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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Etzels Hofhaltung; Eu; Eu...; Euadne

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Etzels Hofhaltung - Euadne.

in Ulm, die Brücken über die Enz bei Besigheim und über den Neckar bei Kannstatt hervorzuheben. Auch lieferte er den Erweiterungsplan von Stuttgart. Er starb 30. Nov. 1840. Unter die litterarischen Leistungen Etzels gehören die Normalentwürfe hölzerner Brücken nebst der sie begleitenden Instruktion.

3) Friedrich August von, preuß. General, Bruder von E. 1), geb. 16. Okt. 1808, widmete sich erst in Berlin dem Studium, trat nach ausgedehnten Reisen 1826 in das Gardeschützenbataillon und wurde 1842 Hauptmann im Generalstab, in dem er bis 1856 zum Obersten befördert wurde. Im dänischen Krieg 1849 war er Generalstabschef einer Division, 1866 in Böhmen befehligte er als Generalleutnant die 16. Division der Elbarmee. Darauf wurde er Direktor der Kriegsakademie, 1870 stellvertretender Kommandeur des 9. Armeekorps, 1871 Gouverneur von Stettin und nahm 1874 als General der Infanterie seinen Abschied. 1873 vom Wahlkreis Minden in den Reichstag gewählt, schloß er sich der nationalliberalen Partei an, bei den Wahlen 1877 unterlag er seinem konservativen Gegner.

4) Karl von, Architekt und Eisenbahningenieur, Sohn von E. 2), geb. 6. Jan. 1812 zu Heilbronn, trat in das Büreau seines Vaters und begab sich 1835 nach Paris, wo er sich bald an dem von Clapeyron geleiteten Bau der Bahn von Paris nach St.-Germain beteiligte. 1839 siedelte er nach Wien über, wo er an der Wien-Gloggnitzer Bahn mit arbeitete und außer mehreren Privatbauten in Wiens Umgebung das Dianabad baute. 1843 wurde er nach Stuttgart berufen und führte die Bahnbauten mit Einschluß der Untertunnelung des Rosensteins, der Herstellung des Bahnhofs von Stuttgart, der sogen. Geißlinger Steige (mit einem Gefälle von 1:40) sowie des Viadukts bei Bietigheim aus. 1853 folgte er einem Ruf in die Schweiz, wo er das neue Bankgebäude zu Basel errichtete und die Bauten der Schweizerischen Zentralbahn leitete, darunter die eisernen Viadukte über die Saane bei Freiburg und über die Aare bei Bern. 1857 trat E. als Baudirektor an die Spitze der österreichischen Kaiser Franz-Josephs-Orientbahn und ward 1859 Baudirektor der Österreichischen Südbahngesellschaft, welche unter anderm den Bau der Brennerbahn aufnahm. Die von E. projektierte Trace dieser Bahn, welche, im Gegensatz zu andern ausgeführten Gebirgsbahnen, mit möglichster Vermeidung kostspieliger Kunst- und Tunnelbauten die höchste Wasserscheide ohne Tunnel überschritt, gilt als bahnbrechendes Meisterwerk. Er starb 2. Mai 1865 in Kemmelbach bei Linz. Etzels Veröffentlichungen über die von ihm ausgeführten Eisenbahnbauten bilden noch heute als Muster der Anordnung und Konstruktion; auch war er Mitbegründer der "Deutschen Eisenbahnzeitung" (1843 ff.).

Etzels Hofhaltung, altdeutsches, zur Dietrichssage gehörendes Gedicht, das jedoch, nach der Roheit in Form und Inhalt zu schließen, in späterer Zeit entstanden zu sein scheint und uns nur in einer spätern Bearbeitung, in der von Kaspar von der Rhön geschriebenen Dresdener Handschrift des Heldenbuches, vorliegt. Der Inhalt des Gedichts ist folgender: Selde, eine wunderliebliche Jungfrau, ist einem rohen Weidmann, dem wilden Wunderer, schon als Kind versprochen worden, verschmäht ihn jedoch und entzündet dadurch die Eifersucht des Riesen, der sie zu fressen schwört. Selde flieht zu König Etzel, der sie in die Runde seiner Helden schickt, auf daß sie sich einen Ritter wähle. Sie wählt Rüdiger und, als dieser es ablehnt, für sie zu streiten, den 15jährigen Dietrich von Bern, der, da Wunderer schon alle Thore gesprengt hat, hinabstürzt und nach viertägigem Kampf den Riesen erschlägt, worauf Selde in das Land ihres Vaters zurückkehrt. Das Gedicht ist abgedruckt in v. d. Hagens und Primissers "Deutschen Gedichten des Mittelalters", Bd. 2 (Berl. 1820).

