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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Essig

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Essex - Essig.

1) Walter Devereux, Viscount von Hereford, unterdrückte unter Elisabeth den Aufstand der Grafen von Northumberland und Westmoreland und ward deshalb 1572 zum Grafen von E. und Ritter des Hosenbandordens ernannt. Der ihm feindselige Leicester brachte es jedoch dahin, daß ihm bei einer Expedition nach Irland alle Mittel zum Gelingen seines Plans entzogen wurden; er starb 22. Sept. 1576 in Dublin, angeblich aus Kummer.

2) Robert Devereux, Graf von, Sohn des vorigen und der Lätitia Knolls, die nach ihres ersten Gemahls Tode den Lord Leicester heiratete, geb. 10. Nov. 1567, ward 1584 von Leicester am Hof eingeführt, wo die Königin alsbald dem schönen, hochbegabten Jüngling ihre Aufmerksamkeit schenkte. Im J. 1585 begleitete er seinen Stiefvater nach Holland, zeichnete sich dort in der Schlacht bei Zütphen aus und ward zum General der Kavallerie und bei seiner Rückkehr nach England zum Großstallmeister ernannt. Nach Leicesters Tod (1588) ward er der Königin erklärter Günstling. In demselben Jahr mit einem Kommando gegen die unüberwindliche spanische Flotte betraut, nahm er gegen den Willen der Königin 1589 an dem Kriegszug teil, durch welchen Norris und Franz Drake den Dom Antonio wieder auf den portugiesischen Thron setzen wollten. Trotzdem behauptete er Elisabeths Gunst und wurde von ihr mit immer neuen Ehren überhäuft. Im J. 1591 erhielt er den Oberbefehl über das Truppenkorps, das die Königin zur Unterstützung Heinrichs IV. nach Frankreich sandte, ward 1593 Staatsrat, unternahm 1596 mit dem Admiral Howard den kühnen Handstreich auf Cadiz, wodurch England in Besitz reicher Beute gelangte, ohne daß jedoch der Platz behauptet werden konnte, und ward 1598 Großmeister der Artillerie. Elisabeths Verhältnis zu E. wechselte zwischen Gnade, Eifersucht und Leidenschaft, während E. selbst keine eigentliche Neigung für die alternde Königin empfand. Sein Unabhängigkeitssinn trieb ihn, sich von der Herrschaft einer Frau zu emanzipieren: sie soll ihm einmal in der Aufwallung über seine unehrerbietige Haltung einen Backenstreich gegeben, er ans Schwert gegriffen haben; auch in seinen Briefen wechselt der Ausdruck der Unterwürfigkeit mit Äußerungen des Widerstrebens. 1599 wurde E., eigentlich gegen seinen Wunsch, zum Statthalter von Irland ernannt, um einen dort ausgebrochenen Aufstand niederzuschlagen. Um bald wieder an den Hof zurückzukommen, schloß er mit den Aufständischen einen diesen sehr günstigen Vertrag, den Elisabeth mißbilligte, eilte gegen ihren ausdrücklichen Befehl nach London zurück und drang ungestüm bis in das Kabinett der Königin, um sich gegen die Anschuldigungen seiner Gegner zu verteidigen. Die erzürnte Königin entsetzte ihn darauf seiner Würden und befahl, ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Anfangs in der Haft mild gehalten, suchte er sich durch geheime Verbindungen mit Schottland und durch einen Aufstand der Londoner zu befreien, mußte sich aber auf Gnade und Ungnade ergeben, worauf ihm der Staatsanwalt Bacon, dem er viel Gunst erwiesen, wegen Hochverrats den Prozeß machte. Elisabeth zögerte lange, das über E. ausgesprochene Todesurteil zu bestätigen, indem sie hoffte, er werde um Gnade flehen. Als dies nicht geschah, ward er 25. Febr. 1601 enthauptet, bis zum Tod mutig und stolz. Die Erzählung von dem Ring, den ihm Elisabeth früher geschenkt haben soll mit der Weisung, ihr denselben, wenn sie ihm einst zürnen sollte, zu senden, und den die mit der Übergabe an Elisabeth von E. beauftragte Gräfin Nottingham nicht abgegeben habe, ist ohne Zweifel unhistorisch. E.' tragisches Ende ward vielfach als Gegenstand dichterischer Darstellung benutzt, so von dem Engländer J. ^[John] Banks (1682) und in neuester Zeit von Laube in dem Trauerspiel "Graf E."

