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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eordäa; Eos; Eosander

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Eordäa - Eosander.

des Herzogs von Broglie mit. 1768 ging er mit dem Herzog von Nivernois als Gesandtschaftssekretär nach London. Hier erhoben sich zuerst Zweifel über sein Geschlecht, welche sogar zu Wetten und infolge davon zu Prozessen führten. Verschiedene Differenzen mit dem Gesandten Guerchy und dem Minister Choiseul veranlaßten seine Abberufung. Dennoch blieb er als geheimer Agent des Königs, der durch ihn über die Möglichkeit einer französischen Landung in England Auskunft haben wollte, in London und führte mit Ludwig XV. eine besondere Korrespondenz, mißbrauchte aber dessen Vertrauen zu frechen Erpressungen. Erst unter Ludwig XVI. kehrte er (1777) nach Frankreich zurück und mußte auf ausdrücklichen Befehl der Regierung weibliche Kleidung tragen, wahrscheinlich, um eine hohe Dame in London, mit der E. intime Beziehungen angeknüpft hatte, nicht zu kompromittieren. 1783 ging er wieder nach London, ward in der Revolution auf die Liste der Emigrierten gesetzt und verdiente sich seinen Unterhalt durch Fechtunterricht; aber auch in England behielt er die weibliche Tracht bei. Er starb 21. Mai 1810 in London. E. ist wohl männlichen Geschlechts gewesen, glich aber seiner zarten Gestalt und seines bartlosen Gesichts wegen, namentlich in Damenkleidern, einem Weib. Seine Werke erschienen unter dem Titel: "Loisirs du Chevalier d'É." (Amsterd. 1775, 13 Bde.). Die "Mémoires du chevalier d'É." (Par. 1837; deutsch, Braunschweig 1837, 2 Bde.) sind echt, aber durchaus lügenhaft. Vgl. "Neuer Pitaval", Bd. 21 (Leipz. 1861); Broglie, La diplomatie secrète de Louis XV (Par. 1880, 2 Bde.).

Eordäa, alter Name einer Landschaft im Innern von Makedonien, zwischen Emathia, Orestis und Lynkestis, das Thal des heutigen Sees von Ostrowo und dessen Zuflüsse umfassend, war von einem Stamm der Päonier bewohnt und wurde von Perdikkas I. mit Makedonien vereint. Durch E. führte die Egnatische Heerstraße der Römer und heute die Straße von Salonichi nach Monastir.

Eos (lat. Aurora), in der griech. Mythologie die Göttin der Morgenröte, Tochter des Hyperion und der Theia, daher Schwester des Helios und der Selene, Gemahlin des Titanen Asträos, dem sie die Winde (Argestes, Zephyros, Boreas und Notos) und den Heosphoros (Morgenstern) gebar. E. ist nach der Schilderung der Dichter eine herrliche, schöngelockte, rosenarmige und rosenfingerige Göttin, das treue Abbild der belebenden Morgenröte. Sie erhebt sich in aller Frühe von ihrem Lager aus dem Okeanos und schirrt, mit safranfarbigem Mantel umhüllt, ihre Rosse Lampos ("Glanz") und Phaethon ("Schimmer") an den goldenen Wagen, um, dem Sonnengott vorauseilend, den Sterblichen und Unsterblichen den Tag zu verkündigen. Schöne Jünglinge entführt sie, um ihrer Liebe sich zu erfreuen, so den Jäger Orion, den Kephalos, den trojanischen Königssohn Tithonos (s. d.), dem sie den Emathion und Memnon, den König der Äthiopier, gebar, über dessen Tod vor Troja sie ewig Thränen weint, die als Tau zur Erde niederfallen. Später wird sie mit Hemera, der Göttin des Tags, identifiziert. Dieselben Anschauungen übertrugen die Römer aus ihre Aurora, deren Name auch in lautlicher Beziehung mit E. übereinstimmt. Darstellungen von ihr findet man hin und wieder auf Vasen und geschnittenen Steinen: sie erscheint entweder ihre Rosse lenkend oder auch geflügelt, mit einer Fackel in der Hand, durch die Luft schwebend (vgl. Abbildung).

^[Abb.: Helios und Eos, vom Morgentau getragen, darüber der Himmelsgott. Relief vom Harnisch der Augustusstatue im Vatikan.]

Eosander, Johann Friedrich, Freiherr von, Architekt, geboren in der schwed. Provinz Gotland, daher oft Goethe genannt, lebte schon 1692 am kurbrandenburgischen Hof und bereiste im Auftrag des Kurfürsten Friedrich III., nachmaligen Königs Friedrich I., Italien und Frankreich, von wo er 1699 zurückkam. Er bekleidete die Stelle eines Hofarchitekten und zugleich einen militärischen Rang in der Armee. Als Künstler schloß er sich der französisch-holländischen Richtung des Barockstils an, was ihn schon prinzipiell in Gegensatz zu dem nach italienischen Mustern gebildeten Schlüter brachte, zu dessen Sturz er hauptsächlich mitgewirkt haben soll. Er folgte ihm als Schloßbaudirektor, änderte als solcher die Schlüterschen Pläne und schob das große Triumphthor, eine Reproduktion des Konstantinbogens in Rom, in die Fassade ein. Unter seinen übrigen Bauten sind zu nennen: die Erweiterung des Schlosses von Charlottenburg sowie die Schlösser Monbijou, Schönhausen und die Favorite zu Oranienburg. Seine Werke haben etwas Nüchternes, seine Detailbildung nach französischem Geschmack aber ist hier und da recht gefällig. Im J. 1704 ward E. mit Friedensvorschlägen in das Lager Karls XII. in der Nähe von Warschau und von da nach Stockholm gesandt. 1712 war er bei Karl XII. in Bender zu gleichem Zweck. Nach dem Tode des Königs Friedrich I. trat er 1714 als Generalmajor in schwedische Dienste und half Stralsund 1715 verteidigen, wobei er in preußische Gefangenschaft geriet, aber wieder freigelassen wurde. Er wandte sich nun nach Frankfurt a. M., woher seine Gattin, eine geborne Merian, stammte. Dort gab er den ersten Teil einer "Kriegsübung oder der deutsche Soldat" (Frankf. a. M.) heraus. Inzwischen kam in Berlin die durch ihn geschehene Entwendung einer kostbaren Sammlung von Miniaturbildern, sämtlicher Zeichnungen Schlüters aus dem Schloßbauarchiv, der Pläne preußischer Festungen etc. ans Tageslicht; doch konnte nur ein Teil der Miniaturen wiedererlangt werden. Nachdem er durch seine