Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eiserne Maske; Eiserner Helm; Eisernes Kreuz

483

Eiserne Maske - Eisernes Kreuz.

wurden. Der Orden erlosch mit Napoleons Sturz. Kaiser Franz I. von Österreich stellte ihn 12. Febr. 1816 unter seinem jetzigen Namen her und zwar für Verdienste um das Königreich Italien, Anhänglichkeit an die Krone, wissenschaftliche und künstlerische Leistungen. Die Dekoration besteht aus einer goldenen Krone mit dem doppelten kaiserlichen Adler darüber, der von der Kaiserkrone gekrönt wird. Auf der Brust des Adlers befindet sich vorn ein blauer Schild mit dem Buchstaben F und rückwärts der Jahreszahl 1816. Der Orden hat drei Klassen. Die Ritter erster Klasse tragen den Orden über der rechten Schulter an breitem, goldgelbem, dunkelblau gerändertem Bande, daneben auf der Brust einen silbernen Stern, in dessen goldenem Mittel sich die Eiserne Krone und darin auf blauem Email die Devise "Avita et aucta" ("Alt und erweitert") befindet. Die Ritter zweiter Klasse tragen den Orden am Hals, die Ritter dritter Klasse im Knopfloch. Die Kriegsdekoration hat zu beiden Seiten der Adler aufwärts gerichtete, grün emaillierte Lorbeerzweige. Bei feierlichen Gelegenheiten wird eine goldene Kette um den Hals getragen, deren Glieder abwechselnd aus dem Monogramm F. P., der Eisernen Krone und Eichenlaubkränzen bestehen. Die Ritter erster Klasse haben die Geheimratswürde und werden vom Kaiser "Unser Vetter" tituliert. Die Ritter zweiter Klasse wurden bis 1884 auf Ansuchen in den erblichen Freiherrenstand, die der dritten Klasse in den erblichen Ritterstand erhoben. Der Ordenstag ist der 7. April. S. Tafel "Orden".

