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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fächerförmige Schichtenstellung; Fächergewölbe; Fächerpalme; Fächerwerk; Fâcheux; Fachholz; Fachingen; Fachklassen; Fachschulen

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Fächerförmige Schichtenstellung - Fachschulen.

wie ein Fächer faltbar sind; die Weibchen sind flügel- und beinlos. Letztere, von Gestalt einer Made, ohne Augen, wohnen im Hinterleib von Bienen und Wespen und strecken nur ihren Vorderkörper aus dem Wirtstier hervor, so daß sie von dem sehr kurzlebigen Männchen nur mittels besonderer Vorrichtungen begattet werden können. Die Eier entwickeln sich im Mutterleib; die jungen Larven gelangen ins Freie, bohren sich in Wespen- oder Bienenmaden ein und machen nun zusammen mit ihrem Wirt, ohne ihm wesentlich zu schaden, die Verwandlungen zum vollkommenen Insekt durch. Von manchen Entomologen werden die F. zu den Käfern oder auch zu den Netzflüglern gerechnet. Die bisher bekannt gewordenen Arten hat man auf etwa vier Gattungen verteilt. Die obige Abbildung zeigt das Männchen von Pecks Immenbreme (Xenos Peckii) mit den verkümmerten Vorderflügeln (a) und das Weibchen von Rossis Immenbreme (X. Rossii, b) von der Bauchseite, beide stark vergrößert.

Fächerförmige Schichtenstellung, ein namentlich bei altkristallinischen Gesteinen (Gneisen und Schiefern, z. B. in den Alpen und in Skandinavien) vorkommender Schichtenbau, bei welchem sich an eine zentrale Zone von senkrechten Schichtensystemen nach rechts und links geneigte, der zentralen Partie zufallende Schichten anlehnen mit einem um so stärkern Fallwinkel, je weiter sie von dem Zentrum entfernt sind. Vgl. die Abbildung zum Artikel "Gebirge".

Fächergewölbe, s. Gewölbe.

Fächerpalme, eine Palme mit handförmig geteilten, nicht gefiederten Blättern, speziell bestimmte Arten der Gattungen Borassus und Corypha (s. d.).

Fächerwerk, in der Architektur an einer Decke oder einem Gewölbe, welche in Felder eingeteilt sind, die fächer- oder strahlenförmig in einem Mittelpunkt zusammenlaufen.

Fâcheux (franz., spr. -schöh), ärgerlich, verdrießlich; beschwerlich fallend; fâchieren, ärgerlich, ungehalten machen; reflexiv: sich ärgern.

Fachholz (Stakholz), gespaltene Hölzer von etwa 30 cm Länge und 6-8 cm Dicke und Breite zum Ausstaken der Holzwände, wenn letztere mit Strohlehm ausgefüllt werden sollen; die Fachhölzer werden zu diesem Behuf vorher mittels der Fachgerten, gespaltener Stäbe, nach Art gewöhnlicher Körbe ausgeflochten.

Fachingen, Dorf, zur Gemeinde Birlenbach gehörig, im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Unterlahnkreis, an der Lahn und an der Linie Frankfurt-Oberlahnstein-Lollar der Preußischen Staatsbahn, hat 180 Einw. und ist berühmt durch sein Mineralwasser (Fachinger Wasser), das besonders bei Magen- und Bronchialkatarrh, gegen Versäuerung des Magens, bei Gicht und katarrhalischen Beschwerden der Gallenwege und der Blase angewendet, aber nur versandt wird. Es gehört zu den stärksten alkalischen Säuerlingen Deutschlands, charakterisiert durch seinen bedeutenden Gehalt an doppeltkohlensaurem Natron (3,5110 g in 1 Lit.) u. Kohlensäure (1099,16 ccm), hat eine Temperatur von 10° C., ist hell und durchsichtig und von erfrischendem Geschmack.