3) Robert Devereux, Graf von, Sohn des vorigen, geb. 1592, wurde 1603 von Jakob I. in den Besitz aller Würden und Güter seines Vaters wieder eingesetzt. Infolge eines ärgerlichen Prozesses mit seiner Gemahlin Lady Frances Howard zog er sich auf seine Güter zurück. Im J. 1620 trat er in die Dienste des Kurfürsten von der Pfalz und focht längere Zeit in Holland, schloß sich, nach England zurückgekehrt, im Parlament der Opposition an und befehligte 1624 ein für die vereinigten niederländischen Provinzen in England geworbenes Regiment. Von Karl I. zum Vizeadmiral ernannt, unternahm er 1625 eine erfolglose Expedition gegen die Spanier und einen Feldzug in den Niederlanden. 1640 unterzeichnete er mit elf andern Peers die Petition an den König um Berufung eines Parlaments und übernahm, als es zwischen diesem und dem König zum Bruch kam, obwohl ohne militärische Begabung, den Oberbefehl des Parlamentsheers. In den Schlachten bei Edgehill (23. Okt. 1642) und Newbury (19. Sept. 1643) behauptete er die Oberhand, mußte aber im September 1644, nachdem sein Heer kapituliert hatte, fliehen und legte, erkrankt, den Oberbefehl nieder. Er starb 1646. Da mit ihm die alte Familie der Devereux erlosch, so ging der Titel E. 1661 auf das Haus Capel über. Der erste Graf von E. aus diesem Haus, Arthur, gehörte im Parlament zu den Gegnern der Regierung Karls II. und wurde 1683 wegen angeblicher Teilnahme an einer Verschwörung in den Tower gebracht, wo man ihn nach wenigen Tagen mit durchschnittener Kehle fand. Jetziger Graf von E. ist Arthur Algernon Capel, geb. 28. Jan. 1803, der im Oberhaus zur Torypartei gehört. Vgl. Walter Bourchier Devereux, Lives and letters of the Earls of E. 1540-1646 (Lond. 1852, 2 Bde.).

Essig, im wesentlichen eine Mischung von Essigsäure mit viel Wasser, wird entweder durch Einwirkung der Luft, d. h. durch einen Oxydationsprozeß, aus einer alkoholhaltigen Flüssigkeit (Wein, Obstwein, Bier, gegornem Malzauszug, verdünntem Spiritus) oder durch trockene Destillation des Holzes gewonnen. Reiner Alkohol verdunstet an der Luft unverändert, wenn aber eine Flüssigkeit neben 5-10 Proz. Alkohol etwas Essigsäure und ein gewisses Ferment (einen Pilz, Mycoderma aceti) enthält und bei einer Temperatur von 25-35° der Luft ausgesetzt wird, so nimmt der Alkohol begierig Sauerstoff auf und verwandelt sich in Essigsäure. 100 kg Alkohol können bei diesem Vorgang 130 kg Essigsäure liefern und bedürfen dazu 300 kg = 232,200 Lit. Luft. In der Praxis reicht aber diese Luftmenge bei weitem nicht aus, weil ihr niemals der Sauerstoff vollständig entzogen werden kann. Wie bei jedem Oxydationsprozeß, wird auch bei der Verwandlung des Alkohols in Essigsäure Wärme entwickelt. Die Temperatur des Essigguts, d. h. der alkoholischen Flüssigkeit, welche dem Essigbildungsprozeß unterworfen wird, steigt, und gleichzeitig steigt das spezifische Gewicht, während der alkoholische Geruch einem sauren Platz macht.

Nach dem altern Verfahren der Essigfabrikation füllt man ausgedämpfte Fässer aus Eichenholz, die etwa 200-300 L. fassen und in einem Raum liegen, dessen Temperatur gleichmäßig auf 30-32° erhalten wird, zur Hälfte mit heißem Weinessig, fügt nach einigen Tagen 10-15 L. Wein hinzu und fährt