Eu..., griech. Vorsilbe, bezeichnet im Gegensatz zu Dys... etwas Gutes, Schönes, Wohlbeschaffenes, Tüchtiges etc.

Eu (spr. öh), Stadt im franz. Departement Niederseine, Arrondissement Dieppe, an der Bresle oberhalb ihrer Mündung in den Kanal (bei Tréport), an der Nordbahn, hat eine schöne, jüngst restaurierte Kirche aus dem 12. Jahrh., ein prachtvolles Schloß (vom Herzog von Guise 1581 begonnen) mit Parkanlagen, einen Hafen, welcher durch den Kanal von Eu mit dem Seehafen von Tréport in Verbindung steht, (1876) 4169 Einw., ein großes Mühlenetablissement, Fabrikation von Möbeln, Musikinstrumenten und Leder, ein Collège und ein Handelsgericht. In der Nähe finden sich römische Altertümer. - Eu (lat. Alga, Auga) soll schon zur Zeit der Römer bedeutend gewesen sein. 881 ward in der Nähe von Eu (bei Saucourt) eine Schlacht zwischen den Normannen und den Franzosen geschlagen (die Walstatt heißt noch jetzt Franleu, d. h. Francorum locus). Seit 996 war Eu der Sitz einer Grafschaft. Wilhelm, Graf von Eu, Bruder des Herzogs Richard von der Normandie, stiftete hier eine reiche Augustinerabtei, in deren 1119 erbauter Kirche 1181 der heil. Laurentius beigesetzt wurde. Unter König Ludwig XI. war Eu auch zur See mächtig. Die Kaper der Stadt wagten sich sogar an die Engländer und nahmen diesen mehrere ihrer mit Truppen nach Calais segelnden Transportschiffe weg. Als darauf der König von England das Gerücht verbreiten ließ, er werde in die Normandie einfallen und in der Stadt Eu sein Winterquartier aufschlagen, ließ Ludwig 18. Juli 1475 die Stadt niederbrennen, um so den Plan seines Gegners zu vereiteln. Nur die Kirchen und wenige Privatgebäude entgingen der Zerstörung, und Eu vermochte seitdem seine frühere Blüte nicht wieder zu erreichen. Die Grafschaft gelangte, nachdem sie öfters die Besitzer gewechselt, an das Haus Orléans. Ludwig Philipp verlieh als König dem ältesten Sohn des Herzogs von Nemours, dem Prinzen Ludwig (s. unten), den Titel eines "Grafen von Eu". Vgl. Estancelin, Histoire des comtes d'Eu (Par. 1828); Vatout, Le château d'Eu (das. 1839); Leboeuf, Eu et le Tréport (das. 1842).

Eu (spr. öh), Ludwig Philipp Maria Ferdinand Gaston von Orléans, Graf von, geb. 29. April 1842 im Schloß Neuilly, ältester Sohn des Herzogs von Nemours und der Prinzessin Viktoria von Sachsen-Koburg, Enkel des Exkönigs Ludwig Philipp, bildete sich in England für die militärische Laufbahn aus und trat in die brasilische Armee ein. Am 15. Okt. 1864 vermählte er sich mit der ältern Tochter des Kaisers Pedro II. von Brasilien, der Prinzessin Isabella, welche, da der Kaiser keinen Sohn hat, Thronfolgerin ist. Der Krieg mit Paraguay gab dem kaiserlichen Schwiegersohn 1869 Gelegenheit, als Oberbefehlshaber der verbündeten Streitmacht militärische Lorbeeren zu erwerben und den Marschallstab zu erringen. Er erstürmte 12. Aug. d. J. die von Lopez besetzte feste Position bei Piritebu, erfocht bei Caraguatay einen zweiten Sieg über Lopez und beendete durch dessen Tötung auf der Flucht (1. März 1870) den Krieg.

Euadne (Evadne), s. Kapaneus.