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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Elbing-Oberländischer Kanal; Elbingerode; Elbogen; Elbrus

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Elbingerode - Elbrus.

Deutsch-Eylau, Marienburg, Riesenburg, Rosenberg, Stuhm und Tiegenhof), einer Reichsbankstelle und eines Hauptsteueramts. In hohem Grad anziehend sind die Umgebungen der Stadt, das romantische Vogelsang, die Waldspaziergänge bei Panklau und Kadienen mit ihren großartigen Aussichten und das Seebad Kahlberg auf der Frischen Nehrung.

E. entstand aus Ansiedelungen, namentlich von Lübecker und Bremer Kolonisten, um die 1237 von den Deutschen Rittern daselbst angelegte Burg. Die Stadt erlangte 1246 lübisches Recht, wurde frühzeitig in die deutsche Hansa aufgenommen und hob sich durch den Handel in kurzer Zeit zu hohem Wohlstand, sank aber wieder, als sie sich 1454 vom Deutschen Orden losriß und unter polnischen Schutz stellte. König Kasimir von Polen machte E. 1454 zum Sitz einer Woiwodschaft. Bereits 1523 entschied sich der Rat der Stadt für die Reformation, doch ward erst 1558 die freie Religionsübung den Protestanten gestattet. Infolge der Streitigkeiten mit den Katholiken übergaben die Protestanten die Stadt zweimal den Schweden, die sie erst 1660 wieder räumten. Im Vertrag zu E. vom 10. Sept. 1656 wurde Danzig von Holland und dem Großen Kurfürsten für neutral erklärt. 1698 nahm der Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg E., weil König Kasimir von Polen es 1657 um 400,000 Thlr. an dessen Vater verpfändet hatte, gab es aber, nachdem er 1700 durch Verpfändung der polnischen Reichskleinodien gesichert war, an Polen zurück. Als jedoch die auf 300,000 Thlr. herabgesetzte Pfandsumme von Polen nicht bezahlt ward, setzte sich Friedrich 1703 in den Besitz des Elbinger Stadtgebiets. Um dieselbe Zeit wurde die von aller Verteidigung entblößte Stadt von Karl XII. von Schweden überfallen, eingenommen und mit einer Brandschatzung von 260,000 Thlr. belegt. 1710 wurde E. von den Russen erobert und kam demnächst wieder an Polen. Ganz herabgekommen, erholte sich die Stadt erst wieder, als sie 1772 bei der ersten Teilung Polens an Preußen kam, zumal da Danzig noch bis 1793 bei Polen verblieb. Vgl. Fuchs, Geschichte der Stadt E. (Elbing 1818-52, 6 Tle.); Rhode, Der Elbinger Kreis in topographischer, historischer und statistischer Hinsicht (Danz. 1871).

Elbingerode, Stadt im Regierungsbezirk Hildesheim, Kreis Ilfeld, auf einem Plateau des Unterharzes und an der 1886 eröffneten Zahnradbahn Blankenburg a. H.-Tanne, 468 m ü. M., hat eine Kirche, eine Schloßruine, eine 1771 gegründete Industrieschule, Fabrikation von Zündhölzern und Zigarren, wichtigen Eisenerzbau am Tännichen und Gräfenhagener Berg und (1880) 2828 evang. Einwohner. In der Umgegend sind an der Bode mehrere Eisenwerke: zu Rothehütte, eins der bedeutendsten im Harz, zu Lukashof und Königshof (Stab- und Gußeisen), zu Neuehütte. In der Nähe ist auch die Stätte der alten Burg Bodfeld (s. d.). - Das Amt E. kam durch Kaiser Heinrich II. 1008 an das Kloster Gandersheim, das mit demselben die Grafen von Regenstein belehnte, welche ihre Rechte 1343 an die Grafen von Wernigerode verkauften. 1422 wurde Erich von Grubenhagen, 1596 aber Heinrich Julius von Wolfenbüttel von der Äbtissin damit belehnt. Durch die Teilung von 1635 kam E. an Friedrich von Celle, der es 1638 an Georg von Grubenhagen abtrat. So fiel es an Hannover. Nach der preußischen Besitznahme von Hannover (1866) wurde ein großer Teil der Waldungen 1867 an den Grafen von Stolberg-Wernigerode abgetreten.

