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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Elfenbein, gebranntes - Elfenbeinschnitzerei.

Phytelephas macrocarpa. Diese haben die Größe von Tauben- oder Hühnereiern, sind unregelmäßig rundlich und bestehen aus einer harten, gleichmäßig weißen, etwas durchscheinenden Masse, die sich recht gut bearbeiten läßt. Man verarbeitet sie auf kleinere Gegenstände, besonders auch auf Knöpfe, und kann sie sehr dauerhaft färben, wenn man sie durch kurze Einwirkung konzentrierter Schwefelsäure oberflächlich in eine dem Pergamentpapier ähnliche Masse verwandelt. In neuerer Zeit sind auch die Früchte der brasilischen Mützenpalme, Manicaria saccifera Gärtn., und einer Sagopalme der Südseeinseln (besonders der Tongainseln), Sagus amicorum Wendl., als Elfenbeinsurrogat eingeführt worden. Elfenbeinmassen, aus Gips und andern mineralischen Substanzen mit verschiedenen Bindemitteln hergestellt, sind in großer Zahl vorgeschlagen warden. Gipsabgüsse aus reinem, gebranntem Marienglas tränkt man mit schwach gefärbtem Stearin oder Paraffin, wodurch sie ein elfenbein- oder wachsähnliches Ansehen erhalten. Elfenbeinpapier zu Miniaturmalerei besteht aus mehreren aufeinander geleimten Lagen guten Zeichenpapiers und erhält nach dem Abschleifen mit Glaspapier einen Anstrich aus feinstem Gips und Leimwasser, der nach dem Trocknen glatt geschliffen wird, worauf man das Papier noch dreimal mit schwachem Leimwasser tränkt.

Elfenbein, gebranntes, s. Elfenbein und Elfenbeinschwarz.

Elfenbeinküste, s. Guinea.

Elfenbeinmasse, s. Elfenbein, Enkaustieren.

Elfenbeinnüsse, s. Elfenbein.

Elfenbeinpalme, s. Phytelephas.

Elfenbeinpapier, s. Elfenbein.

Elfenbeinporzellan, eine Parianmasse (s. d.), welche in Glanz und Ton altem Elfenbein ähnlich ist. Sie wurde zuerst in der königlichen Porzellanmanufaktur zu Worcester dargestellt und später auch in der Berliner Manufaktur und anderswo nachgeahmt.

