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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Embryosack

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Embryosack.

tel des Knospenkerns liegt. Dieselbe streckt sich und wird zur Anfangs- oder Initialzelle der Embryosackbildung, indem sie entweder zunächst eine obere Zelle abgrenzt, die Tapetenzelle, die sich weiter teilen kann, oder selbst direkt zur Mutterzelle des Embryosackes wird. Letztere erzeugt zunächst 2-6 Tochterzellen (Fig. 1), von denen stets nur die unterste zur Embryosackzelle auswächst, während die übrigen verschleimen und von dem sich mächtig vergrößernden E. verdrängt werden. Bisweilen kommt auch eine mehrfache Zahl von Embryosackmutterzellen vor. Die weitern Vorgänge in der Embryosackzelle stimmen sowohl bei Monokotylen als Dikotylen in den Hauptzügen überein. Der Zellkern des Embryosackes teilt sich zunächst in zwei Kerne (Fig. 2) und jeder derselben wieder in zwei Kerne (Fig. 3), von denen je ein Paar an das obere und untere Ende des Embryosackes zu liegen kommt. Am obern Ende entstehen durch nochmalige Teilung vier Kerne (Fig. 4), zwei derselben erzeugen die Gehilfinnen oder Synergiden, d. h. Zellen, welche bei der Befruchtung eine vermittelnde Rolle spielen; der dritte Kern oder Eikern bildet den Anfang der spätern Eizelle, der vierte endlich (der obere Polkern) ist zur Vereinigung mit einem am untern Embryosackende gelegenen ähnlichen Kern bestimmt. An diesem untern oder Chalazaende entstehen durch Zweiteilung ebenfalls vier Kerne (Fig. 5), von denen drei als Antipodenkerne die Antipodenzellen oder Gegenfüßlerinnen erzeugen, während der vierte (der untere Polkern) sich später mit dem gleichnamigen obern vereinigt. Dies geschieht unabhängig von der Befruchtung in der Regel durch gegenseitige Annäherung der Kerne (Fig. 6), die dann schließlich zu einem einzigen Kern (Zentralkern) verschmelzen (Fig. 7). Die weitern Teilungen des Zentralkerns liefern die Ausgangspunkte für die Bildung des Endosperms, das also nicht, wie früher angenommen wurde, durch freie Zellbildung entsteht. Am Scheitelende des Embryosackes entwickeln sich die Synergiden oder Gehilfinnenzellen als zugespitzte, im vordern Ende einen Zellkern enthaltende Zellen, während das Ei vorn mit breiter Fläche der Wand des Embryosackes anliegt. Bisweilen durchbrechen die Gehilfinnen den Scheitel des Embryosackes und ragen dann frei in die Mikropyle der Samenknospe hinein. Eine eigentümliche Streifung dieser Zellen, die unter anderm bei Crocus und Gladiolus sehr deutlich ist, hat früher zu der irrtümlichen Annahme eines sogen. "Fadenapparats" Veranlassung gegeben. Nach stattgefundener Bestäubung gelangt der Pollenschlauch zu den Gehilfinnen, legt sich fest an dieselben an, das Protoplasma einer derselben oder beider verändert sich, wird trübe, ihr Zellkern schwindet, schließlich geben sie ihre Gestalt auf und werden resorbiert, während sich das Ei mit einer Cellulosehaut umkleidet und damit zur Urzelle des spätern Embryos (s. d.) geworden ist. Eine merkwürdige Abweichung von dem geschilderten Verhalten kommt bei Santalum album vor, wo zwei Eier innerhalb des Embryosackes durch wiederholte Teilung des Eikerns gebildet werden. Auch können bei einigen Pflanzen, wie Funkia ovata, Allium fragrans, Citrus-Arten, einzelne Zellen des Knospenkerns in der Umgebung des Embryosackes nach geschehener Befruchtung in die Höhlung des Embryosackes sich hineinwölben und durch weitere Teilung Adventivembryonen anlegen, ein Fall, der auch als Polyembryonie bezeichnet wird. Auch durch Ausbildung zweier Eier in demselben E. kommt dieselbe bei einigen Orchideen zu stande. Vgl. Strasburger, Die Angiospermen und die Gymnospermen (Jena 1879); Derselbe, Über Zellbildung und Zell-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1. Innere Partie der Samenknospe von Monotropa mit Embryosackzelle und zwei Schwesterzellen derselben.]

^[Abb.: Fig. 2. Ein ähnlicher Zustand von Monotropa wie Fig. 1, aber mit einem in Teilung begriffenen Embryosackskern.]

^[Abb.: Fig. 3. Embryosack von Monotropa mit zwei in Teilung begriffenen Zellkernen.]

^[Abb.: Fig. 4. Embryosack von Monotropa mit vier in Teilung begriffenen Zellkernen.]

^[Abb.: Fig. 5. Embryosack von Monotropa, der den Eiapparat und die Gegenfüßlerzellen angelegt hat.]

^[Abb.: Fig. 6. Ausgebildeter Embryosack von Monotropa, in welchem die freien Kerne noch nicht verschmolzen sind.]

^[Abb.: Fig. 7. Embryosack von Monotropa mit verschmolzenem Kern.]