Eiserne Maske (Mann mit der eisernen Maske), unter der Regierung Ludwigs XIV. ein französischer Staatsgefangener, welcher stets eine eiserne Maske getragen haben soll, in Wahrheit nur eine Samtmaske trug und, nachdem er bis 1698 in Pignerol und auf der Insel Ste.-Marguerite gefangen gesessen, 1703, vom Kerkermeister Saint-Mars auf das sorgfältigste bewacht, in der Bastille starb. Seine Lebensumstände wurden als das tiefste Staatsgeheimnis bewahrt; in den Registern wurde er unter dem Namen Marchioli aufgeführt. Holländische Schriftsteller jener Zeit behaupteten, die E. M. sei ein junger fremder Edelmann, Kammerherr und Günstling der Königin Anna und der wahre Vater Ludwigs XIV. gewesen. Der Jesuit Griffet, der neun Jahre lang Beichtvater in der Bastille war, neigt sich in seinem "Traité des différentes sortes des preuves qui servent à établir la vérité dans l'histoire" (Lüttich 1769) der Ansicht der "Mémoires secrets" zu, welche 1745-46 zu Amsterdam erschienen und behaupteten, der Gefangene sei ein natürlicher Sohn Ludwigs XIV. und der Lavallière gewesen, ein Herzog von Vermandois, der dem Dauphin eine Ohrfeige gegeben habe und daher auf Lebenszeit gefangen gesetzt worden sei. In einem Zusatz zu dem Artikel "Anna" des "Dictionnaire philosophique" gibt angeblich der Herausgeber des Werkes, in Wirklichkeit Voltaire, die Nachricht, die E. M. sei ein älterer Bruder Ludwigs XIV., ein Sohn Annas von Österreich und (nach Linguet in der "Bastille dévoilée") des Herzogs von Buckingham; danach geschah die Einsperrung auf Ludwigs XIV. Befehl. Eine Schrift von Saint-Mihiel (1790) brachte das Schicksal des Unglücklichen mit einer geheimen Vermählung der Königin Anna mit Mazarin in Verbindung, während Bouché ("Essai sur l'histoire de la Provence", 1785) die ganze Geschichte von der Eisernen Maske für eine Erfindung Voltaires erklärt und Soulavie, der Herausgeber der Memoiren Richelieus, 1790 behauptete, daß die E. M. ein Zwillingsbruder Ludwigs XIV. gewesen, den Ludwig XIII. im geheimen habe erziehen und Ludwig XIV. einsperren lassen, eine Ansicht, die lange allgemein geglaubt wurde; Zschokke folgte ihr in seinem Trauerspiel "Der Mann mit der eisernen Maske". Nach der Zerstörung der Bastille (1789) suchte man auch nach Zeugnissen über die E. M., fand aber in den Hausregistern das Blatt über diesen Gefangenen ausgerissen. Eine Ansicht, die vielen glaubwürdig erschien, ist die, daß die E. M. Mattioli, Minister des Herzogs Karl Ferdinand von Mantua, gewesen sei. Aus italienischen und französischen Aktenstücken erwiesen dies Senac de Meilhan ("Œuvres philosophiques et littéraires", Hamb. 1795), Roux-Fazillac ("Recherches historiques et critiques sur l'homme au masque de fer", Par. 1800), ferner Delort ("Histoire de l'homme au masque de fer", das. 1825), und ihnen folgten mehrere deutsche Gelehrte sowie noch neuerdings Camille Rousset ("Histoire de Louvois", Bd. 3, 6. Aufl., das. 1879) und M. Topin ("L'homme au masque de fer", das. 1869). Mattioli hatte nämlich 1678 Ludwig XIV. versprochen, die Festung Casale an Frankreich zu verraten, hatte dafür von Ludwig außer kostbaren Geschenken 100,000 Scudi empfangen, verriet aber das Geheimnis an Savoyen, Spanien und Österreich. Deshalb soll ihn der französische König auf die französische Grenze haben locken und 2. Mai 1679 in diese Art Gefangenschaft bringen lassen. B. Jakob ("L'homme au masque de fer", Par. 1840) erklärt die E. M. für den Finanzintendanten Fouquet, eine allerdings völlig unwahrscheinliche Ansicht. Neuerdings stellte Th. Jung in "La vérité sur le masque de fer" (Par. 1873; deutsch bearbeitet von Riese, Greifsw. 1876) noch eine andre Behauptung auf. Die E. M. war hiernach der lothringische Ritter v. Harmoises, welcher an der Spitze einer Verschwörung stand, die sich in den spanischen Niederlanden gegen das Leben Ludwigs XIV. gebildet hatte. Er wurde auf der Reise nach Paris 29. März 1673 bei Péronne verhaftet und in der Bastille und in den Staatsgefängnissen zu Pignerol, Ste.-Marguerite und Exiles darum im tiefsten Geheimnis gefangen gehalten, weil er vornehme Personen, wie den Grafen von Beauvais, den Prinzen von Condé u. a., zu Mitwissern seiner Pläne gehabt hatte.

Eiserner Helm (Orden vom Eisernen Helm), kurhess. Militärverdienstorden, vom Kurfürsten Wilhelm I. 18. März 1814 für die Teilnehmer an den Freiheitskriegen gestiftet, jetzt erloschen. Die Dekoration war ein schwarzes, in Silber gefaßtes Brabanter Kreuz von Gußeisen, vorn in der Mitte der offene Helm, an dessen beiden Seiten die Chiffer W. K., unten 1814. Der Orden hatte Großkreuze und Ritter erster und zweiter Klasse. Die Ritter trugen das Kreuz an einem roten, weiß geränderten Band im Knopfloch, die Ritter erster Klasse außerdem ein Kreuz auf der linken Brust und die Großkreuze ein noch einmal so großes Kreuz am Hals.

Eisernes Kreuz, preußischer, von König Friedrich Wilhelm III. 10. März 1813 zu Breslau gestifteter Orden für Verdienst um das Vaterland im Kampf gegen Frankreich. In seiner Einfachheit und Wertlosigkeit sollte das Eiserne Kreuz an die schwere und eiserne Zeit erinnern, welche es ins Leben rief. Die Dekoration bestand demzufolge aus einem eisernen, mit Silber eingefaßten Andreaskreuz, im obern Flügel mit dem Namenszug F. W., in der Mitte mit drei Eichenblättern, unten mit der Jahreszahl 1813. Der Orden hatte Großkreuze, Ritter erster und Ritter zweiter Klasse. Die Großkreuze vom Militär trugen den Orden doppelt so groß wie die Kreuze der