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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Euböisches Meer; Eubulides; Eubulie; Eubulos; Eucalyptus

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Euböisches Meer - Eucalyptus.

zug gegen Athen, wurden aber besiegt, worauf die Athener sich der Stadt Chalkis bemächtigten und 4000 Kolonisten dort ansiedelten. Dankbarkeit für die frühere Hilfe bewog 499 die Einwohner von Eretria, den Ioniern gegen Persien Hilfe zu senden, was zur Folge hatte, daß Dareios 490 die Stadt zerstören und die Einwohner in die Gegend von Babylon versetzen ließ. Seit den Perserkriegen stand E. unter athenischer Herrschaft, eine Empörung wurde von Perikles 445 unterdrückt. 411 fiel die Insel von ihnen ab, wurde nach dem Peloponnesischen Krieg von Sparta, dann aber wieder von Athen abhängig, welches um 376 die ganze Insel abermals beherrschte. Nach der Schlacht bei Leuktra schlossen sich die Euböer den Thebanern an und unterstützten diese gegen Sparta. Ais Eretria um 358 von andern Städten Euböas und den Thebanern bedroht wurde, suchte es Hilfe in Athen. Darauf vertrieben die Athener die Thebaner von der Insel, ohne sie selbst behaupten zu können. Seit dieser Zeit wechselte die Herrschaft fortwährend unter Bürgerkriegen und fremden Eingriffen. Endlich erhob sich wieder eine große Anzahl Tyrannen, welche meist durch den König Philipp von Makedonien unterstützt wurden, der jedoch Teile der Insel selbst besetzte, bis die Schlacht bei Chäroneia 338 sie ihm mit dem übrigen Griechenland unterwarf. 194 von den Römern für frei erklärt, bildeten die Städte der Insel einen unabhängigen Bund, der sich bis 146 behauptete, wo E. dem römischen Reich einverleibt wurde. 1204 n. Chr. wurde die Insel den Byzantinern entrissen und kam zunächst unter die Herrschaft lombardischer Großen, die am vierten Kreuzzug teilgenommen hatten; doch erlangte die Republik Venedig bald die Oberhoheit und um 1351 die ausschließliche Herrschaft über E. Unter türkische Herrschaft kam die Insel 1470 und blieb unter derselben, bis sie 1821 auf den Ruf der Modena Maurogenia das Banner der Freiheit erhob. Später ward sie dem neugebildeten Königreich Griechenland einverleibt.

Euböisches Meer, s. Euböa.

Eubulides, griech. Philosoph des 4. Jahrh. v. Chr. aus Milet, war ein Schüler des Eukleides von Megara und ist besonders durch seine Trugschlüsse und verfänglichen Fragen bekannt. Namentlich werden ihm folgende Sophismen zugeschrieben, deren Autorschaft aber zweifelhaft ist: der "Lügner" (z. B. Epimenides sagt: alle Kretenser sind Lügner; nun ist Epimenides selbst ein Kretenser, also ist Epimenides ein Lügner, also sind alle Kretenser wahrheitliebende Leute), der "Gehörnte" (z. B. was du nicht verloren hast, das hast du; Hörner hast du nicht verloren, also hast du Hörner) und der "Kahlkopf" (s. Calvus). Selbst Demosthenes soll unter den Schülern des E. gewesen sein.

Eubulie (griech.), kluges Beraten, Einsicht, Klugheit.

Eubulos, 1) Sohn des Spintharos aus dem Demos Anaphlystos, athen. Staatsmann, Gegner des Demosthenes sowohl in den gerichtlichen als in den politischen Verhandlungen, in finanziellen Angelegenheiten besonders bewandert, drang während des unglücklichen Bundesgenossenkriegs (357-355 v. Chr.) auf Frieden um jeden Preis und auf Genuß ungestörter bescheidener Ruhe. Zum Staatsschatzmeister erwählt, regelte er mit großem Geschick die Finanzen; aber um die Volksgunst buhlend, setzte er durch, daß die Überschüsse, welche bisher in die Kriegskasse geflossen waren, dazu verwendet werden sollten, daß die ärmern Bürger freien Eintritt ins Theater erhielten (Theorikon). Er lähmte hierdurch die kriegerische Kraft des Staats und war auch beim Streit mit Philipp von Makedonien für Nachgiebigkeit und Frieden. E. betrieb 346 die Absendung der Gesandtschaft des Philokrates. Sein Tod fällt jedenfalls vor 330 und vor den Tod seines Gegners. Von des E. eignen Reden, die denen von Demosthenes und Äschines gleichgestellt werben, hat sich nichts erhalten.

