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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Elfenbein

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Elfenbein.

wegen. Auch in der modernen Poesie leben die E. noch fort. Ihr König ist hier Oberon (entstanden aus Alberich), ihre Königin Titania. Namentlich hat Shakespeare in seinem "Sommernachtstraum" das Treiben der E. poetisch verewigt; auch Goethes "Erlkönig" (d. h. Elfenkönig) gehört hierher. Andre elfische Wesen sind die Schrate oder Schratzen (Waldgeister), Nixe (Wassergeister, Brunnenholde), Kobolde (Hausgeister) etc. Vgl. Jak. u. Wilh. Grimm, Irische Elfenmärchen (Leipz. 1826); Croker, Fairy legends of the south of Ireland (neue Ausg., Lond. 1850); Keightley, Mythologie der Feen und E. (deutsch, Weim. 1828, 2 Bde.).

Elfenbein (lat. Ebur, engl. Ivory, franz. Ivoire), die Substanz der Stoßzähne der Elefanten. Diese in die Zwischenkieferknochen eingepflanzten und daher den Schneidezähnen der übrigen Säugethiere entsprechenden Zähne sind wurzellos und haben an ihrem in der Alveole steckenden untern Ende eine große, von der Zahnpulpe erfüllte, 25-50 cm tiefe Höhle, von welcher ihr Wachstum ununterbrochen ausgeht. Man unterscheidet an ihnen nur Zahnbein und Zement, während der Schmelz fehlt. Wie alle als Waffen und nicht zur Zermalmung der Nahrung dienenden Zähne, sind sie verhältnismäßig arm an Mineralsubstanz; sie enthalten davon 56-59 Proz., und zwar besteht dieselbe, wie bei Zähnen und Knochen überhaupt, aus phosphorsaurem mit sehr wenig kohlensaurem Kalk und ist innig verbunden mit leimgebender Substanz. E. bildet einen sehr wichtigen Handelsartikel und kommt meist aus Afrika, welches auch die größten Zähne liefert, die zugleich härter und von gedrungenerm Korn als die indischen, doch öfters rissig sind. Die Negerländer im obern Nilgebiet führen jährlich bedeutende Mengen E. aus. Chartum, El Obeïd und Massaua am Roten Meer sind wichtige Stapelplätze für diesen Handel. Von Massaua aus wird besonders das in Abessinien und in den Nilländern erbeutete E. verschifft und zwar zunächst nach Indien, weshalb auch die von dort kommende Menge E. größer ist, als sie sein könnte, wenn nur die Zähne des indischen Elefanten ausgeführt würden. Auch Berbera, Sansibar, Bengasi, Tripolis und das Kapland sind für den Elfenbeinhandel von Bedeutung, und in der neuern Zeit wird der Elefant auch an der ganzen Westküste verfolgt. In Asien liegt der Handel hauptsächlich in den Händen der Engländer, Holländer und Portugiesen; die wichtigsten Exportplätze sind Ceylon, Sumatra, Malakka und einige andre Gegenden Indiens. Das beste, aber sehr seltene E. ist das von Siam, welches schwer und von feinem, etwas röthlichem Korn ist. Aus den nördlichen Provinzen von Siam, Kambodscha, gewissen Teilen Birmas und von Tongking bringen die Dschonken von Siam und Fukian den größten Teil des chinesischen Bedarfs. Dem siamesischen zunächst an Wert steht das E. von Bombay, Parsismen Ivory, welches aber von Sansibar, Maskat etc. stammt. Im europäischen Handel erscheint meist nur afrikanisches E.; man berechnet, daß jetzt jährlich von der Ostküste 564,000 kg, von der Westküste 284,000 kg, also zusammen 848,000 kg im Wert von 15-17 Mill. Mk. nach Europa verschifft werden, was 65,000 getötete Elefanten ergibt. Von Marokko (von Timbuktu) kommen 8000 kg, Senegambien 5000, von der Pfeffer-, Zahn-, Gold- und Sklavenküste jetzt nur noch 14,000, vom Niger-Binuë-Becken 90,000, von Camerun und Gabun 64,000 kg (von letzterm kommt das schöne, transparente, sogen. grüne E.), vom Congobecken 86,000, von Benguela 24,000, Mossamedes 2000, von der Kapkolonie und Natal nur noch 29,000, von Mosambik 142,000, Sansibar 977,000, Berbera 7000, Massaua 19,000, Ägypten 148,000, Bengasi 5000 und Tripolis 18,000 kg. Ein großer Teil des im Handel vorkommenden Elfenbeins stammt vom Mammut und wird in Sibirien, besonders im nördlichen Teil desselben, auf der vierten Bäreninsel und auf der ersten der Ljächowschen Inseln ^[richtig: Ljachowschen Inseln], gegraben (ebur fossile, blaues E.). Nach Middendorfs ^[richtig: Middendorffs] Schätzung liefert das nördliche Sibirien jährlich über 20,000 kg fossiles E. Der Handel mit dem fossilen E. ist schon alt, und namentlich wurde es schon früh nach China exportiert. Dies E. ist sehr hart, aber von schlechter Farbe. Neben dem echten E. kommen gelegentlich auch die wuchtigen Backenzähne des Elefanten in den Handel. Wichtiger aber sind die Zähne des Nilpferdes, welche vom Kap, von der afrikanischen Ostküste, von Abessinien und Ägypten in den Handel kommen; sie sind 30-35 cm lang, wiegen 1-2 kg und bilden ein vorzügliches E., welches nie gelb wird. Da indes die Zähne weit hinein hohl sind, so taugen sie nur zu kleinen Gegenständen und werden daher fast ausschließlich zu künstlichen Zähnen verarbeitet. Es sollen deren jährlich 10 Ton. nach England gebracht werden. Ähnlich werden auch die 60-80 cm langen und 3-4 kg schweren, dichten, harten und blendend weißen Eckzähne des Unterkiefers vom Walroß (meist zu Stockgriffen) und die oft 2-3 m langen, schraubenartig gefurchten Stoßzähne des Narwals, welche härter als E. sind und schönere Politur annehmen, als E. verwertet.

