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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ewe; Ewer; Ewerbeck; Ewest; Ewig; Ewige Lampe; Ewige Richtung; Ewiger Friede; Ewiger Jude

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Ewe - Ewiger Jude.

ersten Evangelien, übersetzt und erklärt" (das. 1850); "Die Sendschreiben des Apostels Paulus" (das. 1857); "Die Johanneischen Schriften, übersetzt und erklärt" (das. 1862, 2 Bde.); "Übersetzung und Erklärung aller Bücher des Neuen Testaments" (das. 1870-72, 7 Bde.). Von seinen sonstigen Arbeiten nennen wir noch: "Erklärung der großen phönikischen Inschrift in Sidon" (Götting. 1856); "Über die phönikischen Ansichten von der Weltschöpfung" (das. 1857); "Die Sibyllinischen Bücher" (das. 1858); "Das vierte Ezrabuch" (das. 1863); "Sprachwissenschaftliche Abhandlungen" (das. 1861-71); "Abhandlung zur Zerstreuung der Vorurteile über das alte und neue Morgenland" (das. 1872); "Die Lehre der Bibel von Gott" (Leipz. 1871-75, 3 Bde.). Seine Autobiographie ist noch nicht gedruckt.

6) Herman Frederik, dän. Schriftsteller, geb. 13. Dez. 1821 zu Kopenhagen, praktizierte mehrere Jahre (bis 1864) als Landmesser in Nordschleswig, lebt seitdem als Professor in Kopenhagen. Sein erstes Werk, die anonym erschienene Erzählung "Valdemar Krones Ungdomshistorie" ("W. Krones Jugendgeschichte", 1860, 4. Aufl. 1876; deutsch, Brem. 1876), eine launige Schilderung des dänischen Highlife, wurde mit großem Beifall aufgenommen. Unter seinem Namen folgten darauf die Romane: "Familien Nordby" (1862; deutsch, Brem. 1871), "Johannes Falk" (1865), "Hvad Ellen vilde" ("Was Ellen wollte", 1869), "Agathe" (1873; deutsch, das. 1874) u. a., worin E. sich als einen vorzüglichen Charakterzeichner erweist. Auch auf dem Gebiet des historischen Romans lieferte er verschiedene, sehr anerkennenswerte Arbeiten, so: "Svenskerne paa Kronborg" ("Die Schweden auf Kronborg", 1867; deutsch, 2. Ausg. Brem. 1874), "Den skotske Kvinde paa Tjele" ("Die Schottin zu Tjele", 1871), "Knud Gyldenstjerne" (1875), "Niels Brahe" (1877), "Anna Hardenberg" (1880) und "Dronningens Jomfruer" (1885), Romane, die als treue kulturgeschichtliche Bilder von Bedeutung sind.

7) Ernst, Maler, geb. 17. März 1836 zu Berlin, widmete sich anfangs auf der Universität Bonn dem Studium der Naturwissenschaften, ging aber mit 19 Jahren zur Malerei über und wurde in Berlin Schüler von Steffeck. Von 1856 bis 1863 verweilte er in Paris, wo er ein Jahr lang Schüler von Couture war. 1864 bereiste er Italien, studierte dort vorzugsweise die Malereien des 15. Jahrh. und trat in demselben Jahr auf der Berliner akademischen Ausstellung mit dem Bilde der sieben Todsünden auf, das die Repräsentanten derselben als reale, im Kostüm des 17. Jahrh. dargestellte Persönlichkeiten in aktionsmäßiger Gruppierung erscheinen läßt. 1865 ließ er sich in Berlin nieder, wurde 1868 Lehrer am dortigen Gewerbemuseum, 1874 Direktor der Unterrichtsanstalt desselben und 1880 kommissarischer Direktor der Kunstschule. Unter seinen spätern Arbeiten sind besonders die 1869 entstandenen Malereien in der Bibliothek des Rathauses zu Berlin und die Wachsmalereien in der Querhalle der Nationalgalerie zu nennen, welche die Hauptszenen der Nibelungensage darstellen. Er hat auch Entwürfe für Glasmalereien geliefert und gab heraus: "Farbige Dekorationen alter und neuer Zeit" (Berl. 1882-84).

Ewe, die Sprache von Dahomé (s. d.) in Westafrika.

