Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Euagoras; Euanalépsis; Euandros; Euanthisch; Euästhesie; Eubiótik; Euböa

896

Euagoras - Euböa.

Euagoras (Evagoras), Sohn des Nikokles, König von Cypern, stammte aus der uralten Herrscherfamilie der Stadt Salamis auf Cypern, welche durch Phöniker der Herrschaft beraubt worden war, entfloh schon als Knabe von Salamis nach Kilikien, kehrte 410 v. Chr. nach Cypern zurück, vertrieb den von den Persern eingesetzten Tyrannen und nahm den angestammten Thron von Salamis ein. Durch Vermittelung Konons, der nach der Schlacht bei Ägospotamoi 405 zu E. geflüchtet war, erkannte ihn auch der Perserkönig Artaxerxes als König an. Anfangs nur König von Salamis, brachte er allmählich fast die ganze Insel unter seine Botmäßigkeit. Mit Konon errichtete er ein Freundschaftsbündnis, in welches die Republik Athen mit eingeschlossen wurde. 391 von den Persern bedrängt, kündigte er ihnen in Verbindung mit dem ägyptischen König Akoris den Krieg an und führte denselben mit Hilfe der Athener so glücklich, daß er auch auf dem Festland in Phönikien und Kilikien Eroberungen machte. Dem Antalkidischen Frieden, in welchem die Griechen die Oberherrschaft der Perser über Cypern 387 anerkannten, wollte sich E. nicht unterwerfen und setzte den Krieg fort. Mit überlegener Macht von den Persern angegriffen, ward er bei Kittion besiegt und in Salamis eingeschlossen und verteidigte sich, von Ägyptern, Libyern, Arabern und Tyriern unterstützt, mit der rühmlichsten Standhaftigkeit, so daß ihm die Perser 376 einen ehrenvollen Frieden gewährten. Er wurde 374 von einem Eunuchen ermordet, worauf ihm sein Sohn Nikokles folgte. Isokrates hat eine unter dem Titel "E." noch vorhandene Leichenrede auf E. verfaßt, worin er als das Muster eines Regenten gepriesen wird.

Euanalépsis (griech.), leichte, schnelle Genesung.

Euandros, s. Evander.

Euanthisch (griech.), schön blühend.

Euästhesie (griech.), Wohlbefinden.

Eubiótik (griech.), die Kunst, wohl zu leben, s. v. w. Diätetik; Eubiotiker, s. v. w. Diätetiker.