Fachklassen, gewerbliche, d. h. einzelne höhern Unterrichtsanstalten angehängte Klassen, die unter Voraussetzung eines gewissen Grades allgemeiner Bildung sich die unmittelbare Vorbildung ihrer Schüler für das gewerbliche Leben zum Ziel setzen. In dem Plane, nach dem 1879 das gewerbliche Unterrichtswesen in Preußen umgestaltet ward, sind derartige F. an den Oberreal- und höhern Bürgerschulen (nach jetziger Bezeichnung) als mittlere Stufe zwischen den im engern Sinn sogen. Fachschulen und den technischen Hochschulen gedacht. Wie jene unmittelbar für die niedern Stufen der Praxis und diese für die höchsten technischen Stellungen, so sollen die F. mittlere technische Beamte, wie Betriebsaufseher, Fabrikleiter etc., vorbilden. Sie setzen die höhere Bürgerschule oder dem entsprechend die sechs untern Jahrgänge der Oberrealschule, bis Untersekunda einschließlich, als zurückgelegt, die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig-freiwilligen Heerdienst als erlangt voraus und führen die Zöglinge durch zwei einjährige Klassen ihrem Ziel entgegen, dessen Erreichung durch eine Abgangsprüfung vor staatlicher Kommission dargethan wird. Eine Prüfungsordnung ist für diese Prüfungen im J. 1883 erlassen worden. - Derartige F., namentlich für Maschinentechniker, bestehen noch an einigen aus den frühern Provinzial- und königlichen Gewerbeschulen hervorgegangenen Oberreal- und Realschulen. In Breslau ist überdies eine zweite für Chemiker, in Gleiwitz für Hüttenleute eingerichtet. Im ganzen aber ist das Ergebnis (hauptsächlich wohl wegen der hohen Forderung bezüglich der allgemeinen Bildung) hinter der Erwartung zurückgeblieben. Bei dem Übergang des niedern gewerblichen Unterrichtswesens an das Handelsministerium mit 1. April 1885 sind die F. mit den technischen Hochschulen dem Kultusministerium verblieben.

Fachschulen, gewerbliche (technische F.), sind solche Anstalten, in denen ein bestimmtes Handwerk förmlich gelehrt wird. Sie setzen meistens die Volksschule als bereits zurückgelegt voraus, sind jedoch in einzelnen Fällen auch mit der Oberstufe derselben so verbunden, daß der eigentliche Schulunterricht mit dem Fachunterricht nach Stunden des Tags oder Tagen der Woche abwechselt. Von den gewerblichen Fortbildungsschulen (s. d.) unterscheiden sie sich dadurch, daß sie die ganze gewerbliche Vorbildung übernehmen und nicht eine anderweit praktisch vermittelte Anleitung zum Handwerk nur nach gewissen Richtungen hin theoretisch ergänzen; sie sind daher Tagesschulen, während die Fortbildungsschulen für Handwerker fast ausschließlich auf die Abendstunden beschränkt bleiben. Von den mittlern und höhern technischen Lehranstalten unterscheiden sich die F. dadurch, daß sie die allgemeine Bildung ihrer Zöglinge nur so weit ins Auge fassen, als dieselbe unmittelbar für die Ausübung des Handwerks nötig ist, für welches jede einzelne Schule vorbereitet, und daß sie namentlich höhere Schulbildung (fremde Sprachen etc.) weder voraussetzen, noch gewähren. Immer bleibt aber der Lehrgang der F. ein solcher, daß er über das geringste Maß der an einfache Arbeiter zu stellenden Forderungen hinausführt; sie bilden daher namentlich bei Gewerken, die einen fabrikmäßigen Betrieb verlangen, mehr Werkmeister als einfache Arbeiter aus (Werkmeisterschulen). Über die gewöhnliche Höhe erheben sich in dieser Richtung namentlich die Baugewerkschulen (s. d.) für Maurermeister und Zimmermeister, deren Vorkenntnisse, namentlich in der Mathematik, doch schon höhere sein müssen; überdies setzen sie einen außerhalb der Schule gemachten praktischen Anfang voraus. Die gegenwärtige Bewegung zu gunsten der F. ging hauptsächlich von Frankreich aus, wo der Fachbildung (enseignement spécial) namentlich seit dem Ministerium Duruy (1863-69) große Aufmerksamkeit gewidmet wird. Sie hat sich von da aus zuerst nach Holland und nach Belgien verbreitet, wo namentlich die Webschulen in Blüte stehen. Sorgfältige und für den Aufschwung namentlich der Kunstgewerbe (Kunsttischlerei, Schnitzerei, Glasmacherei,