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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erlaf; Erlangen

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Erlaf - Erlangen.

sein Sohn Rudolf von E. erfocht der Stadt den glänzenden Sieg bei Laupen 22. Juni 1339, eine Angabe, die indes neuerdings bestritten worden ist, da in dem ältesten Laupener Schlachtbericht von ihm nur als dem Befehlshaber einer Expedition gegen Freiburg 1440 die Rede ist, während sonst der Schultheiß Bubenberg als Anführer genannt wird. In späterer Zeit sind merkwürdig: Johann Ludwig von E., ausgezeichneter Feldherr und Staatsmann, geb. 1595 zu Bern, trat zuerst als Page, dann als Offizier in den Dienst Christians von Anhalt und wurde mit ihm 1620 in der Schlacht am Weißen Berge gefangen. Losgekauft, machte er unter dem Markgrafen von Brandenburg-Jägerndorf und Christian von Braunschweig Feldzüge in Ungarn, Deutschland und Flandern mit, trat 1623 in den Dienst Gustav Adolfs von Schweden, der ihn als Generalquartiermeister nach Litauen und Livland sandte. Nachdem er 1626 in die Heimat zurückgekehrt und verschiedene hohe Stellungen bekleidet hatte, ließ er sich als eifriger Protestant 1637 von Bernhard von Weimar bewegen, als Generalmajor in seinen Dienst zu treten, und wurde von ihm nach der Eroberung Breisachs zum Gouverneur dieser Stadt und Statthalter Vorderösterreichs ernannt. Nach Bernhards Tod übergab E., dem Testament des Verstorbenen gemäß, das ihn mit drei Mitdirektoren an die Spitze der Truppen stellte, 9. Okt. 1639 das Heer und die Eroberungen des Herzogs an den König von Frankreich, welcher ihn als Gouverneur von Breisach bestätigte. 1637 zum Generalleutnant ernannt, entschied er durch sein Eingreifen den Sieg Condés bei Lens (20. Aug. 1648), wurde nach dem Abfall Turennes zur Fronde mit dem Befehl über die Armee in Deutschland betraut und starb 26. Jan. 1650, angeblich drei Tage nach seiner Ernennung zum Marschall von Frankreich. Vgl. "Mémoires historiques concernant M. le général d'E." (Yverdun 1784, 4 Bde.); v. Gonzenbach, Der General Hans Ludwig v. E. von Castelen (Bern 1880-82, 3 Bde.). - General Hieronymus von E., geb. 1667, erst in französischen, seit 1702 in österreichischen Diensten und besonders mit dem Prinzen Eugen sehr befreundet, machte alle Feldzüge des spanischen Erbfolgekriegs mit und kommandierte bei den Belagerungen von Hagenau und Landau, kehrte 1715 in sein Vaterland zurück, ward 1721 Schultheiß von Bern und starb 28. Febr. 1748. - Karl Ludwig von E., geb. 1746 zu Bern, stand erst in französischen Diensten, wurde 1798 beim Einfall der Franzosen mit dem Oberbefehl über die bernischen Truppen betraut, aber, durch die Unentschlossenheit des Großen Rats gehemmt, nach ehrenvollem Widerstand bei Fraubrunnen und im Grauholz von Schauenburg zum Rückzug genötigt und nach der Einnahme Berns durch die Franzosen (5. März 1798) von seinen eignen Soldaten ermordet.

Erlaf (Große E.), Fluß in Niederösterreich, entspringt in den Mariazeller Alpen an der Grenze von Steiermark aus dem kleinen Erlafsee, fließt in nördlicher Hauptrichtung, nimmt die Lassing (mit schönem Wasserfall) und die Kleine E. auf, wird zum Holzflößen benutzt und mündet nach einem Laufe von 68 km bei Pöchlarn in die Donau.

