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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erastus; Erato; Eratosthenes; Erb; Erbach

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Erastus - Erbach.

Erastus, Begleiter des Paulus, angeblich Bischof von Philippi und Märtyrer; Tag der 26. Juli.

Erastus (eigentlich Liebler oder Lieber), Thomas, geb. 1524, studierte zu Basel Theologie, in Bologna und Padua Philosophie und Medizin, ward Leibarzt des Grafen von Henneberg, 1558 des Kurfürsten Otto Heinrich von der Pfalz und zugleich Professor der Medizin in Heidelberg, wo er auch in die kirchlichen Angelegenheiten seines Zeitalters so tief eingriff, daß man in Großbritannien, seitdem dort die nach dem Tode des E. aus seinem Nachlaß herausgegebene Schrift "Explicatio gravissimae quaestionis, utrum excommunicatio mandato nitatur divino an excogitata sit ab hominibus" bekannt geworden war, bis auf den heutigen Tag die Richtung, welche der Staatsgewalt die Selbständigkeit der Kirche preisgibt, als Erastianismus bezeichnet. In schroffem Gegensatz zu dem Calvinismus, eiferte E. gegen Kirchenzucht und Presbyterialverfassung und vertrat auch in mehreren Schriften die Zwinglische Abendmahlslehre. Als Unitarier verdächtigt, ging er 1580 nach Basel als Professor der Medizin und starb daselbst als Professor der Moral 1. Jan. 1583.

Erato, eine der neun Musen, besonders der erotischen Poesie; abgebildet mit der Zither am linken Arme, mit dem Plektron sie spielend und dazu singend und tanzend, oder auch ohne Attribute in den Mantel gehüllt, stehend und mit aufgestützter Linken. Vgl. Musen (mit Abbildung).

Eratosthenes, Polyhistor, besonders als Mathematiker, Astronom und Geograph hervorragend, geb. 276 (oder 275) v. Chr. zu Kyrene als Sohn des Eglaos, ward in Alexandria unter Leitung des Kallimachos, des Vorstehers der dortigen Bibliothek, erzogen, ging dann nach Athen, bis ihn Ptolemäos Euergetes nach Alexandria zurückrief, wo er fortan als Vorsteher der Bibliothek lebte, bis er, im hohen Alter erblindet, um 194 freilich den Hungertod starb. Seine berühmteste Leistung ist die Gradmessung zwischen Alexandria und Syene (vgl. Gradmessung). Er erfand zur Lösung des Problems von der Verdoppelung des Würfels ein besonderes Instrument (Mesolabium); der auf diese Aufgabe bezügliche Brief des E. an den König Ptolemäos Euergetes ist uns von Eutokios von Askalon überliefert worden. Vgl. Dresler, E. von der Verdoppelung des Würfels (Wiesb. 1828). Das sogen. Sieb des E. ist ein einfaches Verfahren zur Ausscheidung der Primzahlen aus den übrigen Zahlen. Die verschiedenen Bruchstücke der Schriften des E. hat am vollständigsten Bernhardy in "Eratosthenica" (Berl. 1822) gesammelt. Die ihm zugeschriebenen "Catasterismi", welche eine Aufzählung und Beschreibung der Sternbilder mit etwa 700 Sternen enthalten, wurden neuerlich herausgegeben von Robert (Berl. 1878). In seinem großen geographischen Werk ("Geographica"), von dem uns nur Bruchstücke bei Strabon erhalten sind, hat E. neben der Beschreibung des Vorhandenen auch mit Glück Betrachtungen über das Werden und die Veränderungen der Erdoberfläche angestellt. Vgl. Berger, Die geographischen Fragmente des E. (Leipz. 1880).

Erb, Wilhelm Heinrich, Mediziner, geb. 30. Nov. 1840 zu Winnweiler in der bayrischen Pfalz, studierte seit 1857 zu Heidelberg, Erlangen, München, wurde 1862 Assistenzarzt der medizinischen Klinik in Heidelberg, habilitierte sich 1865 daselbst für innere Medizin, wurde 1869 außerordentlicher Professor und las über allgemeine Pathologie, physikalische Diagnostik, Elektrotherapie und Nervenkrankheiten. 1880 ging er als Professor für spezielle Pathologie und Therapie sowie als Direktor der medizinischen Poliklinik nach Leipzig, kehrte aber 1883 in gleicher Stellung nach Heidelberg zurück. Er förderte die Neuropathologie und Elektrotherapie durch zahlreiche scharfsinnige Arbeiten u. schrieb: "Handbuch der Krankheiten der peripheren cerebrospinalen Nerven" (2. Aufl., Leipz. 1876); "Handbuch der Krankheiten des Rückenmarks und des verlängerten Marks" (2. Aufl., das. 1878); "Handbuch der Elektrotherapie" (das. 1882).

