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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Euthanasie - Eutrophie.

30 m hohem, aber nur bis 16 cm dickem und am Grund oft verdicktem Stamm, ebenfalls kammartig gefiederten Blättern und olivengrünen Früchten, die an Gestalt, Größe und Farbe den Schlehen gleichen. Das in Wasser erweichte und zerriebene Fruchtfleisch gibt durchgeseiht eine Art dicker, pflaumenblauer, musartig schmeckender Sahne (Assai), eine der geschätztesten Leckereien von Paru (am Ausfluß des Amazonenstroms). Die Blätter dienen zum Dachdecken und Korbflechten, in jugendlichem Zustand als Palmkohl.

Euthanasie (griech.), Todeslinderung, das Verfahren, wodurch der Arzt den als unvermeidlich erkannten Tod für den Sterbenden möglichst zu erleichtern und schmerzlos zu machen sucht, besteht hauptsächlich in zweckmäßiger Lagerung, Anwendung anästhetischer und narkotischer Mittel bei Vorhandensein von Schmerzen und vor allem im Fernhalten jeder äußern Störung auch dann, wenn der Sterbende scheinbar gänzlich teilnahmlos daliegt.

Euthymie (griech.), Gemütsruhe, Frohsinn; euthymisch, frohsinnig, heiter.

Euthymios Zigabenos (richtiger Zygadenos), byzantin. Theolog und Basilianermönch zu Konstantinopel, starb nach 1118. Seine auf Befehl des Kaisers Alexios aus den Vätern zusammengestellte "Panoplia, d. h. Rüstkammer des orthodoxen Glaubens", besteht aus 24 den einzelnen Häresien und ihrer Widerlegung gewidmeten Abschnitten (griechisch erschienen zu Tergovist in der Walachei 1711, mit Ausnahme des gegen den Islam gerichteten 24. Abschnitts). Bedeutender ist sein "Kommentar zu den vier Evangelien", eine Sammlung älterer Erklärungen, griechisch und lateinisch herausgegeben von Eh. F. Matthäi (Leipz. 1792, 3 Bde.; neue Aufl., Berl. 1845, 3 Bde.). Der Abschnitt "De Bogumilis" wurde von Wieseler besonders herausgegeben (Götting. 1842).

Euthymos, ein durch die Sage berühmt gewordener Faustkämpfer aus Lokri in Unteritalien, trug in den Olympischen Spielen dreimal den Sieg davon, befreite die Stadt Temessa von dem bösen Geist Polites (einem Gefährten des Odysseus), dem jährlich eine Jungfrau geopfert ward, und soll endlich von der Erde entrückt worden sein.

Euthytona (griech., "Geradspanner"), die Horizontalgeschütze der alten Griechen, im Gegensatz zu den Wurfgeschossen (s. Palintona). Vgl. Katapulte.

Eutin (im Mittelalter Uthin, Oytyn), Hauptstadt des oldenburg. Fürstentums Lübeck, in anmutiger Gegend am Eutiner See, der eine mit schönen Anlagen versehene Insel enthält, und an der Linie Neumünster-Kiel der Preußischen Staatsbahn, hier mit Abzweigung nach Lübeck, ein freundlicher, wohlgebauter Ort, hat eine Regierung, ein Amtsgericht, ein früher bischöfliches, jetzt großherzogliches Schloß (östlich am See) mit schönem Park, eine evang. Pfarrkirche, ein Gymnasium, eine öffentliche Bibliothek von 30,000 Bänden, verschiedene wohlthätige Anstalten, eine Flachsreinigungsanstalt, 2 Dampfsägemühlen, Wagen- und Maschinenfabriken, Ackerbau, Kunstgärtnerei, Fischerei, Getreidehandel und (1880) 4574 meist evang. Einwohner. - E. soll von dem Grafen Adolf II. von Holstein gegründet worden sein und war schon 1139 gut befestigt. 1155 überließ es Graf Adolf dem Bischof Gerold von Lübeck, der den Ort zur Stadt erhob und daselbst einen Hof erbauen ließ, wo die Bischöfe von Lübeck öfters residierten. Der lübeckische Bürgermeister Marx Meyer eroberte Stadt und Schloß 1534, wurde aber vom Grafen Johann von Rantzau bald darauf wieder vertrieben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt hart mitgenommen, 1714-16 von den Dänen neu befestigt und 1813 von französischen und dänischen Truppen besetzt. Seit 1702 nannte sich eine Linie des Hauses Holstein nach E. Holstein-E. (s. Holstein). Das vormalige, 1309 gestiftete Kollegiatstift wurde infolge der Reformation aufgehoben. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts war E. eine vielgenannte Dichterstadt, da sich J. H. ^[Johann Heinrich] Voß, Boie, die beiden Stolberg, Fr. H. Jacobi u. a. daselbst aufhielten (vgl. hierüber v. Bippen, Eutiner Skizzen, Weim. 1859). Auch ist K. M. v. Weber in E. geboren und sein Geburtshaus durch eine Gedenktafel bezeichnet. In der an Seen und Buchenwaldungen reichen Umgegend (auch Holsteinische Schweiz genannt) liegen in reizender Umgebung der Bahnhof Gremsmühlen zwischen dem Diek- und Kellersee, 6 km nordwestlich von E., das Pfarrdorf Malente am Kellersee, mit 781 Einw. (das "Grünau" in Voß' "Luise"), und nördlich der sagenreiche Ukleisee zwischen Waldhügeln.

