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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Erdsteine - Eregli.

bedeckt, auf dem Rücken und an den Seiten gelblichbraun, an der Unterseite und am Kopf licht rötlichgelb, am Hinterteil und den Gliedmaßen braun. Es findet sich vom Kap bis zum Senegal im flachen Land, lebt einsam am Tag in selbstgegrabenen Höhlen, welche es meist hinter sich zuscharrt, geht abends auf Ameisen- und Termitenjagd und vertilgt deren große Massen. Es ist außerordentlich vorsichtig und scheu; wird es angegriffen, so gräbt es sich mit großer Schnelligkeit in die Erde. Es wirft ein Junges, welches sehr lange von der Mutter gesäugt wird. Das Fleisch ist dem des Wildschweins ähnlich; die dicke, starke Haut wird zu Leder verarbeitet.

Erdsteine, aus lehmiger Erde durch Pressen oder Stampfen in eisernen Formen hergestellte künstliche Steine, dienen als Surrogate gebrannter Steine zur Errichtung einfacher Gebäude auf dem Lande. Größere E. werden trocken versetzt, kleine mit einem Mörtel aus Lehm und Flachsschaben verbunden. Die Fundamentierung aus natürlichen und gebrannten Steinen muß sich etwa 40 cm über das Terrain erheben, und das Dach muß möglichst weit vorspringen. Außerdem streicht man die Wände außen mehrmals mit Teer und tüncht sie alsdann mit Kalk. Vgl. Piseebau.

Erdstern, s. Geaster.

Erdtauben, s. Taubenvögel.

Erdteer (Bergteer), s. Asphalt.

Erdteil (Weltteil), s. Kontinent.

Erdwachs, s. v. w. Ozokerit.

Erdwälle, s. Befestigungswerke, ^[richtig: Befestigung.] prähistorische.

Erdwalze, s. Sappe.

Erdwärme, s. Erde, S. 746.

Erdwinde, eine in einem starken Gestell senkrecht stehende Welle, welche sich mittels zweier über das Kreuz durch den vierkantigen Kopf derselben eingesteckter Stangen durch Arbeiter umdrehen läßt. Sie dient vorzüglich zur Herbeischaffung entfernt liegender schwerer Lasten und wird auch beim Aus- und Einladen der Schiffe sowie zum Heraufbringen schwerer Geschütze auf Wälle benutzt.

Erdwolf, s. v. w. Maulwurfsgrille.

Erdwölfe (Protelidae), Familie der Raubtiere (s. d.).

Erebos (lat. Erebus), bei den Griechen das "Dunkel", das der Abgeschiedenen wartet, anfangs wie das Elysium im westlichen Okeanos gedacht, dann unter die Erde verlegt; bei Hesiod mythisches Wesen, Sohn des Chaos, Bruder der Nacht, zeugte mit dieser den Tag, den Äther, das Schicksal, das Alter und viele andre Kinder; im allgemeinen s. v. w. Unterwelt, Schattenreich.

Erebus, 1) thätiger Vulkan auf dem antarktischen Festland Victorialand, unter 78° 10' südl. Br., 3768 m hoch, wurde 1842 von Kapitän Roß entdeckt. -

2) Kleine Bai der Barrowstraße im Nördlichen Eismeer, an der Südweststrecke von Norddevon, benannt nach einem Schiffe Franklins, der hier 1845-46 überwinterte; war später Hauptstation für die Franklin-Expeditionen.

Erechtheion (lat. Erechtheum), auf der Akropolis von Athen ein sehr altes Heiligtum der Athene, wo man das älteste, vom Himmel gefallene Bild der Göttin, den heiligen Ölbaum und die Gräber der ältesten Landesheroen zeigte, und wo Athene selbst als Polias (Schutzgöttin der Burg und der Stadt) verehrt wurde. Auch Zeus und Poseidon hatten Altäre daselbst. Das Heiligtum (s. Tafel "Baukunst IV", Fig. 7), eins der schönsten attischen Bauwerke, das während des Peloponnesischen Kriegs nach dem alten Grundplan, aber im zierlichsten ionischen Stil wiederhergestellt wurde, führt seinen Namen nach dem attischen Heros Erechtheus (s. d. 2), der daselbst neben der Athene verehrt wurde. Daher die ungewöhnliche Plandisposition, welche verschiedene Kultusräume in einem gemeinsamen Tempelhaus vereinigte. Eine der Vorhallen führt von den als Gebälkträgerinnen verwendeten weiblichen Figuren den Namen "Halle der Karyatiden". Vgl. Athen.