2) E., um 360 v. Chr., neben Antiphanes und Alexis einer der Koryphäen der mittlern attischen Komödie. Er bearbeitete hauptsächlich mythische Stoffe, indem er die frühern Tragiker, besonders Euripides, parodierte. Von seinen auf 104 angegebenen Stücken haben sich nur einzelne Bruchstücke erhalten (abgedruckt in Meinekes "Fragmenta comicor. graecorum", Bd. 3), welche eine reine und gewählte Sprache zeigen.

Eucalyptus Hérit. (Schönmütze), Gattung aus der Familie der Myrtaceen, hohe, meist harzreiche und schöne Bäume in Australien mit ganzen, an jungen Pflanzen oft gegen-, später meist wechselständigen, etwas lederartigen, in der Regel blaugrünen, bleibenden Blättern, kurzgestielten Blüten mit federbuschartigen Staubfäden in Dolden oder kopfigen Blütenständen, zu einer federigen oder krautigen Mütze verwachsenen und gemeinsam abfallenden Blumenblättern und vielsamigen Kapseln. Die Rinde ist teils weich, teils hart und fest, bei manchen Arten auch faserig und löst sich zuweilen vom ganzen Stamm oder nur vom obern Teil desselben in Fetzen ab. Die etwa 100 E.-Arten gehören zu den stattlichsten Waldbäumen Australiens und Tasmanias und erreichen zum Teil kolossale Größe. Einige Arten gehören den hinterasiatischen Inseln an. E. amygdalina Labill. (Pfefferminzbaum, s. Tafel "Arzneipflanzen III") wird 140 m hoch und so dick, daß sich in einem hohlen Stamm drei Reiter bequem nebeneinander bewegen konnten. E. globulus Labill. (blauer Gummibaum), in Australien und Tasmania, erreicht eine Höhe von 110 m und einen Stammumfang von 30 m, er besitzt bläulichgrüne, lanzettförmige Blätter und ist ungemein schnellwüchsig. Wegen der Schnellwüchsigkeit und der aromatischen Ausdünstungen seiner Blätter hat man angefangen, den Baum in sumpfigen Gegenden anzupflanzen, um eine Luftverbesserung herbeizuführen. Man findet ihn jetzt für diesen Zweck angepflanzt in Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland, Italien, Palästina, in dem Hochland Indiens, in Nord- und Südamerika, in Südafrika, auf Cuba, St. Helena, in Ägypten, Corsica, Algerien. Er soll auch in Südengland ausdauern und bis Görz gedeihen. Überall hat sich bestätigt, daß er vermöge seines außerordentlichen Verdunstungsvermögens das Klima verbessert und Sumpffieber beseitigt. Die Blätter sind ungemein reich an ätherischem Öl (1,2 Lit. aus 36 kg), welches daraus leicht gewonnen werden kann. Das Holz ist sehr fest und hart und eignet sich unter anderm vorzüglich zu Schiffbauholz, Eisenbahnschwellen, Wasserbauten etc. Aus der Rinde wird Papier bereitet, auch werden Rinde und Blätter gegen Fieber benutzt, ebenso das ätherische Öl, welches stark desinfizierend wirkt und sich zur Behandlung von Wunden eignet. Es ist ferner empfohlen worden gegen Krankheiten der Atmungsorgane u. Geschlechtskrankheiten, und in Italien hat man einen mit demselben bereiteten Eukalyptuslikör als Präservativ gegen Wechselfieber benutzt. In der Technik dient es zur Firnisfabrikation. Das Öl ist farblos, riecht stark und angenehm aromatisch, rosenartig, brennt auf der Zunge und hinterläßt einen sehr bittern Nachgeschmack. Es hat das spez. Gew. 0,900-0,925, siedet bei 170-175°, löst sich leicht in Akohol ^[richtig: Alkohol], Äther, fetten und ätherischen Ölen und besteht im wesentlichen aus Cymol und einem bei 172-175° siedenden Kohlenwasserstoff (Eu-^[folgende Seite]