Euting, Julius, Orientalist, geb. 11. Juli 1839 zu Stuttgart, absolvierte in Tübingen das theologische Examen und wandte sich dann hier wie später in Paris, London und Oxford ausschließlich orientalischen Studien zu. Seit 1866 als Bibliothekar zu Tübingen (erst an der Stifts-, dann an der Universitätsbibliothek) angestellt, wurde er 1871 als erster Bibliothekar an die kaiserliche Universitätsbibliothek zu Straßburg berufen und 1880 zugleich zum Honorarprofessor in der philosophischen Fakultät ernannt. Mehrere Reisen, welche er 1867-70 nach Kleinasien, Griechenland, Sardinien etc. unternahm, waren vornehmlich dem Studium altsemitischer Inschriften gewidmet, von denen er eine reiche Sammlung in Abschriften etc. der Straßburger Universität vermachte. Er veröffentlichte: "Qolasta" (mandäischer Text, Tübing. 1867); "Punische Steine" (in den "Memoiren der Petersburger Akademie" 1871); "Erläuterung einer zweiten Opferverordnung aus Karthago" (Straßb. 1874); "Sechs phönikische Inschriften aus Idalion" (das. 1875); "Sammlung der karthagischen Inschriften" (das. 1884 ff.); ferner: "Katalog der kaiserlichen Universitäts- und Landesbibliothek zu Straßburg" (das. 1877) u. a. E. ist seit 1877 auch Präsident des Vogesenklubs und hat eine Karte vom Odilienberg sowie eine "Beschreibung der Stadt Straßburg u. des Münsters" (Straßb. 1881) herausgegeben.

Eutokios, Mathematiker aus Askalon, lebte unter Kaiser Justinian in der zweiten Hälfte des 6. Jahrh. n. Chr., veranstaltete in Gemeinschaft mit seinem Lehrer Isidoros eine noch vorhandene Rezension der Werke des Archimedes (griech. u. lat., Basel 1544; hrsg. von Torelli, Oxford 1792) und verfaßte Kommentare zu verschiedenen Werken des Genannten, die in den Ausgaben des letztern abgedruckt sind.

Eutolmie (griech.), Entschlossenheit, Mut.

Eutonie (griech.), Stärke, Kräftigkeit.

Eutopisch (griech.), Bezeichnung einer Blüte, deren Hüllkreise, d. h. Kelch und Krone, in der Knospe sich in der Richtung der genetischen Blattspirale decken.

Eutritzsch, stadtähnliches Pfarrdorf in der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft Leipzig, 3 km nördlich von Leipzig, hat (1885) 7609 meist evang. Einwohner, mehrere bedeutende Fabriken (Eisengießerei mit Gewächshausbauanstalt, Fabriken für landwirtschaftliche Maschinen, wasserdichte Stoffe, Thonwaren etc.), eine Dampfbäckerei, Kunstgärtnereien u. a. E., ein stark besuchter Vergnügungsort der Leipziger, wird als Uderycz bereits 1359 erwähnt.

Eutrophie (griech.), Wohlgenährtheit; auch nahrhafte Beschaffenheit von Lebensmitteln.