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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ewald

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Ewald.

von einigen satirischen Dramen abgesehen: das in Prosa abgefaßte Trauerspiel "Rolf Krage" (1770; deutsch, Hamb. 1775) und seine Meisterwerke "Balders Död" (1774) und "Fiskerne" ("Die Fischer", 1780). In letzterer Dichtung, einem dramatisierten Bild vom Leben der Küstenbewohner, kommt das Lied "Kong Christian stod ved höjen Mast" ("König Christian stand am hohen Mast") vor, das nachher zum beliebtesten Nationallied der Dänen wurde. Sein letztes Lied war "Udrust dig, Helt fra Golgatha" ("Zur Hilfe, Held von Golgatha"). Nach langen und schweren Leiden starb E. 17. März 1781, kaum 38 Jahre alt. Daß er der neuern dänischen Poesie, welche sich mit Öhlenschläger entfaltete, die Bahn brach, hat dieser in mehreren seiner schönsten Gedichte ("Ewalds Grab") dankbar anerkannt. Als Lyriker dürfte E. in Dänemark noch kaum seinesgleichen gefunden haben, und seine Oden (z. B. "Til Sjælen" und "Til min Moltke") können sich an Schwung und Hoheit mit denen Klopstocks messen. Seine Sprache ist rein, klar und edel; im Vers zeigt er eine Herrschaft über die Form, die unübertroffen ist. Eine vorzügliche Selbstbiographie hat er in seinem leider unvollendet gebliebenen Werk "J. Ewalds Levnet og Meninger" gegeben. Die beste Ausgabe der Werke Ewalds besorgte Liedenberg (Kopenh. 1850-55, 8 Bde.); Biographien desselben lieferten Molbech (das. 1831) und M. Hammerich (das. 1860, 2. Ausg. 1861), eine Charakteristik Olsen (das. 1835). Vgl. Öhlenschläger, Vorlesungen über E. und Schiller (Kopenh. 1810-12), und Welhaven, E. und die norwegischen Dichter ("Sämtliche Schriften", Bd. 8, das. 1868).

3) Johann von, dän. General, geb. 30. März 1744 zu Kassel, trat, kaum 16 Jahre alt, als Kadett in ein hessisches Regiment, machte einen Feldzug im Siebenjährigen Krieg mit und wurde nach dessen Beendigung zum Offizier ernannt. 1776 ging er als Kapitän bei den Leibjägern mit dem den Engländern verkauften hessischen Truppenkorps nach Nordamerika und kehrte 1783 zurück. 1788 trat er als Oberstleutnant und Chef eines Jägerkorps in dänische Dienste, wurde geadelt und stieg zum Generalleutnant. Als Dänemark 1801 Hamburg und Lübeck besetzte, erhielt E. in ersterer Stadt das Militärkommando. Als General der Avantgarde des zur Behauptung der Neutralität der dänischen Grenze in Holstein zusammengezogenen Armeekorps hinderte er 1806 das Eindringen der Preußen und Schweden. 1807 schützte er während der Unternehmung der Engländer gegen Kopenhagen die Insel Seeland gegen feindliche Überfälle, wofür er zum Gouverneur von Kiel ernannt ward. 1809 befehligte er das dänische Korps, welches die Franzosen gegen Schill unterstützte, zeichnete sich beim Sturm von Stralsund aus, ward noch in demselben Jahr kommandierender General in Holstein und erhielt 1812 das Kommando einer Armeedivision von 10,000 Mann, die sich mit dem 11. französischen Armeekorps vereinigen sollte, mußte jedoch wegen Erkrankung diese Stelle niederlegen und starb 25. Juni 1813 bei Kiel. Er machte sich auch als militärischer Schriftsteller bekannt, z. B. durch seine Schrift "Über den kleinen Krieg" (Marb. 1785) und die "Belehrungen über den Krieg, erläutert durch Beispiele großer Helden und kluger, tapferer Männer" (Altona 1798-1803, 9 Tle.). Vgl. seine Biographie von seinem Sohn Karl v. E. (Kopenh. 1838).

