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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Emissionstheorie; Emittieren; Emm-Å; Emma; Emma Mine; Emmanuel-Papa; Emmaus; Emme; Emmeleia; Emmenagoga; Emmendingen; Emmenien; Emmenthal

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Emissionstheorie - Emmenthal.

jenige, welcher ein Papier ausgibt. Emissionshaus, das Bankhaus, welches die Anleihe übernommen hat und zur öffentlichen Subskription auflegt. Emissionskurs, der Preis, zu welchem die Papiere begeben werden. - E. im physikalischen Sinn, s. Ausstrahlung.

Emissionstheorie, s. Licht.

Emittieren (lat.), aussenden, verbreiten (vgl. Emission).

Emma (Imma), nach der Sage Karls d. Gr. Tochter, welche die heimliche Gemahlin des Geschichtschreibers Einhard gewesen sein soll; ein alter Chronist aus dem Kloster Lorsch weiß sogar, daß sie ihren Geliebten bei Nacht über den Hof getragen habe, damit nicht die Spuren im frisch gefallenen Schnee dessen Tritte verrieten, daß aber der Kaiser die Szene beobachtet und dann den Liebenden großmütig verziehen habe. Diese Sage ist aber ohne geschichtlichen Grund, da Einhards Gemahlin E. nicht Karls d. Gr. Tochter war, und entstand wohl daraus, daß Karls d. Gr. Tochter Bertha mit dem Dichter Angilbert in heimlicher Ehe lebte, dem sie zwei Söhne gebar. Vgl. Einhards "Leben Karls d. Gr." (deutsch von Abel, 2. Aufl., Berl. 1880).

Emm-Å (spr. -oh), Fluß in den schwed. Länen Jönköping, Kronoberg und Kalmar, bildet die Seen Nömmen, Ryningen u. a. und mündet zwischen Påskallavik und Mönsterås nach einem Laufe von 140 km in den Kalmarsund.

Emma Mine (spr. mein), berühmte Silbermine im nordamerikan. Territorium Utah, im Little Cottonwood Canon, 40 km östlich von Salt Lake City.

Emmanuel-Papa, griech. Freiheitskämpfer, geb. 1772 zu Serres, hatte als Hofbankier der türkischen Gewalthaber Ismael Bei und Jusuf Pascha wohlthätigsten Einfluß auf das Los der Christen. Ein Zerwürfnis mit Jusuf Pascha führte ihn 1817 nach Konstantinopel. Dort wurde er Mitglied des Geheimbundes "Philike Hetaeria" und übernahm die Vorbereitung und Führerschaft des makedonischen Aufstandes, unterstützt von zwei ausgezeichneten Geheimräten, Demetrios von Stagira und Johannes Hatzi Petru. Beim Herannahen von Jusuf Bei und Bayram Pascha nahm er sein Hauptquartier in Kassandreia und schiffte sich nach Hydra ein, um von Ypsilanti Schiffe und Hilfsleistungen zu erwirken. Doch starb er plötzlich im Schiff unweit Kaphereus und ward in Hydra begraben. Er hatte der Sache der Freiheit mehr als 1 Mill. geopfert, und sein Tod ist als Grund des Mißlingens des makedonischen Aufstandes von 1821 anzusehen. 1843 wurde ihm von der ersten konstitutionellen Volksversammlung in Athen als "Protagonisten" der Befreiung eine Gedenktafel im Abgeordnetenhaus gesetzt. Vgl. Philippides, Über den Aufstand Makedoniens im Jahr 1821 (Athen 1881, Bd. 1).

Emmaus, 1) Flecken im alten Judäa, unweit Jerusalem (Luk. 24, 13), wurde nach Beendigung des jüdischen Kriegs mit einer Kolonie von 800 römischen Veteranen besetzt; wahrscheinlich das heutige Kolonieh, nordwestlich von Jerusalem, während die mittelalterliche Tradition E. in Kubebeh (nordwestlich von Kolonieh) sucht. -

2) Stadt, halbwegs zwischen Jerusalem und Jaffa, in der Geschichte der Makkabäer (1. Makk. 3, 40 und 57) erwähnt, wurde von Quintilius Varus verbrannt, aber 223 n. Chr. als Nikopolis wieder aufgebaut; bisweilen mit dem vorigen verwechselt, jetzt Dorf Amwâs.

