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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Epithese - Epopsie.

vielen Fällen scheiden die nebeneinander gelegenen Zellen auf ihrer Außenfläche einen zusammenhängenden Saum (Oberhäutchen oder Cuticula) aus, der zuweilen eine bedeutende Dicke erreicht und alsdann Panzer genannt wird (z. B. bei vielen Krebsen). Ferner können Zellen des E. in ihrem Innern einen flüssigen oder festen Stoff erzeugen und nach außen entleeren (Drüsenzellen, s. Drüsen). Bei manchen Tieren besteht das E. der äußern Haut aus mehreren übereinander gelagerten Reihen Zellen; alsdann sind die äußern meist abgeplattet, eingetrocknet und in eigentümlicher Weise verhärtet (verhornt, s. Horn), so daß man bei den Wirbeltieren auch wohl das Hautgewebe schlechtweg als Horngewebe bezeichnet (s. Haut und Gewebe). Die innern Schichten bleiben jedoch immer weich, und bei den Fischen sind es auch die äußern.

^[Abb.: Fig. 1. Pflasterepithel, bei a von der Seite, bei a' von oben gesehen. n Kern, n' Kernkörperchen.]

^[Abb.: Fig. 2. Cylinderepithel. Cylinderepithel mit porösem Saum (aus dem Dünndarm).]

Epithese (Epithesis, griech.), ein Zusatz, Beisatz zu einem Hauptsatz; s. v. w. Apposition.

Epitheton (griech.), s. v. w. Adjektiv (s. d.). E. ornans, "schmückendes Beiwort", heißt das dichterisch schildernde, stehende Beiwort, wie es sich besonders bei Homer häufig findet, z. B. der "schnellfüßige Achill", die "rosenfingerige Eos".

Epithymie (griech.), s. v. w. Gelüste.

Epitome (griech.), kurzer Auszug aus größern Werken, eine Art von Schriftstellerei, die uns besonders in der spätern römischen Litteratur begegnet. Hierher gehörige Produkte sind die geschichtlichen Abrisse von Florus, Eutropius u. a. Auch die Inhaltsanzeigen zu den verlornen Büchern des Livius führen diesen Namen. In der neuern Litteratur bezeichnet E. einen kurzen Inbegriff einer Wissenschaft. Epitomieren oder epitomisieren, etwas kurz zusammenfassen, in einen kurzen Auszug bringen. Epitomator, Verfasser einer E.

Epitrachelion (griech.), in der Baukunst der Griechen s. v. w. Säulenhals (vgl. Säule); auch Halsstück, als Teil des Ornats der griechischen Geistlichen.

Epitritus (lat.), ein viersilbiger Versfuß, bestehend aus drei Längen und einer Kürze, nach welcher er, je nachdem dieselbe die 1., 2., 3. oder 4. Stelle einnimmt, als E. primus (v - - -), secundus (- v - -) etc. bezeichnet wird.

Epitrochásmus (griech.), das "Darüberhinlaufen", in der Rhetorik das flüchtige Berühren vieler Gegenstände in einem Satz.

Epitrope (griech., das "Anheimstellen"), rhetor. Wendung, wonach man etwas zum Schein vorläufig einräumt oder dem Ermessen der Richter anheimstellt.

Epizentrum (griech.), derjenige Punkt auf der Erdoberfläche, welcher sich über dem in der Tiefe liegenden Ausgangspunkt eines zentralen Erdbebens befindet.

Epizeuxis (griech.), rhetor. Figur, bestehend in der nachdrücklichen "Wiederholung" eines Wortes in einem Satz oder Satzglied.

Epizoen (griech.), auf der Haut ihres Wirtes, nicht im Innern desselben, schmarotzende Tiere.

Epizootie (griech.), Viehseuche.

Epoche (griech., "Anhaltung, Haltepunkt"), in der Chronologie ein Zeitpunkt, mit welchem eine neue Zeitrechnung oder Ära anhebt; in der Geschichte überhaupt ein wichtiger Moment, mit dem ein Umschwung in der geschichtlichen Entwickelung beginnt. Man sagt daher von großen Persönlichkeiten und wichtigen, einflußreichen Ereignissen: "sie machen E." In der Astronomie ist E. der Zeitpunkt, von welchem aus man die Bewegung eines Gestirns (Planeten, Kometen, Trabanten) rechnet.

Epode (griech., "Nachgesang"), bei den Griechen der letzte Teil eines lyrischen Gedichts, der nach der Strophe und Antistrophe folgte. Dergleichen Gedichte sind die des Pindar und viele Chorgesänge in den Dramen (s. Chor, S. 71). Ferner heißt E. der in einem Gedicht nach gewissen Zwischenräumen wiederkehrende Schaltvers oder Refrain sowie eine eigne, von Archilochos erfundene Gattung lyrischer Gedichte, in denen auf einen iambischen Trimeter ein Dimeter oder überhaupt ein kürzerer Vers folgt, wozu aber das elegische Distichon (Hexameter oder Pentameter) nicht gezählt wird. Gedichte letzterer Art sind die dem Archilochos der Form nach genau nachgebildeten Epoden des Horaz.

Epomeo (Monte San Nicola), höchster Berg auf der zur ital. Provinz Neapel gehörigen Insel Ischia, 768 m hoch, ein seit 1302 erloschener Vulkan von scharfzackigem, groteskem Ansehen, der auf seinem Gipfel eine Kapelle (San Nicola) nebst einer in den Trachytfelsen eingehauenen Einsiedelei trägt und eine herrliche Rundsicht gewährt. Unter dem Gipfel des E. liegt der Badeort Casamicciola (s. d.).

Epona, bei den Römern Göttin der Pferde und Esel, Schutzgöttin der Fuhrleute, Stallknechte und Eseltreiber, deren Bild auch in Ställen aufgestellt wurde. Ihr Kultus war weit und breit in italienischen und den romanisierten Ländern verbreitet. Bildwerke von ihr, welche sie in langem Gewand zwischen zwei Füllen oder sitzend von Rossen umgeben oder auf einem Pferd reitend darstellen, haben sich mehrfach erhalten. Vgl. "Annali dell' Instituto archeologico" 1881, S. 239 ff.

Eponymos (griech., eigentlich einer, nach welchem etwas benannt ist), in den griechischen Staaten Bezeichnung von Beamten, nach welchen in Ermangelung einer allgemein angenommenen Zeitrechnung das Jahr bezeichnet wurde, z. B. in Sparta der erste Ephoros, in Athen der erste Archon, in Böotien der oberste Böotarch etc. Auch hießen in Attika so die alten Landesheroen, nach welchen Kleisthenes die zehn attischen Stämme (Phylen) benannte. Eponymisch, zubenannt, einen Namen verleihend.

Epopeus, griech. Heros, Sohn des Poseidon und der Kanake, kam aus Thessalien nach Sikyon und ward daselbst König, raubte die thebanische Königstochter Antiope, erlegte deren Vater Nykteus, wurde aber selbst von dessen Bruder Lykos getötet, später durch seine Söhne Amphion und Zethos (s. d.) an diesem gerächt.

Epopöe (griech.), s. v. w. Epos.

Epopsie (griech.), An-, Einsicht, Anschauung.