4) Johann Ludwig, theologischer und poetischer Schriftsteller, zum Kreis von Goethes Jugendgenossen gehörig, geb. 16. Sept. 1747 zu Hayn bei Offenbach, ward, nachdem er in Marburg Theologie studiert, Pfarrer in Offenbach, bekleidete in wechselreichem Leben verschiedene geistliche Stellen und starb als Ministerialrat im Kultusministerium 19. März 1822 in Karlsruhe. Von seinen Schriften feien das Drama "Mehala" (Mannh. 1808) und die Monatsschrift "Urania" (Hannov. 1794-96) genannt. Goethes Bundeslied "In allen guten Stunden" ward zum Geburtstag Ewalds 1775 gedichtet.

5) Heinrich von, berühmter Orientalist, geb. 16. Nov. 1803 zu Göttingen als der Sohn eines armen Tuchmachers, studierte hier seit 1820 Theologie und Philologie und insbesondere die orientalischen Sprachen und schrieb, noch Student: "Die Komposition der Genesis" (Braunschw. 1824). Er ward 1824 Repetent der theologischen Fakultät in Göttingen, 1827 außerordentlicher, 1831 ordentlicher Professor der Philosophie und 1835 Nominalprofessor der orientalischen Sprachen. Als Teilnehmer an dem bekannten Protest der "Göttinger Sieben" gegen die Aufhebung des hannöverschen Staatsgrundgesetzes 12. Dez. 1837 seines Amtes entlassen, folgte er 1838 einem Ruf als ordentlicher Professor der Theologie nach Tübingen, kehrte aber, vom König von Württemberg in den persönlichen Adelstand erhoben, 1848 in seine frühere Stellung nach Göttingen zurück. Infolge seiner Verweigerung des Huldigungseides wurde er 1867 auf sein Ansuchen von der preußischen Regierung in Ruhestand versetzt und dafür von der Welfenpartei in den Reichstag geschickt, wo er beharrlich die Neugestaltung Deutschlands bekämpfte und immer von neuem für die Wiederherstellung der Welfenherrschaft in Hannover seine Stimme erhob. Er starb 4. Mai 1875 in Hannover. In seinen frühern Werken: "De metris carminum arabicorum" (Leipz. 1825), "Versuch über einige ältere Sanskritmetra" (das. 1827), in seiner "Kritischen Grammatik der hebräischen Sprache" (das. 1827), die er hierauf als "Grammatik der hebräischen Sprache" (das. 1835, 3. Aufl. 1838) kürzer und als "Ausführliches Lehrbuch der hebräischen Sprache" wiederholt (8. Aufl., Götting. 1870) bearbeitete, sowie in seiner "Grammatica critica linguae arabicae" (Leipz. 1831-33, 2 Bde.) u. a., trat er namentlich für die Grammatik und Metrik der orientalischen Sprachen bahnbrechend auf. Einen Teil der reichen Früchte seiner Reisen legte E. nieder in den "Abhandlungen zur orientalischen und biblischen Litteratur" (Götting. 1832) und in seiner "Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes". Seine alttestamentlichen Studien faßte er zusammen in den Werken: "Die poetischen Bücher des Alten Bundes" (neue Auflage, Götting. 1865-67, 4 Bde.) und "Die Propheten des Alten Bundes" (2. Aufl., Stuttg. 1867-68, 3 Bde.), in den "Beiträgen zur Geschichte der ältesten Auslegung und Spracherklärung des Alten Testaments" (das. 1844, 3 Bde.) und endlich in seinem Hauptwerk: "Geschichte des Volkes Israel" (3. Aufl., Götting. 1864-68, 7 Bde.), das von großartiger Auffassung und historischer Kunst zeugt, und zu dem noch ein Band: "Die Altertümer des israelitischen Volkes" (3. Aufl., das. 1866), als Anhang erschien. E. ist nach Gesenius, den er an Vielseitigkeit und Tiefe weit überragt, wenn er ihm auch an Unbefangenheit nicht gleichkommt, der eigentliche Schöpfer der historisch-vergleichenden Methode in der semitischen Sprachwissenschaft und Philologie und unübertroffen an liebevoller Versenkung in den Geist des hebräischen Altertums. Dem Neuen Testament trat E. näher in den meistens in einem schroffen Gegensatz zu der sogen. Tübinger Schule stehenden Werken: "Jahrbücher der biblischen Wissenschaft" (Götting. 1848-65, 12 Tle.); "Die drei