Ewer, ein- und zweimastiges (Besahn-E.) Fahrzeug, besonders auf der Niederelbe zur Fluß- und Küstenfahrt sowie zur Fischerei gebräuchlich, von 10 bis 100 Ton. Gehalt. Ewerführer heißen in Hamburg diejenigen Leute, welche die Kaufmannsgüter in "Schuten" von den Schiffen holen und aus den Speichern der Fleete dahin bringen. Der Ewerkahn hat die Bauart des Ewers, besitzt aber Kahnluken. Tonnengehalt 40-60.

Ewerbeck, Franz, Architekt, geb. 15. April 1839 zu Brake in Lippe-Detmold, widmete sich auf dem Polytechnikum in Hannover, hier unter Hases Leitung, und später auf der Bauakademien Berlin baukünstlerischen Studien. Nachdem er eine Zeitlang an verschiedenen deutschen und holländischen Bahnbauten beschäftigt gewesen, wurde er 1870 als Professor der Architektur an die technische Hochschule in Aachen berufen, wo er neben seiner Lehrthätigkeit auch eine praktische entfaltete. Außer einer Anzahl von Privatbauten führte er den Bau des neuen chemischen Laboratoriums aus und beteiligte sich mit Erfolg an verschiedenen Konkurrenzen. In weitern Kreisen wurde er durch die Konkurrenz um das Rathaus für Wiesbaden bekannt, in welcher sein im Verein mit A. Neumeister in Wiesbaden ausgearbeiteter Entwurf den ersten Preis erhielt. Derselbe, im Stil der deutschen Renaissance ausgeführt, zeichnet sich ebensosehr durch die malerische und dabei doch monumentale Wirkung der energisch gegliederten Fassade und durch eine maßvolle und elegante Behandlung der Details wie durch die originelle Gestaltung des Grundrisses aus. E. unternahm verschiedene Studienreisen nach Italien, Südfrankreich, Belgien, Holland etc. Eine Frucht derselben ist das mit Neumeister veröffentlichte Werk "Die Renaissance in Belgien und Holland" (Leipz. 1883).

Ewest, Fluß im nördlichen Rußland, entspringt im Gouvernement Witebsk, geht dann nach Livland über und fällt, nachdem er sich durch die Iga, Nerdia und andre Bäche verstärkt hat, in die Düna.

Ewig, s. Ewigkeit.

Ewige Lampe (ewiges Licht), die Lampe, welche dem Leichnam Christi zu Ehren in katholischen Kirchen stets brennend erhalten wird.

Ewiger Friede, s. Friede.

Ewige Richtung, ein Vertrag, welcher im April 1474 durch Vermittelung Ludwigs XI. von Frankreich zu Konstanz zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Haus Habsburg geschlossen wurde, und wonach fortan aller Krieg aufhören, jeder Teil sein Gebiet behalten, Handel und Wandel gegenseitig ungestört bleiben sollte. Der Vertrag hatte besonders die Bekämpfung des Herzogs Karl des Kühnen von Burgund zum Zweck; es traten demselben viele elsässische und rheinische Städte sowie die Bischöfe von Basel und Straßburg bei.

Ewiger Jude, nach einer Legende der Schuhmacher Ahasverus von Jerusalem, der, als Christus auf dem Weg nach Golgatha vor seinem Haus ruhen wollte, ihn mit dem Leisten forttrieb, und zu dem Jesus sprach: "Ich werde ruhen; du aber sollst gehen, bis ich wiederkomme!" Seitdem wandert Ahasverus, ohne sterben zu können, ruhelos durch die Welt. Nach andrer Tradition war es der Thürhüter des Pontius Pilatus, Kartaphilos, der Jesus mit Faustschlägen mißhandelte und zur Strafe dafür bis zum Jüngsten Gericht wandern muß. Alle hundert Jahre befällt den Ewigen Juden eine Krankheit, welche ihn verjüngt. Die abendländische Legende entstand im 13. Jahrh., wo sie der englische Chronist Matthäus Parisiensis zuerst erzählte, der sich seinerseits auf einen 1228 in England verweilenden armenischen Erzbischof als Gewährsmann berief. Auch Philipp Mouskes, der Verfasser einer flandrischen Reimchronik (um 1243), berichtet dieselbe. In Italien wurde