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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ellrich; Ellstätter; Ellwangen; Elm

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Ellrich - Elm.

kenswerteste; sie ist in brahmanischem Stil gehalten, die darin aufgestellten phantastischen Gottheiten sind siwaitische und die Erbauer wohl Siwaiten. Elefanten in Lebensgröße, kolossale Löwen und barocke Tiergestalten, zum Teil in Relief, zum Teil in voller Gestalt aus dem Felsen gehauen, scheinen, aus einiger Ferne betrachtet, das Ganze zu tragen. "Die Skulpturen zeichnen sich vor allen sonstigen indischen Werken dieser Art durch ihre Schönheit und die Vortrefflichkeit ihrer technischen Ausführung aus und können den vorzüglichsten Leistungen der Griechen unbedenklich gleichgesetzt werden." (S. die Tafeln "Baukunst I", Fig. 8-10; "Bildhauerkunst I", Fig. 12.) Vgl. Lassen, Indische Altertumskunde, Bd. 4 (Leipz. 1861), und die architektonischen Werke von Fergusson.

Ellrich, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Nordhausen, Hauptort der Grafschaft Hohnstein, an der Zorge und am südlichen Abhang des Harzes sowie an der Linie Northeim-Nordhausen der Preußischen Staatsbahn, in reizender Gegend, hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht, ein Spital und (1880) 3038 Einw., welche Ackerbau, Wollzeugweberei, Schuhleisten- und Gipsfabrikation treiben. In der Nähe Gipsbrüche.

Ellstätter, Moritz, bad. Minister, geb. 11. März 1827 zu Karlsruhe, besuchte das Lyceum daselbst, studierte in Heidelberg und Bonn die Rechte, lernte sodann bei der Diskontobank in Berlin das Bankgeschäft, ließ sich in Durlach als Rechtsanwalt nieder, trat 1864 in den Staatsdienst über und ward Rat am Kreis- und Hofgericht in Mannheim, 1866 von Mathy als Rat in das Finanzministerium berufen, nach Mathys Tod 1868 dessen Nachfolger als Chef des Finanzministeriums, 1871 Mitglied des Bundesrats und Referent über die Münzgesetze.

Ellwangen, Hauptstadt des württemberg. Jagstkreises, eine der sogen. guten Städte, in einem freundlichen Thal (Virngrund) an der Jagst und Obern Jagstbahn, ist Sitz der Kreisregierung, eines Landgerichts (für die sieben Amtsgerichte zu Aalen, E., Gmünd in Württemberg, Heidenheim, Neresheim, Schorndorf und Welzheim) und eines Oberamtes, hat ein Gymnasium, eine Realschule, reiche Stiftungen, mehrere ehemalige Klöster und 6 Kirchen (darunter eine evangelische und unter den katholischen die Stiftskirche in romanischem Stil [1100-1124] und die St. Wolfgangskirche) und (1880) 4697 meist kath. Einwohner, welche Pergamentpapier-, Blechspielwaren-, Klärspäne- u. Schachtelfabrikation, Wachsbleicherei, Gerberei, Bierbrauerei, Hopfenbau treiben und bedeutende Viehmärkte unterhalten (der sogen. Kalte Markt, im Januar, ist ein berühmter Pferdemarkt). Die zahlreichen Türme geben der Stadt ein großartiges Ansehen. Auf einem der beiden Hügel, zwischen denen die Stadt liegt, steht das 1354 erbaute Schloß Hohen-E. (seit 1843 Sitz einer Ackerbauschule für den Jagstkreis), auf dem andern, dem Schönen Berg, die im Jesuitenstil erbaute Wallfahrtskirche der Maria von Loreto. - E. war bis 1802 die Hauptstadt der gefürsteten Propstei E., die vor 1803: 385 qkm (7 QM.) mit 25,000 Einw. und ungefähr 120,000 Gulden Einkünften umfaßte. Das Kloster soll bereits 764 von Herulf, Bischof von Langres, gestiftet sein, ist aber erst 814 urkundlich nachweisbar. Später gewann es ausgedehnte Besitzungen und Lehnrechte in Schwaben, Baden und Bayern. Unter den Äbten ragt Kuno (1188-1221), ein vertrauter Ratgeber König Friedrichs II., hervor. 1459 wurde die Abtei mit Bewilligung des Papstes Pius II. säkularisiert und in ein Ritterstift verwandelt, an dessen Spitze der bisherige Abt nun als gefürsteter Propst trat, der seinen Sitz im Reichsfürstenrat auf der geistlichen Fürstenbank hatte. Durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 kam E. an Württemberg. Von seiner Stiftung an bis 1803 zählte E. 50 Äbte und 20 Fürstbischöfe, deren letzter Klemens Wenzel, Prinz von Sachsen (gest. 1812), war. Vgl. Seckler, Beschreibung der gefürsteten Reichspropstei E. (Stuttg. 1864).