Erbach, 1) Kreisstadt in der hess. Provinz Starkenburg, in romantischer Gegend an der Mümling und an der Linie Frankfurt a. M.-Eberbach der Hessischen Ludwigsbahn, hat (1880) 2907 meist evang. Einwohner, welche Tuchfabrikation, Elfenbeinschnitzerei etc. treiben. Hier das Stammschloß der Grafen von E. mit schönen Glasmalereien, einem reichhaltigen Museum griechischer, römischer, altägyptischer und deutscher Altertümer, einer Gemäldesammlung, einer in ihrer Art einzigen Gewehrkammer und einer Begräbniskapelle mit den aus dem Kloster zu Seligenstadt hierher gebrachten Särgen Einhards und Emmas. -

2) Flecken im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Rheingau, in schöner Lage am Rhein und an der Linie Frankfurt a. M.-Oberlahnstein-Lollar der Preußischen Staatsbahn, mit einer evangelischen und einer kath. Pfarrkirche, einem Schloß (Reinhartshausen) des Prinzen Albrecht von Preußen, Irren-, Heil- und Pfleganstalt Eichberg, Weinbau, Konservenfabrik und (1880) 1733 Einw. Nahe dabei wächst auf dem Strahlenberg der Markobrunner Wein. Bei dem nahen Dorf Kiedrich (1440 Einw.) die schöne Burgruine Scharfenstein.

Erbach, fränk. Grafengeschlecht, welches seinen Stammbaum bis auf Einhard und dessen angebliche Gemahlin Emma, Karls d. Gr. Tochter, hinaufführt, urkundlich jedoch zuerst 1146 vorkommt. Als Reichsstände besuchten die Grafen schon in früherer Zeit die Reichstage und bekleideten bis 1806 das Erbschenkenamt bei den Kurfürsten von der Pfalz. Eberhard (gest. 1559) erheiratete die halbe Herrschaft Breuberg, ein hessisches Lehen, und erhielt wegen seiner Verdienste im Bauernkrieg vom Kaiser Karl V. 1532 die reichsgräfliche Würde. Der gemeinschaftliche Stammvater des Hauses war Georg Albert (gest. 1647), dessen Sohn Georg Ludwig I. (gest. 1693) die E.-Erbachsche Linie stiftete, welche 1731 mit dem Grafen Friedrich Karl erlosch. Die von Georg Alberts I. zweitem Sohn, Georg Albert II. (gest. 1717), gestiftete E.-Fürstenauer Hauptlinie teilte sich nach seinen Söhnen in die noch blühenden drei Zweige. Die Grafen hatten bis 1806 die Reichsstandschaft und waren mit zwei Stimmen Mitglieder des fränkischen Grafenkollegiums, jetzt sind sie Standesherren des Großherzogtums Hessen. Die drei Linien bekennen sich zur evangelischen Kirche. Die Linie E.-Fürstenau besitzt die Ämter Fürstenau, Michelstadt und Freienstein sowie die Herrschaft Rothenberg im Großherzogtum Hessen; die Linie E.-Erbach, die 1804 infolge einer Adoption von seiten des letzten Grafen von Wartenberg dessen Güter und den Namen Wartenberg-Roth erhielt, nach Veräußerung der Herrschaft Roth in Württemberg noch die Ämter E. und Reichenbach im Großherzogtum Hessen, die Herrschaften Wildenstein und Steinbach in Bayern; die Linie E.-Schönberg die Ämter Schönberg und König und die Hälfte der Herrschaft Breuberg im Großherzogtum Hessen. Alle Besitzungen machen ein Areal von 523 qkm mit etwa 33,000 Einw. aus. In allen drei Linien ist die Primogenitur eingeführt. Vgl. Luck, Historische Genealogie des reichsgräflichen Hauses E.