Emme, zwei Flüsse des schweizer. Rheingebiets: die Große E., ein rechtsseitiger Zufluß der Aare, 73 km lang, und die Kleine oder Holzemme, ein linksseitiger Zufluß der Reuß, 54 km lang, jene die Kantone Bern und Solothurn, diese den Kanton Luzern durchfließend, goldführend. Das Thal der Großen E. (Emmenthal) beginnt als ein Voralpengelände und geht nach und nach in flacheres, agrikoles Gebiet über. Die Quellen liegen in den alpinen Höhen zwischen Hohgant und Brienzergrat, ungefähr 1600 m ü. M., und fallen bis zur obersten Thalgemeinde Schangnau zu 870 m. Im Rebloch, einer 4 km langen, sehr engen und tiefen Schlucht, schließen sich oben, hoch über dem Fluß, die beiderseitigen Felshänge und bilden so eine natürliche Brücke über die Straße. Das schöne Thal mit ergiebigen, sorgfältig bebauten Getreide-, Hanf- und Flachsfeldern, Wiesen, Wäldern und Alpweiden, vorzüglicher Viehzucht und zahlreichen, stark bevölkerten Ortschaften ist oft den Verheerungen des Bergwassers ausgesetzt, und es ist nicht genug, daß man dem Fluß an seiner Ausmündung bei Solothurn (427 m) einen bessern Abzug verschafft hat. In der Nähe der Ilfismündung (649 m) liegt der große Thalort Langnau (s. d.), Stapelplatz des berühmten Emmenthaler Käses. Dem Ober-Emmenthal gehören die alpinen Gemeinden Schangnau, Eggiwyl, Signau etc. an, während von Langnau abwärts und der Hochebene zu Lützelflüh, Burgdorf (544 m), Zuchwyl u. a. folgen. S. Entlebuch. Vgl. Imobersteg, Das Emmenthal (Bern 1876).

Emmeleia (griech.), der ernste und würdevolle Chortanz der griechischen Tragödie (s. Chor).

Emmenagoga (griech.), Mittel, welche die Menstruation befördern. Dahin gehören alle Drastika, besonders Aloe, Sabina, Krokus etc. Dieselben Mittel werden auch zur Beförderung des Abortus gemißbraucht.

Emmendingen, Amtsstadt im bad. Kreis Freiburg, am Fuß des Schwarzwaldes, unweit der Elz an der Linie Mannheim-Konstanz der Badischen Staatsbahn, hat einen schönen Marktplatz, eine alte, große evang. Stadtkirche mit schönem Turm und der Statue des Markgrafen Karl II., eine kath. Kirche, ein stattliches Rathaus (dabei die Statue des Markgrafen Jakob III.), eine alte Burgvogtei, wo früher die Markgrafen von Hochberg residierten, ein Amtsgericht und (1880) 2617 Einw. (507 Katholiken und 239 Juden), welche vorzüglichen Hanfbau, Viehzucht, Hanf- und Flachsspinnerei, Bleicherei, Kattundruckerei, Seidenzwirnerei, Kesselschmiederei, Gerberei und ansehnlichem Handel mit Hanf, Tabak, Holz und Wein treiben. Auf dem Kirchhof ist das Grab von Goethes Schwester Cornelia (gest. 1777), deren Gatte Joh. Georg Schlosser eine Zeitlang als Oberamtmann in E. lebte. In der Nähe das Mineralbad Weiherschloß und die Ruinen der Burg Hochberg, woselbst jetzt eine Ackerbauschule ist. - E. ist altbadisch und war ehemals der Hauptort der Grafschaft Hochberg. Es ward 1418 vom Kaiser Siegmund zum Marktflecken erklärt, 1581 vom Markgrafen Jakob III., der von 1580 bis 1590 hier residierte, mit Mauern umgeben und 1590 zur Stadt erhoben. Auf Veranlassung des genannten Markgrafen fand hier 1590 ein Religionsgespräch (Colloquium Emmendingense) zwischen den Katholischen und Lutherischen statt. Am 19. und 20. Okt. 1796 hier siegreiche Gefechte der Österreicher gegen die Franzosen.

Emmenien (griech.), bei den alten Griechen Feste, die jeden Monat gefeiert wurden; auch s. v. w. Menstruation.

Emmenthal, s. Emme.