Elm (Elmwald), ein 22 km langes, 8 km breites Waldgebirge im Herzogtum Braunschweig, nördlich vom Harz, mit dem 327 m hohen Kuxberg im Hörnchen. Am Fuß des Gebirges finden sich bedeutende Braunkohlenlager vor.

Elm, Kirchdorf im schweizer. Kanton Glarus, 980 m ü. M., im obern Sernfthal, meist am linken Ufer des Sernf (zur Linth) gelegen, rings von hohen Gebirgen (Freiberge mit dem 2797 m hohen Kärpfstock im W., Hausstock, 3152 m, im SW., Vorab, 3025 m, im S., Piz Segnes oder Tschingelspitz, 3118 m, im O.) umgeben, durch Poststraße mit Schwanden an der Eisenbahn Glarus-Linththal verbunden, hatte 1880 noch 1028 meist reform. Einwohner, ist aber durch den Bergsturz vom 11. Sept. 1881 teilweise zerstört worden. Südöstlich vom Dorf E. erhebt sich der Tschingel, ein sehr steil gegen N. abfallender Berg, an dessen Fuß die Gemeinde einen Schieferbruch ausbeutete. Von diesem Berg löste sich am genannten Tag der ganze Nordrand ab und begrub alles unter mächtigen Schutt- und Felsmassen. Das Hauptabrißgebiet ist 400 m, die tiefste entstandene Nische 350 m breit. Die Länge des Schuttstroms, der sich über den ziemlich ebenen bebauten Thalboden ausgebreitet hat, beträgt 1500 m, die Breite schwankt zwischen 300 und 400 m, die mit Schutt bedeckte Thalbodenfläche mißt ca. 570,000 qm, und die Masse des Schuttes berechnet sich auf wenigstens 10 Mill. cbm. Der oberste Rand des Abrisses liegt 620 m über der Thalsohle. Es sind 22 Wohnhäuser, 50 Ställe, 4 Magazine und 4 Arbeitshäuser verschüttet und 114 Menschen getötet worden.

Die Ursache des Bergsturzes ist vornehmlich in dem geologischen Bau des obern Sernfthals zu suchen. Von Engi ab bis über E. hinaus besteht die Hauptmasse der Berge aus grauem, weichem, nur lokal durch härtere Bänke unterbrochenem Schiefer, welcher der untern Tertiärformation angehört. Nur die höchsten Spitzen der das Thal umgebenden Berge tragen eine Decke oder Kappe von rotem Sernfsandstein, in der Regel durch eine Kalkschicht vom unterliegenden Schiefer scharf getrennt. Das Kalkgestein, welches als Unterlage des Sandsteins auftritt, gehört zur obern Juraformation, der versteinerungslose Sernfsandstein aber zur Perm- oder Dyasformation, und somit zeigen sich im Sernfthal die Sedimente in vollkommen verkehrter Stellung: die jüngsten Schichten liegen in der Tiefe, von den Schichten älterer Formationen überlagert. In der That sind von NW. und in gleicher Weise von SO. die ältern Sedimente, vorab Sernfsandstein und der Hochgebirgskalk, über die weit jüngern eocänen Schiefer in doppelter Falte heraufgehoben u. herübergedrängt worden. Während zwischen Schwanden und Engi die Schiefer an der Thalsohle auftreten, steigen sie thalaufwärts immer höher und erreichen über E. die Höhe von mehr als 2200 m, d. h. sie finden sich noch 600 m höher als die Abrißstelle des Bergsturzes. Immer aber geht die Fallrichtung der einzelnen Schieferschichten nach SO. oder SSO., so daß dieselben im Plattenbruch und in Abhängen oberhalb E. nicht gegen das Dorf, sondern in den Berg hinein sich senken. Dabei ist das Gestein aber von sehr vielen Klüften quer