Euböa (neugriech. Evvia oder Egripos, bei den Italienern Negroponte), griechische, besonders im Altertum wichtige Insel im Ägeischen Meer, dicht an der Ostküste von Mittelhellas (s. Karte "Griechenland"), hat 3681 qkm (66,85 QM.) Flächeninhalt und eine schmale, langgestreckte Gestalt. Sie mißt von dem nördlichen Vorgebirge Pondikonisi (dem alten Artemision, s. d.) bis zur Südspitze Mantelo (dem alten Gerästos) 158 km Länge; ihre größte Breite von 40 km hat sie beim Euripos oder der Meerenge von Negroponte. Im NW. wird E. durch den Kanal von Trikeri von der Südküste Thessaliens, im W. durch den Kanal von Negroponte und den Kanal von Talanti (im Altertum Euböisches Meer) und die Meerenge Euripos vom Festland (Attika, Böotien und Lokris) geschieden. Die Gebirge von E. gliedern sich in drei Gruppen und teilen die Insel in drei Teile, welchen die politische Einteilung in Eparchien entspricht. In der Mitte (Eparchie Chalkis) erhebt sich, nahe der Ostküste, bis zu 1745 m das meist aus Thonschiefer bestehende Dirphysgebirge (jetzt Delphis), dessen Abhänge noch heute reich mit Kiefern, Tannen, Kastanien und Platanen bewachsen sind. Von ihm gegen NO. in der Eparchie Karystia zieht sich das Mavrovunigebirge (1122 m), welches beim Städtchen Kumi (ehemals Kyme) bedeutende Braunkohlenlager hat. Im S. liegt der Ocha (Hagios Ilias, 1404 m), aus Glimmerschiefer bestehend, doch in seinen höhern Teilen weißen, grün gestreiften Marmor (Cipollino) bergend, welcher für die Bauten des kaiserlichen Rom gesucht war. Der im Altertum hier gefundene Asbest scheint erschöpft zu sein. Die alten Anwohner des Ocha trieben starke Purpurfischerei und, wie die Schlackenhalden zeigen, Bergbau auf Eisen und Kupfer. Der Norden von E., dessen äußerster Teil die Eparchie Xerochori einnimmt, ist wohlbewaldet und wasserreich und von den Verzweigungen des 970 m hohen Glimmerschiefergebirges Galzades erfüllt, welches unter dem Namen Telethrion bei den Alten wegen seiner vielen Arzneipflanzen berühmt war. Außerdem erhebt sich zwischen letzterm und dem Dirphys dicht an der Westküste bis zu 1209 m Höhe das Makistos- (jetzt Kandili-) Gebirge. Im N. beim heutigen Dipso, dem alten Aidepsos, befinden sich warme, schwefelhaltige Quellen, welche heute wie in römischer Zeit von Hautkranken, Gichtischen etc. viel besucht sind. Nach O. stürzt E. steil ab, die Küste ist mit Felsenriffen und berüchtigten Klippen umgürtet und hat wenig Landungsplätze. Die Westseite der Insel fällt allmählicher ab und enthält schöne Wälder und jene fruchtbare, von spiegelklaren Flüßchen bewässerte Ebene Lelanton, welche im Altertum E. zu Athens Kornkammer machte und noch jetzt Getreide, Öl, Feigen und Wein im Überfluß hervorbringt. Ein Fluß von Bedeutung ist nicht vorhanden. Eine Hauptbeschäftigung der Bewohner (1879: 81,742), die ein schön gestalteter, kräftiger und heiterer Menschenschlag sind, bildet die Zucht von Schweinen, Schafen und Ziegen, die in den kräuterreichen Bergtriften und in den Thälern vortreffliche Nahrung finden. Auch sehr geschätzter Honig kommt in den Handel. Während der Norden und die Mitte der Insel nur von Griechen bewohnt werden, ist die Bevölkerung des Südens (von Aliveri und Avlonari an) aus Griechen und Albanesen gemischt. Mit den Inseln Skyros, Skiathos, Skopelos, Chilidromi u. a. bildet E. einen Nomos des Königreichs Griechenland, der auf 4199 qkm (76,2 QM.) 1879: 95,136 Einw. zählte und in die vier Eparchien Chalkis, Xerochori, Karystia und Skopelos zerfällt. Vgl. Baumeister, Topographische Skizze der Insel E. (Lüb. 1864).

Als die ältesten Bewohner Euböas werden die illyrischen Abanten, im N. die Hestiäer und Hellopen und im S. am Ochagebirge die Dryoper genannt. Um 1100 v. Chr. wanderten die Ionier ein, welche sich über die ganze Insel ausbreiteten, und deren Sprache auch von den Ureinwohnern angenommen wurde. Der Handel war schon in früher Zeit blühend und wurde durch zahlreiche Kolonien auf der Halbinsel Chalkidike, an der thrakischen Küste, in Italien (Cumä, Rhegium) und auf Sizilien befördert. Die Fruchtbarkeit des Landes und die Industrie der Einwohner, welche ihr Kupfer und Eisen selbst verarbeiteten, lieferten den Schiffen ihre Ladung. Dank der weiten Verbreitung der euböischen Handelsunternehmungen erhielten die euböischen Münzen allgemeine Anerkennung. Künste und Wissenschaften standen in hoher Achtung. Man rühmte sich des Philosophen Menedemos, welcher die euböische Schule gründete, und des Aristoteles, welcher sich lange Zeit auf der Insel aufhielt und in Chalkis starb. Von den 70 Städten und Ortschaften, deren Diodoros von Sizilien gedenkt, waren Karystos an der Südküste (durch seinen Marmor und Asbest berühmt), Chalkis und Eretria die wichtigsten; zwischen letztern herrschte lange ein Streit über den Besitz des Lelantischen Gefildes. Dann folgten die Chalkidier der Hegemonie der Spartaner. Von Handelseifersucht aufgereizt, unternahmen die Chalkidier im Bund mit Sparta und Theben 507 einen Kriegs-^[folgende Seite]