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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Empfindelei - Emphyteusis.

Natürlich tritt diese Verpflichtung auch dann ein, wenn der Empfehlende, wie z. B. manche Auskunftsbüreaus (s. d.), ausdrücklich die Garantie für seine E. übernimmt, und partikularrechtlich hat die fahrlässige Erteilung schädlichen Rats oder schädlicher E. dann diese Folge, wenn der Ratende oder Empfehlende durch seine Amtspflicht oder durch seinen Beruf zur Erteilung von Rat verpflichtet war, wenn z. B. ein Rechtsanwalt aus Unkenntnis einer gesetzlichen Bestimmung einen schädlichen Rat erteilt. Aller Zweifel über die Rechtsunverbindlichkeit einer erteilten E. wird dadurch ausgeschlossen, daß der Empfehlende derselben die unter Kaufleuten übliche Bemerkung "ohne Obligo" ("ohne Vertretung") hinzufügt. Diese Ablehnung hilft jedoch dann nichts, wenn er nachweisbar absichtlich den schädlichen Rat erteilte.

Empfindelei, s. Empfindsamkeit.

Empfindlichkeit, s. Sensibilität.

Empfindsamkeit (Sentimentalität), im subjektiven Sinn die besondere Empfänglichkeit des Gemüts für starke Rührungen, im objektiven Sinn die Beschaffenheit eines Gegenstandes, vermöge welcher er im stande ist, ein dazu geneigtes Gemüt in starke Rührung zu versetzen. Im letztern Sinn spricht man von empfindsamen Romanen, Schauspielen u. dgl. Wenn sie affektiert und geflissentlich zur Schau getragen wird, so artet sie in Empfindelei aus. Vgl. J. H. ^[Joachim Heinrich] Campe, Über E. u. Empfindelei (Hamb. 1779).

Empfindungen, undefinierbare Vorstellungen, welche durch Einwirkung der Empfindungsnerven auf das Zentralnervensystem zu stande kommen. Das empfindende Individuum wird auf eine Weise berührt, die zufolge der Organisation und ursprünglichen Beschaffenheit wie auch zufolge der Ausbildung und Gewöhnung seines Nervensystems diesem zusagend oder widerwärtig ist. Demnach sind die Lust und die Unlust die beiden allgemeinen Formen der Empfindung. Die Bedeutung der E. besteht hauptsächlich darin, daß sie vermöge des Wechsels von Annehmlichkeit und Unannehmlichkeit uns abwechselnd bald in einen behaglichen, erfreulichen Lebenszustand versetzen, bald den Antrieb zur Befriedigung von Bedürfnissen des leiblichen Lebens und zur Vermeidung des für dasselbe Schädlichen sowie zur Erstrebung des für dasselbe Heilsamen erregen (s. Gefühl).

Empfindungslaut, s. v. w. Interjektion.

Empfindungsvermögen, die Fähigkeit des Nervensystems, durch äußere sowohl als durch innere Eindrücke (des Gemüts, durch intellektuelle Wahrnehmungen) angeregt zu werden. S. Sensibilität.

Empfing, Bad, s. Traunstein.

Emphase (griech.), eigentlich der Nachdruck, den man auf einen Ausdruck legt, der trotz seiner Kürze mehr bedeuten und ahnen lassen soll, als er ausspricht (z. B. bei Schiller: Du hast bis jetzt nur Schwächlinge bezwungen, ein Mann steht vor dir); daher besonders solche Wendungen der Rede, welche dieser einen besondern Nachdruck geben: Ausrufungen, Fragen, Aposiopesen, Inversionen etc. Emphatisch, nachdrücklich, nachdrucksvoll.

