Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Europa

923

Europa (Bodengestaltung im Westen).

turgrenze des innern Rußland. Zwischen dem mittlern und nördlichen Rücken dehnt sich, wie durch einen Wall von beiden Westscheideküsten des obern Wolgagebiets umringt, das Becken von Großrußland aus. An der nördlichen Außenseite des uralo-baltischen Beckens breiten sich die endlosen Waldungen und gegen das Meer die weiten Tundren Nordrußlands und die seenreiche, niedrige Felsplatte Finnlands aus. Auch ein großer Teil des gegenüberliegenden Schweden ist Flachland, in welchem der Fels nur an den Flüssen und Seeufern hervortritt und das Niveau der Ebene in vereinzelten oder gedrängten Hügeln und Einzelbergen überragt, deren höchste, über den großen Seen, sich nicht über 500 m erheben. Soweit dieser Urfelsboden reicht, umgürten Felsklippen (Schären) die beiderseitigen Gestade der See.

Im grellen Gegensatz zu diesem nordöstlichen Flachland stehen die Niederungen, die von der Elbe bis zur französisch-belgischen Grenze das Mittelgebirgsland Europas vom Meer und dem baltischen Landrücken trennen. Hier finden wir von der Südgrenze Jütlands bis zu den Niederlanden die Düneninseln längs der Küste, die fetten Marschlandschaften längs der Küste und Flüsse und zwischen und hinter ihnen gegen das Binnenland die ausgedehnten Moorflächen, unterbrochen durch sandiges Geestland, und an vereinzelten Punkten, bei Lüneburg, bei Segeberg und an den Klippen von Helgoland, tritt die feste Unterlage zu Tage. In tiefen Buchten greift dies nördliche Tiefland in das Gebiet des Mittelgebirgsbogens ein, so längs der Oder mit der tiefen schlesischen Bucht im O., in der Mitte mit der Bucht der Leipziger Niederung, im W. mit der bis Bonn reichenden niederrheinischen Niederung, mit welcher nach O. die münstersche im Gebiet der obern Ems und Lippe zusammenhängt. Mitten im Binnenland, erst spät durch die Spalte des Rheinthals mit der niederrheinischen Bucht in Verbindung gesetzt, dehnt sich zwischen Mainz und Basel die mittelrheinische Tiefebene aus, ringsum von Gebirgen umfaßt, im S. mit dem niedrigen, isolierten Kaiserstuhlgebirge, welches sich in ihr erhebt, ein selbständiges Glied im Oberflächenbau Europas. Dagegen ist das Flachland Ostenglands eher dem großen europäischen Tiefland anzureihen. Jenseit der Landhöhen von Boulonnais folgen die 269,800 qkm (4900 QM.) umfassenden nord- und westfranzösischen Tieflandschaften, welche vom gebirgigen Zentralfrankreich die niedrigen Berginseln der Normandie und Bretagne trennen. Die nördliche steigt allmählich zu den Plateaus auf, welche die nordostfranzösischen Gebirge und das hohe Zentralfrankreich untereinander verbinden. Seine größte Ausdehnung hat das Tiefland im SW., wo es östlich von Carcassonne zwischen den Ausläufern Zentralfrankreichs und der Pyrenäen mit dem Rhônetiefland in Verbindung tritt. Letzteres, 11,000 qkm (200 QM.) groß, scheidet die Alpen und Zentralfrankreich voneinander und geht nordöstlich, allmählich ansteigend, in die Hochebene über, welche die Alpen im N. begrenzt. Nur zum Teil bestehen diese französischen Tiefländer aus Niederungsebenen, zum Teil zwischen den großen Strömen aus niedern Plateaus; zumeist sind sie Hügelland. In ihm treten nebeneinander große Gegensätze in der Anbaufähigkeit auf: die arme Sologne neben Frankreichs Garten an der Loire, die öden Heiden (landes) neben den weinreichen Hügeln an der Garonne, die Brackwasserbecken (étangs) der Südküste, die Sümpfe der Rhônemündung, die steinige Crauebene neben dem Garten der Provence und Languedocs. Außer Küstenniederungen besitzt Italien das die tiefe Bucht zwischen den Alpen und Apenninen einnehmende, 53,800 qkm (977 QM.) große Tiefland des Po, aus dessen horizontalen Ebenen sich im O. die niedrigen Euganeischen und Bericischen Hügel erheben, eine der fruchtbarsten, bevölkertsten Niederungen Europas. Die größten unter den isolierten Tieflandschaften Europas sind die an der Donau, von denen die walachische Donautiefebene 33,000 qkm (600 QM.) umfaßt; zu ihr gehört alles Land zwischen den siebenbürgischen Alpen und dem Balkan, die Niederungsebene der Walachei und das südwärts allmählich aufsteigende Bulgarien. Vor der weiten Öffnung gegen O. liegt der isolierte Baba Dagh in der Dobrudscha; nach W. dagegen schließen die nördliche und südliche Gebirgsbegrenzung zusammen, und durch gebirgige Engen muß sich die Donau ihren Weg aus dem obern Tiefland ins untere suchen. Dies obere Tiefland der Donau umfaßt, rings von Gebirgen umgeben, das Innere Ungarns und einen Teil seiner Nebenländer. Man teilt es in die große niederungarische Ebene von 113,500 qkm (2061 QM.), die in ihrem Innern ein wahres Steppenland ist, und die kleine ungarische Ebene von 12,400 qkm (225 QM.), die nur durch niedrige, isolierte Hügelzüge von der 2918 qkm (53 QM.) großen Tiefebene Niederösterreichs oder Wiens mit dem Marchfeld getrennt ist, während zwischen den beiden ungarischen Ebenen ein höheres Bergland liegt, durch welches die Donau hindurchbricht, um bei Ofen in die große ungarische Ebene einzutreten. Mit tiefen Buchten greifen diese Ebenen in die angrenzenden Gebirgsländer ein; als Fortsetzungen der letztern sind die kleinen Berginseln in Slawonien, Kroatien und an andern Grenzen der Ebene anzusehen. Jenseit der Enge am Leopoldsberg, westlich von Wien, folgt das bis zum Rhônetiefland hinüberreichende süddeutsche Hochland. Von den 1,101,300 qkm (20,000 QM.) welche auf den Umfang des gebirgigen Südwesteuropa, nach Ausschluß der drei südlichen Halbinseln, kommen, sind nicht weniger als 207,600 qkm (3770 QM.) von den Gebirgsgliedern des erstern eingeschlossenes Tiefland, so daß für die Hoch- und Mittelgebirgslandschaften des großen, von der Garonne zur untern Weser und untersten Donau reichenden Gebirgsdreiecks über 892,000 qkm (16,200 QM.) bleiben.