Erechtheus, 1) (auch Erichthonios genannt) attischer Heros, der mit dem Athenedienst eng verknüpft war, nach Homer ein Sohn der Erde und Pflegling der Athene, nach Apollodor aber ein Sohn des Hephästos und der Erde oder der Atthis (Personifikation von Attika). Indem Athene ihre Jungfräulichkeit gegen Hephästos verteidigte, geschah es, daß dieser die Erde befruchtete und dadurch dem E. das Leben gab. Athene nahm sich des Kindes an und legte es ohne Wissen der Götter in eine Kiste, die sie den Töchtern des Kekrops, Agraulos, Pandrosos und Herse, mit dem Befehl übergab, dieselbe nicht zu öffnen. Als die Mädchen aus weiblicher Neugierde die Kiste dennoch öffneten, fanden sie das Kind in eine Schlange ausgehend oder von einer Schlange umwunden, worauf sie von der Schlange getötet wurden oder, von Wahnsinn ergriffen, sich ins Meer stürzten. E. ward von Athene selbst in ihrem Tempel erzogen und erhielt, nachdem er herangewachsen, von dem kinderlosen Kekrops die Herrschaft über Attika. Er führte den Dienst der Athene ein, erbaute ihr als Polias (Stadtgöttin, mit welcher gemeinsam er dann auch verehrt wurde) einen Tempel auf der Akropolis und stiftete die Panathenäen. Mit der Najade Pasithea erzeugte er den Pandion, der von ihm die Herrschaft erbte. Da ihn die Schlangenfüße am Gehen hinderten, soll er den vierräderigen Wagen erfunden haben und dafür von Zeus als Fuhrmann unter die Sterne versetzt worden sein. Auf antiken Kunstwerken wird E. entweder in Gestalt einer Schlange symbolisiert, oder als Mensch mit Schlangenunterkörper dargestellt. So als Pfeilerstatue in Athen und auf attischen Vasen. Beliebt waren Darstellungen der Geburt des E., welchen die aus der Erde halb hervorragende Gäa dem Hermes oder direkt seiner Pflegerin Athene im Beisein des Hephästos oder des Kekrops übergibt (so z. B. auf Reliefs im Vatikan und in Berlin).

2) Sohn des Pandion, Enkel des vorigen, ursprünglich vielleicht mit ihm Eine Person und erst in der spätern Sage von ihm unterschieden. Bruder des Butes, erhielt er die Herrschaft über Attika, während jenem das Priestertum zufiel. Von den Eleusiniern bekriegt, erhielt er vom Orakel die Weisung, eine seiner vier Töchter zu opfern. Er wählte die jüngste, allein in Befolgung eines Gelübdes starben die drei übrigen freiwillig mit ihr. E. siegte, hatte jedoch das Unglück, den Eumolpos (s. d.) zu töten, wofür ihn auf Poseidons Bitte der Blitz des Zeus traf oder die Erde verschlang. Sein Leichnam wurde im Tempel der Athene beigesetzt. Die Athener nannten sich nach ihm das Volk des E., erbauten ihm in Gemeinschaft mit Athene und Poseidon auf der Burg einen Tempel (das heute noch in Ruinen erhaltene Erechtheion) und setzten seine Bildsäule unter die der zehn Stammheroen. Euripides bearbeitete seine Geschichte in einer Tragödie, die verloren ist.

3) Beiname des Poseidon und des Zeus.

Erechthiden, Nachkommen des Erechtheus (s. d.), des mythischen Landesheros von Attika.

Erectis digitis (lat.), mit aufgehobenen Fingern (wie beim Schwur).

Eregli, 1) Städtchen im türk. Wilajet Edirne, auf einer Landspitze am Marmarameer, mit 3000 Einw., liegt an der Stelle des alten Heraklea oder Pe-^[folgende Seite]