalt auch Längsrisse. Phosphor erhöht die Härte und die Schweißbarkeit, erniedrigt den Schmelzpunkt, zeigt aber einen nachteiligen Einfluß auf die Festigkeit des Eisens bei gewöhnlicher Temperatur, wenn erheblichere Mengen von Phosphor zugegen sind (Kaltbruch); häufig läßt sich phosphorhaltiges E. im glühenden Zustand noch gut bearbeiten, während dies in der Kälte nicht mehr möglich ist. Die Schädlichkeit des Phosphors wächst mit dem Kohlenstoffgehalt, und ferner ist Flußeisen empfindlicher gegen Phosphor als Schweißeisen. Kohlenstoffarmes Schweißeisen kann bis zu 0,8 Proz. Phosphor enthalten, ohne kaltbrüchig zu sein, während man bei Flußeisenschienen die zulässige Grenze auf 0,1 Proz. setzt. Kaltbrüchiges E. besitzt ein kristallinisches, stark glänzendes, geschichtetes Gefüge, während das sich ähnlich verhaltende sogen. verbrannte E. unregelmäßig grobkörnig ist und sich durch saftige Schweißhitze verbessern läßt, was beim phosphorhaltigen E. nicht der Fall ist. Silicium erhöht die Härte, Sprödigkeit und Schmelzbarkeit, vermin-^[folgende Seite]