Den Kern des genannten großen Gebirgsdreiecks von Südwesteuropa bilden die Alpen. Sie liegen in der Mitte Europas, dehnen sich in der Richtung von WSW. nach ONO. von 6-18° östl. L. v. Gr. aus und werden im S. durch das Ligurische Meer, das Tiefland des Po, das Adriatische Meer und das Gebirgsland der griechischen Halbinsel, im W. durch das Thal des Rhône, im N. durch die langgestreckte Hochebene der Schweiz und Süddeutschlands, welche die Rhône- und Donautiefländer verbindet, begrenzt; Nord- und Südfuß begleitet eine Reihe prachtvoller, zum Teil in das Gebirge selbst eingreifender Seen; im O. treten die Ausläufer der Alpen in die ungarischen Ebenen. Ihre Breite nimmt von W. nach O. zu; zwischen Genf und Ivrea sind sie nur 150 km breit; vom äußersten Südwest- bis zum äußersten Nordostende mißt man 927 km und mit Einschluß der äußersten nordöstlichen Ausläufer sogar 1110; der Flächenraum beträgt 191,940 qkm (3486 QM.). Vier große Stromthäler umgeben das Hochgebirge von allen Seiten, von denen drei ihren Anfang im Herzen des Alpenzugs nehmen: Rhein, Rhône, Inn; das vierte, das Pothal, bildet nur eine kurze Furche des Westflügels. Die Gipfelhöhe steigt in den Westalpen von S. nach