Erlangen, unmittelbare Stadt im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, liegt in einer sandigen, aber freundlichen und gut angebauten Ebene, 18 km nördlich von Nürnberg, am Einfluß der Schwabach in die Regnitz und an der Linie München-Ingolstadt-Bamberg-Hof der Bayrischen Staatsbahn sowie am Ludwigskanal und besteht aus der unregelmäßig angelegten Altstadt und der mit breiten Straßen versehenen, freundlichen Neustadt. Der schönste Platz ist der Marktplatz, woran das ehemalige Schloß (jetzt Universitätsgebäude) und das Rathaus liegen, und in dessen Mitte sich das 1843 bei Gelegenheit der Säkularfeier der Universität enthüllte, von Schwanthaler modellierte Standbild des Stifters der letztern, des Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Baireuth, erhebt. Andre ausgezeichnete Gebäude sind: die neue Stadtkirche mit 68 m hohem Turm, das Kollegiengebäude im Schloßpark, das Universitätskrankenhaus, die Frauenklinik das neue Anatomiegebäude, das chemische Laboratorium, das zoologisch-zootomische Institut, der Redoutensaal, das geräumige Schauspielhaus, das neuerbaute Irrenhaus, die Kaserne etc. Bemerkenswert ist auch das große marmorne Kanaldenkmal (von Schwanthaler), die Verbindung der Donau mit dem Main darstellend, das 1846 bei Eröffnung des Ludwigskanals enthüllt wurde. Die Stadt hat (1885) 15,814 Einw., darunter 3079 Katholiken und 175 Juden. Die Garnison besteht aus 1 Inf.-Bat. Nr. 5. Die Industrie umfaßt eine große Baumwollspinnerei nebst Weberei sowie Fabriken für Strumpf-, Kamm- und Bürstenwaren, Spiegel, Handschuhe, Papier. Von hoher Bedeutung ist die Bierbrauerei mit einem Export von 160,000 hl jährlich. E. ist Sitz eines Bezirksamtes und eines Amtsgerichts und hat 2 evang. Pfarreien, eine deutsch-, eine französisch-reformierte und eine kath. Pfarrei sowie eine altkath. Gemeinde. Die Universität, welche 1743 vom genannten Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Baireuth gestiftet wurde, zählte im Wintersemester 1885-86: 54 Dozenten und 842 Studierende, darunter 398 Theologen; außerdem besitzt E. eine Studienanstalt und eine Realschule. In der Nähe der Burgberg mit schönen Anlagen und dem Schießhaus sowie der beliebte Ausflugsort Ratsberg. - E. (früher Erlongen) ist alt und gehörte zum Radenz- oder Rednitzgau. Es kam 970 an das Bistum Würzburg und 1017 an Bamberg und erhielt 1046 eine Burg. 1361 ward E. an den König von Böhmen, Kaiser Karl IV., verkauft, welcher dem Ort Stadtrechte erteilte; König Wenzel erhob ihn 1398 förmlich zur Stadt. 1416 ward diese an den Burggrafen Johann III. von Nürnberg verpfändet. Durch die Fehden des Markgrafen Albrecht mit Ludwig von Bayern-Landshut erlitt die Stadt bedeutenden Schaden und wurde 1449 von den Nürnbergern in Asche gelegt. Die Reformation ward hier bereits 1526 eingeführt. Unter Markgraf Albrecht Alcibiades, an welchen E. 1541 gefallen war, wurde es 24. Mai 1553 von den Nürnbergern geplündert. Im Dreißigjährigen Krieg ward E. 1631 von den Schweden verheert und 1632 von dem kaiserlichen Obersten Schlätz, Kommandanten von Forchheim, überrumpelt und niedergebrannt. Bis 1655 war die Stadt wieder aufgebaut. Im J. 1791 kam E. an Preußen, fiel 1807 mit dem Fürsten-^[folgende Seite]

^[Abb.: Jetziges Wappen der Gesamtstadt Erlangen.]