Elfenbeinschnitzerei, die Kunst, in Elfenbein Ornamente und Figuren zu schneiden. Die E. geht in sehr frühe Zeiten zurück; wir können sie im Occident bis in die sogen. prähistorische Zeit verfolgen. Man findet Elfenbeinarbeiten bereits mit Steinwerkzeugen der ältern Steinzeit zusammen: das sind außer einigen Nadeln etc. jene merkwürdigen, auf Mammutzähne geritzten Zeichnungen von Renntieren, welche in gewissen Höhlen Frankreichs gefunden worden sind. Auch die Pfahlbauten haben Elfenbeinschnitzereien geliefert. Sicher datierbare Stücke kennen wir zunächst von den Ägyptern: allerlei Geräte, Griffe, kleine Büchsen, Nadeln und Toilettengegenstände, mit Flachrelief verzierte Platten zur Bekleidung von Gegenständen, auch kleine Statuetten, deren eine ins 11. Jahrh. v. Chr. hinaufreicht, u. a. Auch assyrische Elfenbeinschnitzereien kommen vor. Im Alten Testament wird die Verwendung von Elfenbein öfters erwähnt; hier haben wir an eine Verkleidung eines meist hölzernen Kerns mit Elfenbeinplatten zu denken. Das berühmteste Werk hebräischer E. war der Thron des Salomo (1. Könige 10, 18). Die Griechen kannten das Elfenbein lange, bevor sie mit dem Elefanten bekannt wurden; Homer erwähnt seine Verwendung zum Schmuck verschiedener Gegenstände häufiger, sowohl als glänzend weißes Material wie auch gefärbt. Am Kasten des Kypselos (also in historischer Zeit) finden wir gleichfalls Elfenbein, wie es denn früh speziell für Verzierung der Götterbilder besonders Verwendung fand. Am bekanntesten ist die Verwendung des Elfenbeins in der sogen. chryselephantinen Technik, d. h. es wurden Götterbilder, meist kolossale, aus Gold und Elfenbein hergestellt derart, daß die nackten Fleischteile aus Elfenbein, die Gewandung etc. aus Gold verfertigt und auf einem hölzernen Kern befestigt waren. S. Goldelfenbeinkunst. Bei den Römern finden wir E. früh erwähnt; der kurulische Sessel war aus Elfenbein, ferner der Stab der Könige u. a. Mit dem zunehmenden Luxus, der Ausdehnung des römischen Reichs und der reichern Zufuhr von Elfenbein (man kannte übrigens auch schon fossiles; Plin., 36, 29) nahm auch die E. an Ausdehnung zu. Musikinstrumente: Flöten, Leiern etc., von Elfenbein waren etwas Gewöhnliches und vielfach noch mit Edelsteinen geziert. Die Furnierung von Möbeln, Schmucksachen mit Elfenbein war allgemein; auch schnitzte man Tischfüße und Verwandtes aus dem vollen Material, fertigte Bettstellen daraus. Neben Götterfiguren schnitzte man Reliefs und ganze Reiterstatuen von Feldherren oder Kaisern in Elfenbein. In der Kaiserzeit findet die E. besondere Verwendung zum Schmuck der Diptychen, welche die Konsuln beim Antritt des Amtes als besondere Auszeichnung zu verschenken pflegten. Diese aus zwei Platten bestehenden, durch ein Scharnier zum Aufklappen eingerichteten Schreibtafeln sind an den Außenseiten gewöhnlich mit dem Bildnis des betreffenden Konsuls in irgend einer amtlichen Handlung in E. geschmückt. Die frühchristliche Kunst brachte die E. zu hoher Vollendung; sie arbeitete durchaus in den Traditionen der altklassischen Kunst, ohne selbst neue Formen der Darstellung zu erfinden. Man schmückte die heiligen Geräte: Hostienbüchsen, kleine Klappaltäre, Einbände für die heiligen Schriften etc., mit E. Die Elfenbeinschnitzereien jener Zeit sind heute die wichtigsten, zum Teil einzigen erhaltenen plastischen Denkmäler der frühchristlichen Kunst und daher von größtem Wert. Im Zentrum der byzantinischen Kunst, zu Ravenna, trieb auch die E. ihre schönsten Blüten: der Bischofsstuhl des Maximianus (546-552) im Dom daselbst darf als Meisterwerk dieser Technik gelten.

Mit dem Vordringen christlicher Kultur über die Alpen gelangte auch die E. nach dem Norden, mit ihr der Stil und Geist der ausgehenden klassischen Kunst. Am Hof Karls d. Gr. blühte die E. gleichfalls. Im 11. und 12. Jahrh. war die Kunst der E. allgemein verbreitet. Kruzifixe, Haus- und Reisealtäre; Statuen, Bischofsstäbe und -Ringe, Prachtsättel, Schmuckkästchen und Toilettengerät sind uns vielfach erhalten. Namentlich bei Bucheinbänden pflegte man gern in die Mitte des mit Edelsteinen geschmückten Deckels eine geschnitzte Elfenbeinplatte einzulegen. Die ganzen Elefantenzähne bedeckte man über und über mit Schnitzerei, höhlte sie aus und benutzte sie als Jagd- oder Trinkhörner; hier sind orientalische Vorbilder nicht ohne Einfluß gewesen. Die orientalischen Elfenbeinschnitzereien kamen durch die Kreuzfahrer in größern Mengen nach dem Abendland, sowohl als Kuriositäten wie vor allem als Behälter für Reliquien; letztere meist in Form rechteckiger Kästchen mit mannigfachem Dekor, häufig mit Goldmalerei oder eingeritzten Ornamenten geziert, welche den alten Stoffmustern entlehnt sind; seltener sind diese Kästchen geschnitzt, dann aber von großer Schönheit und Vollendung in der Ausführung. Das Stammland dieser Arbeiten ist das neupersische Reich, wie Ornamente u. Darstellungen lehren. - Die Übergangsperiode zeigt die E. nicht in dem Umfang wie die romanische Zeit, doch besitzen wir einige kostbare figürliche Arbei-^[folgende Seite]