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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Elisabeth

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Elisabeth (Österreich, Pfalz, Preußen, Rumänien, Rußland).

Revolutionstribunal gezogen wurde. Außer der Teilnahme an den Verschwörungen der Capets gegen Frankreich des Diebstahls der Krondiamanten beschuldigt, ward sie 10. Mai von dem Konvent verurteilt und unmittelbar darauf zur Guillotine abgeführt. Vgl. Beauchesne, La vie de Mad. É. (2. Aufl., Par. 1871).

[Österreich.] 5) E. Amalie Eugenie, Kaiserin von Österreich, geb. 24. Dez. 1837, älteste Tochter des Herzogs Maximilian Joseph in Bayern, wurde 24. April 1854 mit dem Kaiser Franz Joseph I. von Österreich vermählt, dem sie drei Kinder gebar. Eine schöne, majestätische Erscheinung, wußte E. namentlich in Ungarn, als dessen Königin sie 8. Juni 1867 gekrönt wurde, die Sympathien des Volkes, besonders der höhern Schichten, sich zu erwerben. Sie ist eine große Liebhaberin des Sports und eine ausgezeichnete Reiterin.

[Pfalz.] 6) Kurfürstin von der Pfalz und Königin von Böhmen, Tochter König Jakobs I. von England, geb. 19. Aug. 1596, vermählte sich 1613 mit Friedrich V. von der Pfalz und bewog diesen zur Annahme der Krone von Böhmen. Mit ihren Kindern teilte sie nach der Schlacht am Weißen Berg das unglückliche Los ihres Gatten. Umsonst suchte sie Herzog Christian von Braunschweig in ihre Lande wieder einzusetzen, auch bei ihrem Vater in England fand sie keine Hilfe. Seit 1632 verwitwet und in Holland lebend, kehrte sie nach Karls II. Thronbesteigung nach England zurück, wo sie 23. Febr. 1662 in London starb. Vermöge der durch sie begründeten Verwandtschaft kam ihr Enkel von weiblicher Linie, Georg I., Kurfürst von Hannover, auf den englischen Thron. Vgl. Miß Benger, Memoirs of Elizabeth Stuart, queen of Bohemia (Lond. 1825).

7) Pfalzgräfin bei Rhein, Äbtissin von Herford, geb. 26. Dez. 1618 zu Heidelberg, älteste Tochter des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz und der vorigen, wurde von ihrer Großmutter, Kurfürstin Juliane, Prinzessin von Oranien, dann seit 1627 im Haag von ihrer Mutter erzogen und wandte sich in dem Elend der Verbannung früh ernsten Lebensanschauungen und der Wissenschaft zu. Sie trat mit Anna v. Schürmann, dann mit Cartesius in Verbindung, ward dessen eifrigste Schülerin und stand bis zu seinem Tod mit ihm in lebhaftem Briefwechsel. Nachdem sie längere Zeit am Hof ihres Vetters, des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, dann in Kassel gelebt, ward sie 1661 zur Koadjutorin der Reichsabtei Herford gewählt und 1667 Äbtissin. Da sie inzwischen sich mehr und mehr einer schwärmerisch-mystischen Richtung zugewandt, nahm sie 1670 die Labadisten, dann auch Quäker in Herford auf, deren mystische Exzentritäten jedoch bei der lutherischen Bevölkerung großen Anstoß erregten. Sie starb 8. Okt. 1680.

[Preußen.] 8) E. Christine, Königin von Preußen, Tochter des Herzogs Ferdinand Albert von Braunschweig-Wolfenbüttel, geb. 8. Nov. 1715, ward 12. Juni 1733 in Salzdahlum mit dem Kronprinzen von Preußen, spätern König Friedrich II., vermählt und lebte bis zu dessen Thronbesteigung mit demselben in Neu-Ruppin und Rheinsberg. Nach dem Tod seines Vaters (1740) entsagte Friedrich dem Familienleben in der ihm aufgezwungenen, übrigens kinderlosen Ehe. E. lebte in Schönhausen bei Berlin, das der König nie besuchte, und sah ihren Gemahl nur bei Galafesten in Berlin. Sie starb 13. Jan. 1797. Sie beschäftigte sich viel mit Litteratur und verfaßte auch einige moralische Schriften in französischer Sprache. Vgl. Hahnke, E., Königin von Preußen, Gemahlin Friedrichs d. Gr. (Berl. 1848).