Elbing-Oberländischer Kanal, Kanal in Westpreußen (s. Karte "Ost- und Westpreußen"), verbindet den Drausensee (s. d.) im Kleinen Marienburger Werder (und demnach die Stadt Elbing) mit den großen Seen auf der Höhe des Oberlandes, dem Geserich- und dem Drewenzsee. Er führt aus dem Drausensee durch die lange Seenreihe zwischen Mohrungen und Saalfeld, tritt bei Liebemühl durch eine 3 m hohe Schleuse in die Liebe und verzweigt sich in zwei Arme. Der eine, mit einer Schleuse bei Grünort, geht im Bette der Liebe nach S. zum Drewenz-, der andre zum Geserichsee und sendet Verzweigungen zum Gehl- und Ewingsee (Weinsdorfer Kanal). Der Kanal ist 1845-60 mit einem Kostenaufwand von 4½ Mill. Mk. angelegt worden und durch seine Bauwerke höchst merkwürdig. Von der Höhe des Oberlandes, woselbst die Seen 103 m ü. M. liegen, leiten nämlich vier schiefe Ebenen mit drei zwischen denselben liegenden Kanälen und außerdem fünf Schleusen zum Niveau des Drausensees (1,6 m) hinab. Auf jenen schiefen Ebenen, von denen die von Buchwalde 20, die von Kanthen 19, die von Schönfeld 24 und die von Hirschfeld 22 m fällt, werden die Kähne (29 m lang, 1,4 m breit und 1,6 m tief) auf Wagen durch Maschinen hinaufgezogen. Die Wagen, jeder 260 Doppelzentner schwer, gehen auf Geleisen. Durch den Abißgarsee, der 1 m unter dem Spiegel des Geserichsees liegt, ist für den Kanal ein 476 m langer Erddamm errichtet worden, der oben 39 m breit und zuweilen 19 m hoch ist; auf diesem Damm überschreitet der Kanal den See. Die ganze schiffbare Wasserstrecke, wenigstens 16 m breit und 1,3 m tief, beträgt einschließlich der Seen 176 km. Im J. 1884 fanden auf dem Kanal im ganzen 3108 Fahrten von Schiffen und Flößen statt, davon 1059 zu Berg und 2049 zu Thal. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist der Kanal für die großen Waldungen des Oberlandes und für die Landwirtschaft, deren Produkte in steigender Menge nach Elbing geführt werden, während zu Berg namentlich Steinkohlen, Salz, Eisenbahnschienen, Baumaterial, Heringe verschifft werden. Unter den Städten im Bereich des Kanalsystems, Saalfeld, Liebemühl, Osterode und Deutsch-Eylau, haben die beiden letztern durch die Thorn-Insterburger Bahn noch ganz besonders an Bedeutung gewonnen.

Elbogen (Ellbogen), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Falkenau, auf einem Felsen über der Eger, welche die Stadt in der Form eines Ellbogens (daher der Name) umfließt, mit hoch gespannter Kettenbrücke, durch eine Zweigbahn (Elbogener Lokalbahn) mit der Station Neusattel der Prag-Egerer Eisenbahn verbunden, von alten Mauern umgeben, hat ein altes Schloß, Steinelbogen (jetzt Gefängnis), eine Dechanteikirche, ein Rathaus, (1880) 3298 Einw., eine große Porzellanfabrik, eine Farbenfabrik, Bierbrauerei, Schuhwarenerzeugung, ein Bezirksgericht, Revierbergamt und eine Oberrealschule. E. verdankt seine Entstehung einem Markgrafen von Vohburg, kam 1470 an Sachsen, 1547 an Österreich und wurde königliche Freistadt. Die Bayern nahmen es 1621, die Sachsen 1631 ein. Im J. 1725 brannte E. größtenteils ab. An der Eger führt flußabwärts ein schöner Spaziergang zum sogen. Hans Heilings-Felsen (von Karlsbad vielbesucht). In der Umgebung von E. bedeutender Braunkohlenbergbau (1884 im Bergamtsbezirk von E. 3,5 Mill. metr. Ztr. Kohlenförderung), Fabrikation von Glasflaschen und Chemikalien. Vgl. Schlesinger, Chronik der Stadt E. (Prag 1879 ff.).

Elbrus (Elburus, der Strobylos der Alten), der höchste Berg im Kaukasus, auf der Grenze des Terek- und Kubangebiets, fast unterm 43.° östl. L. v. Gr., ein auf einem Plateau von 2488 m Höhe aufgesetzter