Emphysem (griech., Windgeschwulst, Luftgeschwulst), Ansammlung von atmosphärischer Luft oder andern Gasarten in den Geweben, vorzugsweise in dem Zellgewebe unter der äußern Haut. Das Zellgewebsemphysem stellt sich als weiche, elastische Anschwellung eines Teils dar, bei dessen Berührung man eine eigentümlich knisternde Empfindung hat, die davon herrührt, daß der drückende Finger die Luft von einer Zellgewebsmasche in die andre eintreibt. Wenn der Eintritt von Luft in das Unterhautzellgewebe andauert, so kann sich das E. sehr stark ausbreiten und zum Hals, Gesicht, zur Brust bis zum Unterleib sich fortpflanzen. Je schlaffer die Bindegewebslage unter der Haut ist, desto schneller verbreitet es sich, und desto größer kann die Geschwulst werden. Darum findet es sich auch an der Beugeseite der Glieder weit mehr entwickelt als an der Streckseite. Der Hals kann die Dicke des Kopfes annehmen; das Antlitz besteht aus unförmlichen Wülsten, zwischen denen man kaum mehr Augen und Mund zu unterscheiden vermag. Auch die Brust ist bei bedeutendem E. hoch angeschwollen, die Arme und Beine bilden dicke Cylinder. Die Haut ist dabei in ihrer Farbe wenig verändert, nur bei sehr starker Ausdehnung wird sie blaß und glänzend. Ihre Temperatur ist weder erhöht noch niedriger als gewöhnlich. Schmerz ist nicht vorhanden, selbst beim Druck zeigt sich keine Empfindlichkeit. Das bisher geschilderte E. entsteht gemeiniglich infolge einer Verletzung (E. traumaticum) der Atemwerkzeuge, namentlich wenn diese in schiefer Richtung stattgefunden hat, wobei die Luft in das geöffnete Bindegewebslager während der Ausatmung hineingetrieben wird. Vorzugsweise sind es Stichwunden, welche die Luftwege eröffnen, sowie Rippenbrüche mit Verletzung der Lungen, Tracheotomiewunden, die zu früh geschlossen werden, etc., welche Veranlassung zur Entstehung des Emphysems geben. Doch hat man es auch bei heftiger Atemanstrengung, z. B. beim Gebärakt, entstehen sehen, wobei einzelne Lungenbläschen platzten, infolgedessen sich die Luft in das Bindegewebe des Lungenfells, von da in die Höhlen des Mittelfells und so weiter auf Hals und Brust verbreitete. Künstlich läßt es sich erzeugen, wenn man mittels eines Blasebalgs die Luft durch eine Hautwunde unter die Haut treibt, wie es die Metzger bei Hämmeln und Kälbern zu machen pflegen, um dem Fleisch ein schöneres Ansehen zu geben. Eine andre Art des Emphysems ist dasjenige, welches infolge von brandiger Zersetzung gequetschter Weichteile entsteht oder bei eingeklemmten Brüchen beobachtet wird, wenn die Eingeweide brandig zu werden beginnen. Hier sind es die infolge des Brandes entstehenden Fäulnisgase, welche sich zwischen den Gewebselementen ansammeln und diese auseinander drängen. Eine Behandlung des Emphysems ist in der Regel unnötig. Nur bei sehr schlimmen, die oben angedeuteten schweren Allgemeinerscheinungen veranlassenden Fällen ist der Luft durch kleine Wunden, welche man durch die Haut macht, ein Ausweg zu verschaffen. Man befördert das Ausströmen derselben durch Streichen und Drücken mit der Hand. Es versteht sich von selbst, daß man den weitern Zutritt von Luft möglichst zu hemmen suchen muß, indem man entweder die Wunde erweitert, damit Luft frei ausströmen kann, oder die Öffnung der Luftwege kunstgemäß zu schließen sucht, wo es thunlich ist. Über E. der Lungen s. Lungenemphysem.

Emphyteusis (v. griech. emphyteuein, "anpflanzen"), ein dem Erbpachtverhältnis verwandtes, heute nur noch selten vorkommendes römisch-rechtliches Institut, das sich in der Kaiserzeit auf den öffentlichen Ländereien ausbildete und das zum Zweck hatte, im Interesse einer bessern Behandlung des großen Grundeigentums kleine Freie zu dessen Bewirtschaftung heranzuziehen und dem Eigentümer ein sicheres Einkommen zu gewährleisten. Im Justinianischen Recht sind die früher rechtlich unterschiedenen Institute der E. und des Jus in fundo vectigali zu Einem Institut verschmolzen. Die E. ist hiernach das entgeltliche dingliche Recht an einem fremden nutztragenden Grundstück auf die gesamte eigentumsgleiche