9) Königin von Preußen, geb. 13. Nov. 1801, war die Tochter des Königs Maximilian I. von Bayern, Zwillingsschwester der verwitweten Königin Amalie von Sachsen (gest. 8. Nov. 1877), Schwester der Erzherzogin Sophie von Österreich (gest. 28. Mai 1872). Am 29. Nov. 1823 vermählte sie sich mit dem Kronprinzen, nachmaligen König Friedrich Wilhelm IV., von Preußen und nahm an dessen geistigen Interessen, namentlich an seinen Bestrebungen für Kunstzwecke, den innigsten Anteil. 1824 trat sie zur evangelischen Kirche über. Seit 1840 Königin von Preußen, war sie nicht ohne Einfluß auf die preußische Politik, indem sie für die Erhaltung enger Freundschaft zwischen Preußen und Österreich thätig war. Friedrich Wilhelm IV. war sie eine musterhafte Gattin und während seines langen Krankenlagers eine treue Pflegerin. Nach dem Tode desselben, 2. Jan. 1861, führte sie auf ihren Witwensitzen Sanssouci, Charlottenburg und Stolzenfels ein stilles, dem Andenken an ihren Gemahl in geräuschloser Wohlthätigkeit gewidmetes Leben, von ihrem Schwager, Kaiser Wilhelm, mit großer Aufmerksamkeit und wahrer Freundschaft behandelt. Bei einem Besuch bei ihrer Schwester, der Königin Amalie von Sachsen, starb sie 14. Dez. 1873 in Dresden. Ihre Überreste wurden 21. Dez. in der Friedenskirche zu Potsdam beigesetzt. Vgl. v. Reumont, E., Königin von Preußen (Berl. 1874); L. Hesekiel, E. Luise (das. 1881).

[Rumänien.] 10) E. Ottilie Luise, Königin von Rumänien, geb. 29. Dez. 1843 auf dem Schloß Monrepos bei Neuwied als die Tochter des Fürsten Hermann zu Wied-Neuwied, seit 15. Nov. 1869 mit dem damaligen Fürsten, jetzigen König von Rumänien, Carol I., vermählt. Unter dem Namen Carmen Sylva ist sie als geist- und phantasievolle Dichterin aufgetreten und hat auch eine rege journalistische Thätigkeit in deutscher Sprache entfaltet. Es erschienen von ihr: "Rumänische Dichtungen" (Übersetzungen, hrsg. von Mite Kremnitz, Leipz. 1881); "Stürme", Dichtungen (Bonn 1881); "Ein Gebet", Novelle (Berl. 1882); "Jehova" (Leipz. 1882); "Die Hexe" (Berl. 1882); "Leidens Erdengang", ein Märchenkreis (das. 1882); "Pelesch-Märchen" (auch u. d. T.: "Aus Carmen Sylvas Königreich", Leipz. 1883); "Meine Ruh", lyrische Gedichte (2. Aufl., Berl. 1886, 4 Bde.); "Handzeichnungen", Skizzen (das. 1884); "Mein Rhein", Dichtungen (Leipz. 1884); "Astra", Roman (Bonn 1886). Vgl. Kremnitz, Carmen Sylva (Berl. 1882); v. Stackelberg, Aus Carmen Sylvas Leben (4. Aufl., Heidelb. 1886).

[Rußland.] 11) E. Petrowna, Kaiserin von Rußland, Tochter Peters d. Gr. und Katharinas I., geb. 18. Dez. 1709, wurde, weil vor dem formellen Abschluß der Ehe ihrer Eltern geboren, mehrmals bei Gelegenheit der Besetzung des erledigten Throns, 1727, 1730 und 1740, übergangen und scheint anfangs von Herrscherstolz frei gewesen zu sein. Sie ließ es, ihren Vergnügungen hingegeben, geschehen, daß die Herzogin von Kurland, Anna Iwanowna (s. Anna 7), den Thron bestieg und 1740 den Sohn des Prinzen Anton Ulrich von Braunschweig-Bevern und ihrer Nichte Anna, Iwan, zu ihrem Nachfolger unter der Regentschaft Birons ernannte, ebenso daß letztgenannte Anna, nach Birons Verbannung, sich zur Regentin während der Minderjährigkeit ihres Sohns ausrufen ließ. Erst als sie während der Regentschaft der Anna Leopoldowna bei Hof eine untergeordnete Rolle spielen mußte und Gelegenheit hatte, sich