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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eispapier - Eisvogel.

teter Strom, welcher der Neufundlandbank Eisberge in Menge zuführt.

Im N. des europäisch-asiatischen Kontinents finden sich überall die Strömungen in Übereinstimmung mit dem Gesetz der Rechtsablenkung durch die Rotationswirkung der Erde. An den Nordküsten sind die Strömungen durchweg nach O. gerichtet. Sie führen von S. herkommendes und daher warmes Wasser aus dem Atlantischen Ozean und den sibirischen Flüssen und halten die Kontinentalküste während des Sommers eisfrei. Dieselbe Anlehnung an die rechtsseitige Küste weist der Nordstrom an den Westküsten von Spitzbergen und Nowaja Semlja, der Südstrom an den Ostküsten dieser selben Inseln aus. Auch im N. der Beringsstraße wendet sich die dem Lauf der Küste folgende Strömung rechts nach Kap Barrow zu. Vgl. Nordpolarländer.

Das Südliche E. oder Antarktische Polarmeer hat keine Landgrenze wie das Nördliche, sondern hängt mit den südlichen Hälften des Atlantischen, Indischen und Stillen Ozeans in offener Wasserverbindung zusammen. Das Areal dieses Meers läßt sich nur schätzungsweise auf etwa 352,000 QM. angeben, da man nicht weiß, wieviel Land um den Südpol gelagert ist. Denn einer Erforschung dieser Regionen stellen sich noch größere Schwierigkeiten entgegen als im N., da hier Eisfelder und Eismassen ein noch ausgedehnteres Gebiet haben. So reicht die nördlichste Grenze des Treibeises südlich von Afrika bis über den 45° nach N. hinüber. Die große Menge ausgedehnter Eisberge, welche nach N., namentlich in den Atlantischen Ozean, gelangen, macht aber das Vorhandensein eines großen antarktischen Landes sehr wahrscheinlich. Die wichtigste Expedition in diese Region ist die des englischen Kapitäns Roß 1839-1843, der bis jetzt am weitesten gegen den Südpol vorgedrungen ist (bis 78° 11'). Die Namen seiner Schiffe, Erebus und Terror, übertrug man auf feuerspeiende Berge des dort entdeckten und gegenwärtig als antarktischer Kontinent angesehenen Victorialandes. Weiterm Vordringen stellte sich eine kolossale Eismauer von 65-70 m Höhe entgegen, die fest zusammenhängend Hunderte von englischen Meilen sich hinzog. Soweit Beobachtungen vorliegen, ist das Südliche E. flach. Die Lotungen von Roß erreichen meist nur Tiefen von weniger als 900 m, auch die im südlichen Indischen Ozean gefundenen mäßigen Tiefen deuten auf eine allmähliche Erhebung des Meeresbodens nach dem Südpol hin. Die Strömungen des Südlichen Eismeers werden im allgemeinen aus den direkten Strombeobachtungen ostwärts und nordwärts gefunden. Dagegen hat man aus dem Verlauf der Treibeisgrenze den Schluß gezogen, daß südlich von der Kergueleninsel, südlich von Neufundland und südwestlich vom Kap Horn warme Strömungen in das Südliche E. hineinfließen. Während nämlich die Treibeisgrenze im Südatlantischen Ozean bis in etwa 40°, im Indischen Ozean zwischen 40 und 50°, im Stillen Ozean auf 50° südl. Br. zu setzen ist, weicht sie im SW. vom Kap Horn auf 57° und an den beiden andern bezeichneten Stellen auf etwa 61° zurück (vgl. Neumayer, Die Erforschung des Südpolargebiets, Berl. 1872). Über die Eisverhältnisse der Polargegenden s. Polareis.

Eispapier (Eiskarton, Alabasterpapier), ein mit einer zarten Schicht von Kristallen bedecktes starkes Papier, zu Visitenkarten etc. dienend, wird hergestellt, indem man eine Lösung von Bleizucker auf Papier kristallisieren läßt.

Eispflanzen, s. Mesembryanthemeen.

Eispflug, s. Eis, S. 399.