Das echte E. kommt meist in 1-1,25 m langen, armsdicken u. 35-40, bisweilen über 80 kg schweren Zähnen vor, während 2,5 m lange Zähne zu den Seltenheiten gehören; es besitzt eine eigentümliche Struktur und läßt auf einer angeschliffenen Fläche charakteristische feine, rautenförmige Zeichnungen erkennen; es ist etwas durchscheinend mit einem Stich ins Gelbliche, bei jüngern Zähnen auch ins Grünliche, wird an der Luft gelb und verliert auch nach dem Bleichen nicht die Neigung, wieder nachzudunkeln. Es besitzt ein spezifisches Gewicht von 1,8-1,9, läßt sich sehr gut bearbeiten, ist zu den feinsten Schnitzereien geeignet und nimmt schöne Politur an (s. Elfenbeinschnitzerei). Wegen seiner Härte und Elastizität ist es das geeignetste Material zu Billardkugeln, für welche man stets die besten Kernstücke aussucht. Elfenbeintafeln benutzt man zu Miniaturgemälden, auch zu Photographien; große Platten zu Furnieren werden aus den hohlen Teilen der Zähne hergestellt, indem man diese der Länge nach aufschneidet, platt ausbreitet und dann mit Kreissägen zerteilt. Man schleift E. mit nassem Schachtelhalm und fein geschlämmtem Bimsstein und poliert es mit geschlämmtem Trippel und Seife oder mit geschlämmter Kreide oder Wiener Kalk. Zum Bleichen dient Chlorkalklösung, heißer Kalkbrei oder eine Mischung von 1 Teil Terpentinöl mit 3 Teilen Alkohol, welche einige Tage an der Sonne gestanden hat. Durch Kochen in Farbenbrühen läßt sich E. verschieden färben. Bei Luftabschluß erhitzt, gibt das E. eine schwarze Masse (Elfenbeinschwarz, gebranntes E.), welche schon von Apelles als schwarze Farbe benutzt wurde, gegenwärtig aber meist durch Knochenkohle ersetzt wird. Vgl. Andés, Verarbeitung des Horns, Elfenbeins etc. (Wien 1885). Das beste Elfenbeinsurrogat bilden neben dem Celluloid (s. d.) die Elfenbeinnüsse (Steinnüsse, Corossos-, Corusco-, Taguanüsse, vegetabilisches E.) von der südamerikanischen