Eispunkt, s. v. w. Gefrierpunkt, s. Thermometer und Schmelzen.

Eisscharbe, s. v. w. Kormoran.

Eisschrank, s. Eis, S. 400.

Eissenhardt, Johann, Kupferstecher, geb. 1824 zu Frankfurt a. M., widmete sich sieben Jahre lang dem Studium der Kupferstecherkunst am Städelschen Institut unter E. E. Schäffer, stach dann eine Reihe von Kompositionen zu deutschen Dichtungen nach Zeichnungen von J. B. ^[Johann Baptist d. J.] Scholl, eine schlafende weibliche Figur nach P. Veronese und eine Madonna nach Steinle. Im J. 1863 nahm er eine Stelle an der österreichischen Staatsdruckerei in Wien an, kehrte aber 1869 wieder nach Frankfurt zurück. Er stach alsdann: Porträt eines Ritters mit der Nelke nach Holbein, das Refektorium nach van Muyden, Salomos Urteil nach Steinle, den Tanz und die Hochzeit nach Laufbergers Vorhang im Wiener Hofopernhaus und gab einen Cyklus von Radierungen nach alten Gemälden der Frankfurter Galerie heraus.

Eisspat, s. v. w. Adular.

Eissprosse, s. Geweih.

Eistage, Tage, an welchen das Thermometer beständig unter 0°, während es an den Frosttagen nur zeitweilig unter 0° sinkt.

Eisteddfod (kymr.), s. Barden und Caerwys.

Eisthaler Spitze, Gipfel der Hohen Tatra in Ungarn (2628 m), nordwestlich von der Lomnitzer Spitze s. Karpathen.

Eisvogel (Alcedo L.), Gattung aus der Ordnung der Klettervögel und der Familie der Eisvögel (Alcedinidae), Vogel mit langem, dünnem, geradem, von der starken Wurzel an nach und nach zugespitztem, an den scharfen Schneiden ein wenig eingezogenem Schnabel, kurzem Hals, kurzen Flügeln, in denen die zweite und dritte Schwinge am längsten sind, sehr kurzem Schwanz, sehr kleinen, kurzen Füßen, an denen die beiden äußern der drei Vorderzehen bis zum zweiten Gelenk verwachsen sind, und zu einer kleinen Holle verlängerten Hinterkopffedern. Der E. (Ufer-, Wasser-, Seespecht, Martinsvogel, A. ispida L., s. Tafel "Klettervögel"), 17 cm lang, 27-28 cm breit, auf Oberkopf und Hinterhals grünschwarz, meerblau schmal quergebändert, Schultern, Flügeldecken und Außenfahne der braunschwarzen Schwingen dunkel meergrün, die mittlern Teile der Oberseite schön blau, ein Streifen über den dunklern Zügeln, ein Längsfleck am untern Augenrand bis hinter die Ohrgegend, die Unterseite und die untern Schwanz- und Flügeldecken lebhaft zimt-rostrot, Kinn und Kehle gelblichweiß, ein breiter Streifen, der sich an der Schnabelwurzel herabzieht, die Enden der obern Brustseitenfedern, die seitlichen Schwanzdecken und die Schwanzfedern dunkelblau; das Auge ist braun, der Schnabel schwarz, die Wurzel des Unterschnabels rot, der Fuß lackrot; er findet sich in ganz Europa bis Dänemark, Livland, Esthland, im westlichen Mittelasien und Nordwestafrika, lebt bei uns einzeln an bewaldeten Flußufern und Bächen mit klarem Wasser, in den Alpen bis 1800 m, und bleibt, wenn das Wasser bei schnellem Lauf nicht zufriert, selbst im Winter, während er unter minder günstigen Verhältnissen wandert und dann bis Griechenland und Nordostafrika geht. Er hält sich stets sehr versteckt, schläft unter einer überhängenden Uferstelle oder in einer Höhlung, fliegt reißend schnell über das Wasser hin, nährt sich von kleinen Fischen, Krebsen und Kerbtieren, ist sehr gefräßig und stößt von seinem Sitz am Ufer aus pfeilschnell auf vorüberschwimmende Fische. Unver-^[folgende Seite]